Sonntag, 28. Dezember 2014

Warme Weihnachten

Nicht nur draußen, sondern auch warm ums Gemüt.
Der Weihnachtsmorgen hatte schon mit 5°C und tierischem Regen begonnen. Klatschnass im Babel-Büro angekommen durfte ich es mir erst mal gemütlich machen. Wir wurden auch sehr bald vor die Wahl gestellt, entweder bis um 1 (nach der Mittagspause) zu arbeiten, oder bis 17:30 Uhr. Mein Team war sich schnell einig: "Nee, keinen Bock heute". Von 9 bis 13 Uhr haben wir im Prinzip auch nicht viel gemacht. Zwei Stunden mussten wir auf unsere Aufgaben warten. Neu war diesmal Audio-Testing, wobei wir uns nur Gesprochenen Text angehört und mit dem Geschriebenen in einer Liste (im Spiel dann die Untertitel) verglichen und nacheinander abgehakt haben, was nach zweifachem Prüfen nur eine Stunde gedauert hat. Die nächste Stunde haben wir dann im Prinzip auch nur rumgesessen. Zum Abschied gab es noch "Kurze" und für mein Team wurde sogar Pizza bestellt. Nice.
Bei selbem Wetter ging es dann wieder nach Hause. Tommy, Gothi und Philipp hatten schon ein paar Einkäufe erledigt und kurz nach meiner Ankunft zu Hause schon alles besorgt, bis auf ein paar Kleinigkeiten.


Von unserem Vermieter Francis haben wir noch eine Kiste Schmuck für den Baum bekommen, der nicht der schönste war, aber immerhin etwas. Lara und Anna sind dann zwischen 20 und 20:30 Uhr eingetrudelt. Bis dahin hatten wir noch reichlich sauberzumachen und gegen 19 mussten wir natürlich auch das Essen vorbereiten. Womit wir leider bis nach 22 Uhr beschäftigt waren. Gothi hatte mit der Nachspeise, einem Schokokuchen mit Zartbitterschokolade angefangen. Zur Hauptspeise haben wir dann Lachs mariniert. Dazu gab es eine Sahnesoße mit Zitrone und Reis. Außerdem gab es für die Vegetarier Bohnen, wobei wir die restlichen Bohnen in Bacon-Streifen eingewickelt haben (was übersetzt Speck heißt, aber eigentlich nicht so wie typischer Speck schmeckt). Nur Bohnen hätten auch gereicht, aber wie oft gönnt man sich schon mal Fleisch hier in Kanada? Als Vorspeise diente etwas Bruschetta.





Insgesamt war das Essen so umfangreich, dass für die Nachspeise erstmal keinen Platz mehr war - sondern erst am nächsten Nachmittag.
Ansonsten war das Fest nicht wirklich weihnachtlich. Statt Weihnachtsliedern lief dann Rock, Pop, Techno und Elektro und statt einer ruhigen Gesprächsrunde ging die Post ab, sozusagen.

Am 25. Dezember haben wir nur eine leichte Mahlzeit gegessen. Zur Sicherheit. Reste waren sowieso nicht mehr wirklich übrig. In der Eile haben wir nämlich über Nacht die Fischreste offen stehen lassen, also haben sie am nächsten Tag nicht mehr so gut gerochen. Sonst haben wir nicht viel gemacht. Gegen Mittag hatte Francis vorbeigeschaut und wir haben außgemacht, dass wir die Wohnung außerhalb von Airbnb buchen, weil sie anscheinend ziemlich zufrieden mit uns waren. Das hat zur Folge, dass wir statt 1850$/Monat nur noch rund 1600$/Monat bezahlen müssen. Im Laufe des Tages haben wir uns alle irgendwann im Wohnzimmer eingefunden und 'Kevin allein zu Haus' und irgendwelche Youtube-Videos angeschaut.


Am  26. ging es allen wieder besser, sodass wir noch mal die Chance ergriffen und angestoßen haben.
Auch hier ist sonst wieder nicht viel passiert. Lara ist am 26. und Anna heute gegangen. Philipp ist also noch hier, aber im Prinzip ist unser üblicher Tagesrhythmus eingetreten.
Insgesamt also waren unsere Festtage nachvollziehbar... anders. Immerhin konnten wir noch ein Fünkchen Kultur in die Party einbauen und so das Heimweh halbwegs vermeiden. Nichtsdestotrotz freu ich mich schon auf Weihnachten nächstes Jahr daheim.
Fürs Erste soll das auch reichen. Das nächste Mal werde ich wahrscheinlich wieder im neuen Jahr berichten.

Bis dahin wünsch ich euch noch angenehme Festtage!

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Nur Kohle dieses Jahr

Tja, nun ist es soweit. Weihnachten steht vor der Tür. In den letzten Tagen habe ich mich öfters gefragt, wie das hier in Kanada ablaufen wird. Werden wir zu Hause sein? Feiern wir Weihnachten zusammen mit Anderen? Schenken wir uns was? Natürlich war klar, dass es nicht wie daheim in Deutschland sein wird. Vieles ist in Kanada eben anders, und ab und an vermisst man doch die ein oder andere Tradition.

Doch wie sagt man so schön? Wenn das Leben dir Kartoffeln schenkt, mach Kartoffelbrei daraus. Und leg noch eine Bratwurst dazu. Oder so.
Jedenfalls muss man unter diesen besonderen Umständen umdenken. Seit wir hier sind haben wir uns überlegt, wie wir denn nun Weihnachten feiern können und nach etlichen verworfenen Ideen haben wir den Entschluss gefasst, 'Christmas' mal anders zu erleben und ein paar bekannte Gesichter einzuladen: Anna und Philipp, die wir ganz zu Anfang unserer Reise im Hostel getroffen haben, und Lara.

Morgen früh werde ich noch mal bis 17:30 Uhr arbeiten müssen. In der Zwischenzeit werden (zum Glück) Tommy, Philipp, der heute schon angekommen ist, und Gothi einkaufen gehen und ein paar letzte Besorgungen machen - natürlich Essen, Getränke, Schmuck und etwas zum Anstoßen, versteht sich. Einen Weihnachtsbaum haben wir mittlerweile bekommen - einen großen für 90$, der immerhin bis zur Decke reicht. Einen kleinen hätte man schon für 30-40$ bekommen, aber das wäre es nicht wert gewesen. Während ich auf der Suche nach einer Bank war, die auch außerhalb meiner Arbeitszeiten geöffnet hat und nach drei geschlossenen Banken in der Innenstadt keine Lust mehr hatte, haben Gothi und Tommy mit unserem Vermieter, Francis, der freundlicherweise seine Hilfe und sein Auto angeboten hat, den Baum abgeholt. Dafür haben wir ihm heute eine gute Flasche französischen Wein und deutsche Kekse geschenkt, worüber er sich tierisch gefreut hat.

Fürs Abendessen haben Gothi und ich schon seit längerem Lachs und Reis geplant. Nach einigem hin und her machen wir nun ein paar verschiedene Gerichte, da Vorschläge wie Pommes oder Tiefkühlpizza aufkamen. Das ist zwar ein sehr ungewöhnliches Weihnachten, aber Pizza kommt uns nicht in die Tüte ;)
Schenken werden wir uns nichts. Erstens, weil einfach niemand von uns Ahnung hat, was er denn dem Anderen schenken könnte. Zweitens, weil es für unnötigen Stress sorgt. Niemand braucht etwas spezielles - zumindest nichts, was man hier in Kanada kaufen könnte - also sparen wir uns Zeit, Geld und Nerven. Außerdem werden unsere Vermieter nicht da sein, was bedeutet, wir können so viel Krach machen, wie wir wollen. Ob die Weihnacht so besinnlich sein wird, weiß ich nicht,

Und sonst? Die Arbeit läuft sehr gut. In den letzten Tagen habe ich mich gut in das Projekt eingelebt. Es macht zwar entgegen aller Erwartungen nicht immer Spaß, obwohl und gerade weil ich manchmal wenig zu tun hab, weil nur ein mal pro Woche Neuerungen ins Spiel gebracht werden und nach zwei bis drei Tagen intensiven Suchens nichts Fehlerhaftes mehr zu finden ist. Nichtsdestotrotz macht sie auch sehr viel Spaß, weil man hier, anders als bei meinen früheren Jobs, geistig ordentlich gefordert wird, da eben sehr gute Englisch- und Deutschkenntnisse, Liebe zum Detail und sogar Kreativität gefragt sind. Und: Wir müssen und können trotz der großen sprachlichen und kulturellen Unterschiede perfekt als Team zusammen arbeiten.
Außerdem wurde mir ein fester Vertrag (momentan sind wir nur freie Mitarbeiter) angeboten, nämlich bis zum 27. Februar. Da wir aber nicht so weit vorausplanen können und sollten, haben wir ausgemacht, dass ich zumindest bis zum 31. Januar so einen Vertrag bekomme - danach könnte ich immernoch am Projekt weiterarbeiten, solange ich Zeit hab, aber auch spontan aufhören.
Über einen Stundenlohn von 13$ pro Stunde, wovon 95% in meine Tasche wandern, kann ich mich auch nicht beklagen.


Eigentlich gäbe es noch viel mehr zu erzählen - was wir alles für morgen geplant haben und wie es weitergeht - aber wie schon erwähnt, wird es morgen ein sehr langer Tag, also werd ich es mir mal langsam im Bett gemütlich machen. Fotos habe ich im Moment auch keine. Beziehungsweise keine Lust, welche zu machen. Wenn unsere Gäste dann wieder weg sind, werde ich hier wieder berichten, oder ich lade einfach zwischendurch ein paar hoch.

Damit ich hier trotzdem noch ein wenig von der besonderen Stimmung verbreiten kann: Hier ist ein Video, dass uns unsere Couchsurfing-Hosts in Ottawa gezeigt haben, und ich denke, das kommt der Idee von Weihnachten doch sehr nahe.


In diesem Sinne hoffe ich, ihr genießt das Zusammensein in der Familie und wünsche euch frohe und besinnlichere Weihnachten, als unsere! :)

Bis demnächst!

Freitag, 12. Dezember 2014

Let it snow, let it snow, let it snow

..., denn einmal "Lass es schneien" reicht ja in Kanada offensichtlich nicht aus. Am Dienstagabend hat es angefangen zu schneien und bis heute Nachmittag hat es nicht mehr aufgehört. Jetzt liegen also etwa 30cm Schnee (und zwar auch nur so wenig, weil tagsüber genug wieder schmilzt). Die Stadt ist momentan eine einzige Matschgrube, trotz sämtlicher Bagger und Pick-Up-Trucks, auf denen Front-Schaufeln montiert sind, die etwa alle 10 Minuten unter Anderem an unserem Haus vorbeifahren. Uns wurde gesagt, dass Kanada in Sachen Schneebeseitigung sehr fortschrittlich ist - so fahren beispielsweise LKW's durch die Städte, die den Schnee auf- und wo anders wieder abladen. Leider merkt man davon im Moment noch relativ wenig. Zumindest rutsche ich bei absolut jedem Schritt auf dem Weg zu meiner Arbeit über Matschhaufen und an den Kreuzungen nicht in eine Pfütze zu treten, ist unmöglich. Während ich jetzt schreibe hat es übrigens schon wieder angefangen, zu schneien...
Den Kanadiern scheint es aber nicht so viel auszumachen, auch wenn man hin und wieder mal welche sieht, die ausrutschen, ihre Schuhe in Pfützen durchnässen (ich auch) oder mit ihrem Auto nicht zur Arbeit können, weil es von einem 1m hohen Schneeberg umgeben ist.


Man beachte das silberne Auto links. Blöd, ne?



Das Gute ist, dass es draußen mit durchschnittlich -2°C mollig warm ist, wenn man sich erstmal an die -16°C von vor einigen Tagen gewöhnt hat. Ich habe mir jetzt auch angewöhnt, zur Arbeit nur noch zu joggen, um fit zu bleiben und mich auf dem Weg dahin warm zu halten. Außerdem spar ich so die 80$ für eine Monatskarte für Bus und Métro.

Was meine Arbeit angeht: Die letzte Woche war es doch etwas trocken. Nach dem Training hatten wir gehofft, dass es danach auch gleich richtig losgeht. Immerhin haben die dringend deutschsprachige Tester gesucht. Tatsächlich war trotz Nachfrage kein offenes Projekt verfügbar. Tommy arbeitet dagegen schon seit letzten Donnerstag. Diesen Montag konnte ich dann endlich mal arbeiten. Allerdings war es zum Einen nur 'compliance testing', was, wie schon im letzten Post erwähnt, sehr eintönig und langweilig ist, weil man im Prinzip den ganzen Tag nur versucht, Meldungen aus dem Spiel zu quetschen, indem man den Controller entfernt, ein Spiel lädt, die Speicherkarte beim Speichern rauszieht, und so weiter. Zum Anderen war dann am Dienstag, obwohl wir Montag nicht fertig geworden sind, keine Arbeit für mich verfügbar. Was ich dann erst erfahren hab, als ich erwartungsvoll am Arbeitsplatz erschienen bin und mir gesagt wurde, dass ich daran nicht weiter arbeiten werde und auch sonst niemand krank geworden ist, den ich vertreten könnte. Konträr dazu hatte ich tatsächlich irgendwann letzte Woche Morgens eine Mail bekommen, in der ich gefragt wurde, ob ich jemanden vertreten könne, allerdings hab ich da ausgeschlafen und als ich dann geantwortet hatte, war der Posten schon wieder besetzt. Sehr ärgerlich.
Am Ende ist es darauf hinausgelaufen, dass ich hauptsächlich mit Gothi zu Haus gesessen hab, um Kosten zu sparen. Um also meine Chancen zu maximieren, endlich arbeiten zu können, habe ich nun angegeben, dass ich jeden Tag in der Woche und zu jeder beliebigen Schicht verfügbar bin und auch in der nächsten Zeit bis zum 4. Januar für reichlich Überstunden zu haben sein werde (also alles, was über 40 Stunden pro Woche hinaus geht).

Tatsächlich durfte ich heute sogar wieder arbeiten, weil wieder ein komplett neues Spiel reingekommen ist, das voraussichtlich noch zwei Monate lang getestet werden wird. Auch morgen werd ich wieder los dürfen. Der Projektleiter hat mich auch schon gefragt, ob ich in der Zeit zwischen Heiligabend und Silvester zur Verfügung stehen würde - was bei vielen Angestellten wohl nicht der Fall wäre - was ich natürlich sofort bejaht hab, denn das schreit ja schon fast nach einer dauerhaften Beschäftigung. Zum Spiel selbst darf ich nicht viel sagen. Auf jeden Fall ist es ein ziemlich heftiges Kampfspiel, das den meisten in meinem internationalen Team (Spanisch, Französisch, Italienisch, Deutsch, Portugesisch) schon etwas Entsetzen ins Gesicht gezaubert hat und einer meinte sogar, er müsse sich nach Feierabend erstmal Bilder von Katzen- und Hundewelpen ansehen, um wieder herunterzukommen. Was tut man nicht alles für seinen Job?

Jedenfalls denke ich, dass sich die Frustration in der letzten, unbeschäftigten Zeit bald legen und alles wieder seinen gewohnten Gang gehen wird. Nebenbei hat uns Tommy (der heute für ein paar Tage nach New York gefahren ist) einige Kerzen und eine kleine Tischdecke besorgt, so dass wir jeden Sonntag ein weiteres Licht anzünden können. Gothi und ich haben gestern ein paar Kekse gebacken (Vanillekipferl und Krapfen). Am Wochenende hören wir nebenbei auch einige typische Weihnachtslieder. Da fragt man sich schon, wie Weihnachten hier sein wird. Lara wird über Weihnachten herkommen und wahrscheinlich kommt noch jemand vorbei, den wir ganz am Anfang unserer Reise kennengelernt haben. Eventuell legen zusammen und kaufen uns einen Weihnachtsbaum für 100$. Mal sehen. Gedanklich werde ich aber ganz sicher zu Hause sein.

Sieht bescheiden aus, erfüllt aber seine Aufgabe.

Schöne Gruße aus dem verschneiten, aber warmen Montréal.


Dienstag, 2. Dezember 2014

Babel and whatnot

Sorry für die Verspätung mit dem Post, ich war irgendwie nicht motiviert :)
Da hier sonst eigentlich nichts interessantes passiert, will ich heute mal nur vom Training bei Babel berichten.

Erster Tag:
Morgens sind wir um 7 aufgestanden, haben entspannt geduscht und gefrühstückt und sind dann um 8 losgetorkelt. 8:30 Uhr waren wir dann in dem riesigen Backsteingebäude und sind mit dem Fahrstuhl in den 8. Stock gefahren, wo wir zunächst kurz warten mussten, weil die Tür abgeschlossen war und sich nur mit Schlüsselkarten öffnen lässt. Wir wurden dann hereingelassen und pünktlich um 9 hat uns unser Ausbilder, Jim, begrüßt. Wir konnten dann auch gleich unsere Arbeitsverträge und dies und jenes unterschreiben und ausfüllen. Dann hat Jim uns ein wenig über die Firma und die Arbeit selbst erzählt und uns im Office herumgeführt. Wir haben einen persönlichen Arbeitsaccount erstellt und sonst hat er uns für den Rest des Tages theoretische Grundlagen für die Arbeit beigebracht. 17:30 Uhr war dann schluss und wir konnten wieder bei der Kälte nach Hause gehen. Mit uns beim Training waren übrigens noch ein Russe, eine Polin, eine Portugesin und eine Spanierin (glaub ich).

Zweiter Tag:
Morgens der selbe Ablauf, nur sind wir 20 Minuten später losgegangen, weil es sich dann doch als unnötig herausgestellt hat, eine halbe Stunde vorher da zu sein. Diesmal konnten wir die Theorie anwenden, und zwar an einem Browserspiel am Computer, das "Angry Birds" sehr ähnlich sieht.
Dabei handelt es sich um ein präpariertes Testspiel, also enthielt es noch ziemlich viele Fehler. Unsere Arbeit bestand darin, alle sprachlichen Unschönheiten (zunächst nur auf Englisch) zu korrigieren, soweit das möglich ist. Dazu gehören z.B. Grammatikfehler, Zeichensetzungsfehler, falsche Übersetzungen oder auch Logikfehler (wie beispielsweise Beschreibungen für Gegenstände im Spiel: Einer gibt 500 Punkte, der andere plötzlich 10.000, und das musste dann im Spiel überprüft werden), aber auch Formatierungsfehler, wie zum Beispiel unangemessene Textfarben und -größen und Text, der über die Grenzen eines Textfensters wie einer Sprechblase hinausgeht oder einen anderen Text überlappt.
Zum Berichtigen benutzen wir eine Excel-Tabelle, in der alle 'Strings' des Spiels (=Texteinheiten: Das können einzelne Wörter, Sätze oder Wortgruppen sein, die wie in einer Art Variable zusammengefasst sind) aufgelistet sind. Dort muss man den entsprechenden fehlerhaften String suchen. Größere Spiele können dabei gut und gern mehrere Tausend Strings besetzen. Wenn man ihn gefunden hat, vergleicht man den "Source-Text" (das Original), die Übersetzung und das tatsächlich im Spiel Gesehene miteinander. Ist die Übersetzung falsch, können wir den Entwicklern eine neue Übersetzung vorschlagen. Ist diese richtig, wird aber im Spiel falsch angezeigt, liegt ein Implementierungsfehler vor und man muss einen 'Bug report' schreiben, was pro 'Bug' in der Regel 10-20 Minuten dauert. Diese müssen ganz bestimmten Richtlinien folgen, die wir aber zum Glück auf einer internen Website (außerhalb des Büros nicht aufrufbar) nachlesen können. Auch, wenn wir das Spiel technisch fertig erhalten, gibt es von diesen Fehlern denkbar viele. Dabei ist auch unsere Urteilsfähigkeit gefragt, weil besonders die deutsche Sprache anfällig für seine übertrieben langen Wörter ist. Wenn zum Beispiel das Wort "Skip" mit "Überspringen" übersetzt wird, ergibt das häufig Fehler, weil das Textfeld der englischen Übersetzung eben nur vier Buchstaben beinhalten sollte. Um dann Arbeit zu sparen, ist es sinnvoller, eine kürzere deutsche Übersetzung zu finden, als das Textfeld zu vergrößern. Nach der selben Idee werden auch Untertitel entsprechend verändert, wenn sie vom gesprochenen Text abweichen. Auch, wenn dann beides nicht unbedingt ganz richtig ist; es spart auf jeden Fall eine ganze Menge Arbeit, wenn es nicht noch mal aufgenommen werden muss.

Alles in allem ist der Job also im Endeffekt nicht ganz so spannend, wie man ihn sich vorstellen könnte, weil auf 5 Minuten Spielzeit eben mal etwa 60 Minuten bug reports folgen.

Dritter Tag:
Pünktlich um 9 ging es dann wieder los. Am Samstag ist da relativ wenig los und die Arbeit ist wohl etwas gelassener. Diesmal haben wir, der Vollständigkeit unseres Trainings halber (auch wenn wir das selten anwenden werden müssen), etwas "compliance testing" geübt. Dabei geht es vorrangig um die Terminologie in Videospielen. Wird zum Beispiel bei einem Xbox-Spiel der kabellose Controller im Spiel "Gamepad" und nicht "Wireless Xbox 360 Controller" genannt (z.B.), ist das ein Fehler. Anders als beim LQA testing (siehe Tag 2) bekommen wir hier über interne Websites Formulare, wo vom Kunden festgelegte Kriterien überprüft und abgehakt/berichtigt werden müssen. Das schließt das Beispiel mit dem Controller und auch sonstige Fachausdrücke mit ein. Ein Beispiel: "Überprüfe, ob beim Speichern des Spiels die folgende Meldung erscheint: ..." Je nach Hersteller reicht es dann entweder, die sinngemäßgen Inhalt zu überprüfen (so beispielsweise bei Microsoft), oder die exakte Übereinstimmung (Nintendo).
Ansonsten ist der erste Eindruck von der Arbeit ziemlich gut. Die Leute sind nett und gelassen. Auf der Infoseite des compliance lead testers im Bereich 'Nintendo' findet man zum Beispiel ein Bild von einem Wüstenknäuel auf einer leeren Straße, um dessen Arbeit symbolisch zusammenzufassen.
Einmal haben wir eine Mail gekriegt, die uns darauf hinweist, dass in der Caféteria ein Kuchenbasar stattfindet und wir uns beeilen müssen, wenn wir noch was haben wollen. Darunter war ein Bild von zwei dicken Frauen, die auf einen Tisch voller Kuchen losstürmen.

Leider haben wir noch keine Einteilung in ein Projekt bekommen, also sitzen wir gerade zu Hause und können nur abwarten, bis was passiert. Solange muss erstmal an allen Ecken gespart werden.

Das wärs soweit auch wieder. Das nächste Mal werd ich wohl erst schreiben, wenn unsere Arbeit richtig losgeht. Bis dahin!

Donnerstag, 27. November 2014

Next stop: Montréal

Ahoy!
Insgesamt drei Tage lang waren wir bei unserem Couchsurfing-Host in der Rue Louis-Hébert. Zeitgleich mit unserer Ankunft in Montréal ist auch Max eingetroffen, oder "Gothi", wie wir ihn liebevoll nennen. Wir hatten ihn ja anfangs auf der Farm kennengelernt, falls ihr euch erinnert. Nach Halton Place ist er nach Winnipeg gegangen, was in Kanada allgemein wohl als ziemliches
Dreckloch bekannt ist - nicht gerade schön, sehr kalt, die Menschen grenzen sich voneinander ab, es gibt keine guten Freizeitmöglichkeiten und für kanadische Verhältnisse ist die Kriminalitätsrate relativ hoch. Deshalb ist er jetzt wieder hier. In der Zeit haben wir außerdem Alina (diesmal mit 'i', nicht mit 'e') getroffen, die auch auf der Farm gearbeitet hatte. Irgendwie finden die "Friends of Halton Place" immer wieder zusammen.

Jedenfalls hatten wir am Samstag, dem 22., ein Appartment nahe unseres hoffentlich zukünftigen Arbeitsplatzes gefunden. Da Gothi selbst auch noch keine konkreten Pläne hat, was Arbeit und Unterkunft angeht, haben wir beschlossen, eine WG zu gründen und uns eine Wohnung zu dritt zu teilen. Noch am Samstag durften wir die Wohnung besichtigen und waren uns eigentlich sehr schnell einig: Die soll es sein. Also sind wir schon Sonntag eingezogen und wir haben es uns gleich gemütlich gemacht.

Blick aus meinem Fenster.

 Mein Schlafzimmer.

Wohnzimmer von der Couch aus.

Couch, mit Esszimmer im Hintergrund.

Küche.

Zur Wohnung selbst: Sie kostet jeweils etwa 1800$, was wir natürlich durch drei teilen, sodass jeder umgerechnet rund 450€ bezahlt. Nicht wenig, aber was soll man machen? Billigere Wohnungen sind entweder total abseits des Stadtlebens, ungemütlich oder schlecht ausgestattet. Wohnungen in den "edleren" Vierteln kriegt man dagegen erst ab 3000$+ und wir haben sogar eine Wohnung für 10.000$ gesehen (die tatsächlich auch mehrere positive Bewertungen hatte).

Unsere Vermieter sind sehr freundlich, sie haben uns ausführlich rumgeführt und fragen uns selbst jetzt noch öfters, ob denn alles in Ordnung ist. Wir hatten den Eindruck, sie waren selbst froh, die Wohnung endlich vermieten zu können, da es unbeliebte Zeiten sind, hier eine Wohnung zu mieten (haben wir uns sagen lassen). Wir haben ein Wohnzimmer mit zwei Sofas und einem Fernseher, der tatsächlich auch mal Kabelempfang hat (das zweite mal nach immerhin zehn Wochen in Kanada, yay!). Dann ein kleines Bad mit einer Badewanne mit integrierter Dusche. Die Küche ist komplett ausgestattet, inklusive Waschmaschine und Trockner, Ofen, Mikrowelle, Toaster, uvm., allerdings ohne Geschirrspüler, also müssen wir immer per Hand abwaschen. Da wir alle aber eine allgemeine Ordnung hier anstreben, wechseln wir uns gerne mal ab, also ist das nicht das Problem. Nebenbei Essen wir jetzt auch viel Gesünder, weil Gothi nämlich Vegetarier ist und wir in der Regel was kochen, was wir alle Essen. Auch, wenn unsere Essenszeiten dafür seit neuestem etwas abweichen. So gab es in den letzten Tagen auch gerne mal Frühstück um 1 und Mittag-/Abendessen... naja, irgendwann später.
Dann hat jeder noch ein einzelnes Schlafzimmer mit genug Platz und jeweils einem riesigen Queen-Size-Bett. Also so viel Schlafkomfort hatten wir schon seit Deutschland nicht mehr. Wir mussten bisher entweder: Uns ein Doppelbett mit nur einer Decke teilen, mit Schlafsäcken auf Sofas pennen, oder auf einzelnen Matratzen schlafen, die dafür aber klein und unbequem waren (und trotzdem noch in einem Zimmer). Jetzt kann man sich also rumwälzen, wie man will und muss auch nicht berücksichtigen, dass man jemanden dabei wecken könnte. Man selbst wird Morgens weder von anderen geweckt, die früher wach sind, noch von der Sonne, weil wir jetzt erstmals richtige, dunkle Gardinen haben. Erholsamer Schlaf garantiert.

Die Location ist eigentlich ganz in Ordnung; Direkt vor unserem Haus ist ein Park, in dem man joggen kann. Die Straße runter ist auch ein Wasserwerk, also bekommen wir selbst aus der Leitung angenehm frisches Wasser. Die Nachbarschaft an sich und die Straßen sind sehr ruhig. Die nächsten Supermärkte sind weniger als einen Kilometer entfernt und die "Hauptstraße" von Verdun (unserem Viertel), die Wellington Street, wo viele Restaurants und Geschäfte sind, ist von hier aus auch leicht zu erreichen. Noch dazu ist unsere hoffentlich zukünftige Arbeit nur 2,5km entfernt, also lediglich ein kurzer Fußweg für uns.

Übrigens haben wir am Dienstag (endlich!) eine Rückmeldung von Babel bekommen: An diesem Donnerstag bis Samstag findet ein Training statt, an dem Tommy und ich teilnehmen können. Das heißt: Morgen beginnt die vierte und letzte Phase der Bewerbung. Wir werden von 9 Uhr bis 17:30 ausgebildet und dafür auch bezahlt, und, wenn alles gut läuft, dürfen wir danach dann richtig mit dem Job anfangen. Ich habe noch keine wirkliche Ahnung, was uns morgen erwartet, aber ich bin auf jeden Fall richtig gespannt. Damit wir morgen ganz entspannt aufstehen und frühstücken können, werde ich jetzt auch erst einmal schlafen. Ein Update gibt es dann wieder am Wochenende -
also bis dahin!

Freitag, 21. November 2014

Bratwurst und Sauerkraut

Also sind wir doch noch zu ein bisschen Sightseeing gekommen :)
An einem Tag (und fragt mich nicht, an welchem) sind wir ins Parlament gegangen, wo regelmäßig kostenlose Touren angeboten werden, bei denen auch ein wenig geschichtliches erklärt wird. Vorher mussten wir uns genau wie an einem Flughafen noch mal komplett durchchecken und metallische Gegenstände durch einen Scanner laufen lassen. Jedenfalls, hier ein paar Fotos:


Die Parlamentsbibliothek.



Die folgenden Fotos wurden vom 'Peace Tower' aus geschossen, den ihr in meinem letzten Post schon gesehen haben dürftet.




Am 15. haben wir einen "deutschen Abend" veranstaltet, weil die anderen schon seit einer Weile mal was typisch deutsches essen wollten. Also sind wir, während unsere Mitbewohner und der 'Aussie' (wir hatten hier für ein paar Tage auch einen couchsurfer aus Australien) im Kino waren, in den nächsten Loblaws gegangen, den man zum Glück zu Fuß in weniger als 5 Minuten erreicht und haben uns ein paar Kartoffeln, "October Wurst", Sauerkraut und etwas Senf gekauft - was sonst. Die Bratwürste und die Kartoffeln waren ziemlich gut, wenn auch nicht so gut wie die aus der Heimat, das Sauerkraut war dagegen etwas zu sauer und hat nicht wirklich deutsch geschmeckt. Den Anderen scheint es aber gut gefallen zu haben.

Gestern war unser letzter Tag in Ottawa. Mittags waren Thomas, Lara und ich noch mal im 'Elgin Street Diner' essen - übrigens ein sehr empfehlenswertes, edles "Fast food"-Restaurant, falls ihr mal nach Ottawa kommen solltet - und natürlich wollten wir Abends zum Abschied noch ein mal für alle kochen. Mike hat uns mit einem kräftigen "Shnitzel!" begrüßt (die Kanadier tun sich schwer mit der Aussprache von 'sch' oder 'ch'), als er nach Hause kam, aber das war uns dann doch zu langweilig, also haben wir uns entschieden, Senf-Eier zu machen. Wer es nicht kennt, das sind Kartoffeln, natürlich mit gekochten Eiern und einer cremigen Soße mit etwas Senf. Ganz so gut wie zu Haus haben wir es zwar nicht hingekriegt, aber Heimatgefühle kamen beim Essen schon irgendwie hoch und den Anderen scheint es auch gut geschmeckt zu haben. Nachts waren wir mal wieder in "The Lieutenant's Pump" und haben mit Jeff angestoßen. Außerdem mussten wir uns schon mal von allen verabschieden, weil die ja alle schon frühs raus müssen. Aber wer weiß, vielleicht kommen wir nach unserem Aufenthalt in Montreal noch mal nach Ottawa, denn die Stadt hat uns auf jeden Fall gut gefallen.

Heute Morgen haben wir dann unsere Sachen gepackt, was mal wieder eine Stunde gedauert hat, weil man genau planen muss, wie man alles einpackt und selbst dann muss man noch quetschen ohne Ende, und danach sind wir zur nächsten Greyhound-Station gegangen, von wo dann 14 Uhr unser Bus nach Montreal fuhr.

16:30 Uhr dann in Montreal angekommen, mussten wir mal wieder warten, denn unser neuer Couchsurfing-Host kam erst kurz nach 18 Uhr nach Hause, also sind wir eine Weile mit unseren Rucksäcken in Richtung neues Appartment gelaufen, bis wir uns dann ein Taxi gerufen
haben, da es immerhin über 8km entfernt war, was wir mit so viel Gepäck zu Fuß wohl nicht überstanden hätten.
Als wir dann 18 Uhr da waren, haben uns unsere neuen Hosts auch gleich in Empfang genommen - eine ältere Frau und eine junge Spanierin, die sich zusammen die Wohnung teilen, und wir haben mit ihnen ein bisschen erzählt, hauptsächlich über unsere Reise und Kanada.
Da ich heute morgen nur drei Eier gegessen hatte und wir beide großen Hunger hatten, haben uns die beiden ein mexikanisches Restaurant um die Ecke empfohlen, das wohl sehr authentisch sei, zumindest laut einem Mexikaner, den sie kennen. Ich hatte einen Käse-Steak-Taco mit etwas Zwiebeln, Saurer Sahne und Grünzeug und Tommy hatte ein ganzes Menü, wobei der Hauptgang aus Reis mit Gemüse, einer Art Tomatensoße und Teigrollen gefüllt mit Fleisch, Käse o.Ä. bestand. Auf jeden Fall fanden wir beide unser Essen sehr gut und vielleicht gehen wir dort bald noch mal hin. Übrigens wird in den meisten Restaurants automatisch Wasser angeboten (kostenlos), was auch immer sofort wieder aufgefüllt wird, und zwar schon bevor es leer wird.

Allerdings hatten wir dann noch ein nicht gerade kleines Problem. Montreal ist eine größtenteils französischsprachige Stadt mit einem relativ kleinen Anteil englisch sprechender Kanadier, was wir natürlich vorher wussten. Trotzdem können die meisten Einwohner sowohl englisch, als auch französisch sprechen. Doch jetzt wird uns erst klar, wie sehr diese Stadt doch eigentlich französisch ist.
Schilder oder öffentliche Hinweise sind alle nur auf französisch (während sie in den meisten anderen Städten Kanadas immer zweisprachig angeboten werden). Gespräche mit den Leuten hier muss man aus Höflichkeit immer mit "Bonjour" beginnen und dann darf man bei Bedarf "Parlez-vous anglais?" fragen ("Sprechen sie englisch?").
In dem mexikanischen Restaurant zum Beispiel wurde nur französisch oder mexikanisch gesprochen. Zwar hatten wir beide mal Französisch in der Schule, aber irgendwann konnten wir auch das abwählen, wonach wir dann nie wieder französisch gesprochen haben, sodass es bei uns beiden doch ziemlich eingerostet ist. Und dabei hat meine Französischlehrerin immer gesagt, wie wichtig die Sprache doch sei, dass man in vielen Ländern der Welt damit etwas anfangen könne. Was wir natürlich nie geglaubt haben. Wir hatten sogar mal im Unterricht bewertete "Restaurant-Gespräche", also fiktive Situationen, in denen ein Schüler ein Kunde und der andere ein Kellner ist. Und jetzt sitzen wir beide hier in Montreal, einer Stadt im französischsprachigen Teil Kanadas und ärgern uns darüber, dass wir nur noch so wenig wissen.

Naja, so schlimm ist es dann doch nicht; immerhin sind uns im Restaurant heute noch einige übliche Phrasen eingefallen wie "Je voudrais un taco de steak et du frommage, s'il vous plaît", und immerhin haben wir beide am Ende bekommen, was wir wollten. Unsere Französischkenntnisse werden wohl ausreichen, aber die nächste Zeit wird definitiv wesentlich komplizierter, als wir dachten.

Der Hintereingang unseres Appartments in Ottawa.


Übrigens wirds hier langsam ziemlich frostig. Die letzten Tage waren es tagsüber -5°C, gefühlt -12°C (weil so windig) und es hat reichlich geschneit. Die Treppe beim Hintereingang unseres Appartments in Ottawa war zugefroren und der Türriegel hat manchmal einfach festgesteckt, sodass man die Tür nicht richtig schließen konnte. Unsere Mitbewohner sind von der Kälte übrigens genauso wenig angetan wie wir, aber wir wissen alle, mit -5°C ist es in Kanada noch lange nicht getan. Der Taxifahrer heute meinte, dass -20°C in Montreal im Winter ganz normal wären und es sogar mal -40°C werden können - gosh - und, um es zusammenzufassen, gibt es zum Abschluss noch einen kurzen Cartoon.

("Bitch, please" bedeutet in dem Zusammenhang "Lächerlich")

Au revoir!

Donnerstag, 13. November 2014

Remembrance Day - "A day to remember"

So heißt es in der Zeitung, denn am Dienstag hatte ein Reporter Jeff begleitet und seinen Arbeitstag am Remembrance Day mitverfolgt. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr die Geschichte hier nachlesen:
http://ottawacitizen.com/news/local-news/a-day-to-remember-one-soldiers-nov-11

Fünf Tage ist mein letzter Post schon wieder her und ich versuche gerade zu überlegen, was wir denn eigentlich in der Zwischenzeit gemacht haben. Also, am Montag war ja unser Telefon-Interview. Es ging eigentlich relativ schnell (20 Minuten für jeden von uns). Am Anfang ging es noch mal um persönliche Fragen, die an sich genau so schon im Test gestellt wurden. Wahrscheinlich wollte Ms Sanchez (unsere Ansprechpartnerin während des Bewerbungsprozesses) einfach nur mal unsere Stimme hören, um uns etwas besser kennen zu lernen. Dann hat sie uns mehr über den Job erklärt, zum Beispiel dass er sehr 'repetitive', sich wiederholend sei. Man wird also ein Spiel bis zu einem bestimmten Punkt spielen, Übersetzungs- und Spielfehler einreichen und dabei Korrekturen für erstere anbieten müssen. Hat man dies getan, versucht der Hersteller, diese Fehler zu beheben und die bearbeitete Version des Spiels zurück zu den Testern zu schicken. Dann spielt man genau diesen Teil des Spiels noch mal und hofft darauf, dass alles behoben ist, was aber wohl selten der Fall sei.

Außerdem hat sie erzählt, dass wir ein Training abschließen müssen (was wir vorher zwar schon wussten), was aber nicht immer stattfindet. Das letzte wäre Dienstag gewesen, was wir dann aber wieder auch nicht wollten, da Dienstag ja der Remembrance Day war und unsere Mitbewohner uns gebeten haben, unbedingt bis dahin zu bleiben. Das nächste könnte wohl entweder in der nächsten, oder in der übernächsten Woche stattfinden. Genau konnte sie uns das noch nicht sagen, aber sie meldet sich, sobald sie genaueres weiß. Solange müssen wir noch überlegen, wie wir Geld einsparen oder vielleicht noch irgendwie etwas dazu bekommen können. Auch, wenn unsere Mitbewohner uns hier sehr willkommen heißen, wollen wir ihnen auch nicht zu sehr auf der Tasche liegen.
Von den 500 CAD$, die wir auf Halton Place für unsere Arbeit bekommen haben, sind jetzt noch 150$ übrig, da ich eigentlich nur Cash bezahle. Außerdem hab ich noch ca. 130€ für die letzte Wohnung und mein Ticket ausgegeben. Ob das viel ist und inwiefern wir genug wieder reinkriegen, damit wir uns später ein Auto leisten können, zeigt sich dann, wenn wir endlich arbeiten dürfen.
Nebenbei scheint es die Verkäufer hier manchmal ziemlich zu verwirren, wenn man nicht mit Karte bezahlt. Einmal hatte ich einer Verkäuferin in Milton einen 20$-Schein gegeben. Daraufhin hat sie mich nur entsetzt angesehen, eine Weile überlegt, sich dann entschuldigt und mir mein Wechselgeld gegeben.

Aaaaanyway, am Dienstagmorgen gab es, wie schon erwähnt, eine Militärparade beim War Memorial. Bei der Zeremonie ging es logischerweise hauptsächlich um einen Gedenktag für die Gefallenen in vorigen Kriegen. Danach, also 13 Uhr durften alle dort Mitwirkenden Feierabend machen, wobei sich alle (zumindest von denen, die wir kennen) im Militärpub getroffen haben. Wir waren nach der Parade erstmal essen und haben dann bis 15:30 Uhr gewartet, als wir dann schließlich losgestapft sind. Später dann sind wir in einen anderen Pub von der gleichen Sorte gegangen, wobei wir den Anschluss verpasst haben und mit zwei anderen Jungs mitgegangen sind, die nur ungefähr wussten, wo der denn nun ist. Am Ende waren wir fast zwei Stunden unterwegs, aber die beiden waren sehr nett - wie eigentlich jeder Kanadier hier - und wir konnten uns sehr gut mit ihnen unterhalten. Insgesamt haben wir wieder so viele Leute kennengelernt, dass ich mir die meisten Namen gar nicht merken konnte. Um zwei war dann schließlich die ganze Stadt tot (ernsthaft, nachts ist hier noch weniger los, als in Gardelegen) und wir wieder in unserem Appartment.

Am nächsten Morgen, also gestern, waren wir eigentlich den ganzen Tag zu Haus. Abends haben wir für alle Spaghetti Carbonara mit Bacon gekocht. Leider ist die Zutatenwahl beschränkt und die einzige Carbonara-Soße im Loblaws (Supermarkt) gab es fertig im Glas. Eine der wenigen Sachen, die mich an Kanada stört: Es gibt fast nur Fertigessen. Außer eben man geht in ein Restaurant. Aber das Kochen in der eigenen Küche macht hier nicht wirklich Spaß.
Als Jeff gehört hat, dass wir gekocht haben, hat er natürlich sofort an 'Bratwurst und Sauerkraut' gedacht, also würde ich sagen, tun wir ihm demnächst mal den Gefallen.
Ansonsten wollten wir heute auf jeden Fall mal ins Parlament. Wir waren zwar schon einmal da, aber da war es schon seit einer Stunde geschlossen. Vielleicht fällt uns auch noch was ein oder wir besichtigen wieder die Stadt. Mal schauen.
Bevor ich es vergesse, am Samstag haben wir das Spiel "Ottawa Senators" gegen "Winnipeg Jets" gesehen. Die Stimmung war echt Bombe. Das Spiel ist ziemlich hektisch und auf dem Spielfeld ging es schon ganz schön heiß her, besonders wegen der vielen Zusammenstöße. Einmal gab es sogar eine Prügelei zwischen zwei Spielern. Auch, wenn vieles für uns zunächst nicht so wirklich Sinn ergeben hat, am Ende hatten wir doch Spaß am Spiel. Leider haben die Senators im "Shoot-Out" (sowas wie Elfmeterschießen) 1:2 verloren. Zum Abschluss noch ein paar Bilder:








Stay tuned!

Samstag, 8. November 2014

Ottawa is frickin' awesome!

Wow, hier ist einfach so viel los zur Zeit, aber ich versuche mal trotzdem, alles kurz zusammenzufassen. Vorgestern hatten uns die Jungs eingeladen, mit ihnen zur Offiziersmesse in einen Militärpub zu gehen. Wir waren allerdings natürlich nicht dort, wo die Officers und Sergeants sich treffen, sondern die mit niedrigeren Dienstgraden. Als wir dann reinkamen, waren überall Leute mit Tarnklamotten und typisch kanadischen Uniformen (mit Rock, unter dem sie übrigens selbst bei der Kälte nichts tragen). Erst war uns nicht so ganz wohl dabei, weil wir schon irgendwie herausstachen und immerhin war es eine Bar voll mit Soldaten (wovon übrigens etliche schon in Afghanistan waren). Aber alle waren richtig gut drauf. Jeff und Phil haben uns fast allen vorgestellt und wir wurden auch von jedem freundlich in Empfang genommen und in ihre Runde integriert. Generell kommen wir so extrem einfach mit den Leuten ins Gespräch - "Hey, you guys have to meet our friends from Germany here..." Danach waren wir noch in einem Club, aber das war uns dann doch zu laut - und teuer.

Gestern Mittag haben wir dann Lara in ihrem Schokoladengeschäft besucht, um zu planen, was wir denn so am Wochenende unternehmen könnten. Auf dem Rückweg in unsere Wohnung waren wir beim National War Memorial, wo auch vor kurzem die Schießerei stattgefunden hat. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden seitdem denkbar verschärft. Wir sind mit einem Polizisten ins Gespräch gekommen, der in Bielefeld geboren ist - ist das zu glauben? Einfach jeder Kanadier, den wir treffen, ist entweder in Deutschland geboren, war schon mal da oder hat dort Verwandte. Irgendwie scheinen die Kanadier sowieso ziemlich angetan zu sein von Deutschen, beziehungsweise Deutschland.

Rideau River.

Ich weiß nicht mal, was das für ein Gebäude ist. Shame on me! Ich hoffe wir finden noch genug Zeit, richtiges Sightseeing zu betreiben.

Das ist das 'National War Memorial'.

Ein Teil des Parlamentsgebäudes.

Blick auf die Elgin Street (weiter hinten auf der Straße ist unser Appartment).

Ab Nachmittag waren wir dann in unserer Wohnung mit Mike, Jeff und Phil, wobei später irgendwie immer mehr Leute dazu kamen. Wir haben uns zusammen Videos angeguckt, über unsere Länder ausgetauscht und Witze darüber gemacht und später und gesungen. Irgendwelche kanadischen Volkslieder und Hymnen, dann deutsche und zwischendurch noch Songs wie "99 Luftballons". Die anderen haben sogar versucht, mitzusingen, was sich extrem witzig angehört hat. Zum Schluss waren wir noch in einer Bar. Jedenfalls hatten wir viel Spaß, auch wenn wir die meisten erst seit kurzem kannten. Sorry für die schlechte Qualität der folgenden Bilder, ich habe lediglich Schnappschüsse aus den gemachten Videos gezogen.

Das ist Phil. Ja, er spielt Flöte - und Akkordeon :D
Links ist seine Freundin.

 Links ist Michael (Mike).

Begeisterung beim Singen deutscher Lieder :)
Rechts ist übrigens Jeff und links daneben sitzt Devin (der aber nicht hier wohnt).

Cheers!

Nach einer super Nacht hat uns heute Morgen Babel Media mitgeteilt, dass wir beide bei dem Test positiv abgeschnitten haben und wir wurden gefragt, ob wir am Montag Zeit für ein schnelles Telefon-Interview hätten. Awesome! Mittags waren wir mit Phil und seiner Freundin bei "The Fox & Feather Pub & Grill" und haben gefrühstückt bzw. Mittag gegessen. Im Moment sitzen wir in unserer Wohnung und warten darauf, dass es Abend wird, denn wir haben uns gestern Karten für ein Hockeyspiel gekauft, wo wir dann mit Mike (Michael) und Lara hinfahren werden. Wir haben zwar nur Stehplätze, dafür sind wir aber mit 30$ jeweils ganz gut weggekommen. Außerdem haben wir heute endlich den ersten Schnee abbekommen, um alles noch zu toppen.

Also um es zusammenzufassen: Uns geht es hier gerade richtig gut und alles klappt sogar noch besser als erwartet. Ottawa ist bis jetzt echt eine geile Stadt und eigentlich haben wir auch noch nicht so wirklich Lust, hier wegzugehen. Allerdings freu ich mich schon sehr auf den Job und hoffe, dass wir dort bald anfangen können.

Bye!

Freitag, 7. November 2014

Heute hier, morgen dort

... sind kaum da, wolln wir fort. Heute morgen um halb 8 ging es raus aus unserem kleinen Appartment, denn gestern haben wir uns Tickets für einen Greyhound-Bus nach Ottawa, Kanadas Hauptstadt, gekauft. Pro Person haben wir 50$ bezahlt, was umgerechnet 35€ sind. Allerdings ist das hier ein normaler Preis für eine Busstrecke von 450km. Günstiger kommt man hier nur via Mitfahrgelegenheiten oder mit einem eigenen Auto von A nach B. Dafür war der Bus ganz gemütlich und hatte W-Lan und Steckdosen :) Die Greyhound-Station selbst war nicht ganz so gut beschildert und die verschiedenen Mitarbeiter haben uns gestern und heute unterschiedlich eingewiesen, aber eigentlich mussten wir nur warten, bis uns eine Frau abgeholt und zum Bus gebracht hat.

Ob hier mal Anzeigen hingen?

Ottawa selbst ist für eine Hauptstadt eigentlich relativ klein. Sie hat drei mal so viele Einwohner wie beispielsweise Magedeburg, aber nicht mal ein Drittel der Bevölkerungsdichte. Unsere momentane Umgebung (relativ nah an Downtown gelegen, also der Innenstadt) hat deshalb etwas von einer Kleinstadt; es gibt hier eigentlich kaum Hochhäuser und nicht endlos viele Ramschläden, was die Stadt schön überschaubar macht. Heute haben wir auch das erste mal einen Host über Couchsurfing gefunden - wir können im Prinzip mit einem Schlafsack auf der Couch schlafen und bezahlen keinen Cent für die Unterkunft.

Das Wohnzimmer der neuen Wohnung. Wir pennen dann wahrscheinlich auf der Couch. Oder so.

Duschen, waschen, oder Essen kochen können wir hier auch. Dafür tauschen wir mit den Leuten hier Erfahrungen aus, gehen zusammen aus oder machen mal was zu Essen. Der eigentlichte Host, Michael, ist Fitnesstrainer und die anderen beiden, Jeff und Phil, sind Soldaten. Am Sonntag wollen wir definitiv das Parlamentsgebäude besichtigen. Da werden Frühs die Wachen ausgewechselt, was hier, soweit wir das verstanden haben, in gewisser Weise eine Zeremonie darstellt und definitiv sehenswert wäre. Nächsten Dienstag wird hier außerdem der Remembrance Day gefeiert. Jeff und Phil werden dort in einer Militärparade auftreten und Jeff meinte, dass hier dann richtig viel los sei. Nach dem Anschlag auf das Parlamentsgebäude - was sicherlich auch in Deutschland umfassend berichtet wurde - erst recht. Morgen früh werden wir wahrscheinlich erst mal Lara in ihrem Süßigkeitenladen besuchen und dann später mit unseren Hosts in einen Pub gehen, was aber auch mal allerhöchste Zeit wird! Da es in den nächsten Tagen also noch einiges zu entdecken gibt, werden wir unseren Aufenthalt von den zunächst geplanten zwei Tagen auf vielleicht sechs Tage verlängern. Im Moment warten wir eben außerdem noch auf die Antwort von Babel. Solange müssen wir, so oder so, einfach Zeit überbrücken und auf positive Ergebnisse hoffen. Wir denken aber, dass wir uns ganz gut geschlagen haben.

Bis dahin!

Hier noch meine Geburtstagskuchen, quasi.

Dienstag, 4. November 2014

Hardcore application test

Heute kam auch schon der Test für die zweite Bewerbungsrunde bei Babel.
Falls ich es noch nicht erwähnt habe: Bei dem Job geht es darum, Videospiele zu testen. Das beinhaltet natürlich nicht nur stumpfes Zocken, sondern dabei müssen bis ins kleinste Detail Spielfehler rausgesucht und ordentlich dokumentiert werden. Dabei muss man auch (deswegen werden da unter Anderem Deutsche gesucht) auf Übersetzungsfehler achten. Man bekommt dazu Vorgaben für den genauen Wortlaut bestimmter Meldungen, beispielsweise wenn das Spiel gespeichert wird, usw.
Anyway, um 11 hab ich damit angefangen und bis 2 Uhr daran gesessen. Dann waren wir bis kurz nach 17 Uhr in der Stadt (essen, einkaufen und ein paar Leute treffen). Danach gings dann auch gleich weiter und jetzt, 22:30 Uhr, brauch ich erst mal eine Pause.

Der Test ist ziemlich heftig. Die Fragen sind alle auf Englisch, ein paar kann/muss man allerdings auch auf Deutsch beantworten. Es gibt ein paar persönliche Fragen, beispielsweise was für Videospiele wir spielen und welche Elemente darin wir besonders mögen oder welche Plattformen wir bevorzugen. Dann kommt noch ein großer Sprach- und Logikteil dazu. Man muss viel übersetzen, also vom Deutschen ins Englische und zurück (der Englischunterricht lässt grüßen), die Sätze sind allerdings deutlich komplizierter.
Hier mal ein paar Beispiele: "Complementary to this, different elements of the construction must satisfy the following comfort-related requirements." Noch gefährlicher war dagegen das: "I thought a thought, but the thought I thought wasn't the thought I thought I had thought. If I hadn't thought the thought I thought I had thought, I wouldn't have thought so much." Wenn man sowas mehrere Stunden lang macht, stolpert man einfach nur noch über die eigenen Gedanken (bzw. über die "thoughts"). Dann wurde einem ein längerer Text vorgesetzt (auf Deutsch), in dem man alle Fehler berichtigen und rot markieren sollte. Es ging um das Spiel "Counterstrike", was eigentlich sogar ganz witzig war. Danach noch ein paar logische Fragen zum Sprachverständnis und man sollte selbst einschätzen, wie gut man sich mit bestimmten Programmen, Betriebssystemen oder Konsolen auskennt.

Der letzte Teil - der ersten Hälfte des Tests - war aber am nervigsten. Ein reiner Logik- und Research-Teil. Man konnte im Prinzip fast alles im Internet raussuchen, allerdings ging es um relativ unübliche Themen, die sich schwer suchen lassen. Die Fragen waren auch in keinster Weise miteinander verknüpft und teilweise ziemlich verwirrend. Zu manchen Themen gab es nur ellenlange Texte im Internet, die man komplett lesen musste, um den Zusammenhang zu verstehen, obwohl für die Antwort nur ein Satz nötig ist. Die restlichen Aufgaben haben nur versucht, den Bewerber irgendwie reinzulegen, allerdings mit Humor. Die Frage "Do you think you are the right person to join our Babel team?" konnte man nur mit "No", "Definitely not", "I don't think so", "I'm not so sure" und "Agh! Why can't I say YES!!!" beantworten.

Zu Viel will ich natürlich auch nicht verraten ;) Jedenfalls ist der Test deutlich anstrengender als erwartet. Vier bis fünf Stunden sollte man dafür einplanen (48h haben wir Zeit), aber bis jetzt hab ich schon mehr als sieben daran gesessen und fertig bin ich trotzdem nicht. Morgen gibts noch ein paar mehr Sprachaufgaben und ich muss einen Essay mit 200-250 Wörtern über ein Thema meiner Wahl schreiben - noch mehr Englischunterricht geht nun wirklich nicht. Zum Glück ist das Gröbste geschafft, so dass ich morgen ein bisschen mehr Ruhe hab, sonst werd ich noch 'fox devils wild'.
Gute Nacht!


Samstag, 1. November 2014

Toronto 2.0

Hallöchen liebe Leser!

In den letzten Tagen gab es mal wieder einige Veränderungen und Planänderungen, die ich hier festhalten will.

Am 30. haben wir Halton Place, unsere Farm, nach 40 Tagen Arbeit verlassen. Eigentlich sind wir zehn Tage länger dort geblieben, um einen neuen Job für die nächste Zeit zu finden, doch letztendlich waren wir leider mal wieder etwas faul und haben sonst auch noch keine Zusage bekommen. Der geregelte Tagesrhythmus hatte irgendwie was entspannendes: Man steht morgens wie immer zur selben Zeit auf, wir gehen alle zusammen das übliche frühstücken. Man lässt sich danach seine Aufgaben für den Vormittag geben (von Don oder Axel) und arbeitet dann bis zur Mittagspause, isst das übliche und macht danach bis zum Abendbrot weiter. Dann macht entweder jeder was für sich oder wir sehen zusammen fern oder schauen uns Filme von Tommy's Festplatte an. Kein Tagesablauf, den man sich für den Rest des Lebens vorstellen will, aber trotzdem tut es gut, sich nicht jeden Tag über Arbeit, Essen oder Unterkunft Gedanken machen zu müssen.


Jedenfalls hat Axel uns am 30. dann zur GO Station in Georgetown gebracht, wo Tommy, Alena und ich dann einen Bus nach Toronto (ja, schon wieder) genommen haben. Tommy und ich haben wieder ein Appartment via "AirBNB" gefunden, wobei wir beide jeweils rund 15$ pro Nacht bezahlen (was mit umgerechnet etwa 350€ pro Monat verdammt wenig für Toronto ist). Wir bleiben allerdings vorraussichtlich nur bis zum 6. November hier. Alena ist dagegen im Moment etwas pleite und ist zurück in das Appartment von ihrem ehemaligen "Couchsurfing"-Host gegangen - sie bezahlt wenig bis gar nichts für die Unterkunft, muss sich dafür aber eine relativ kleine Wohnung mit sieben anderen Leuten teilen. Wir haben ähnliches versucht, um Geld zu sparen, allerdings sind viele Hosts auf der Couchsurfing-Website Männer und akzeptieren als "Couchsurfer" nur junge Frauen. Zufall?

In dieser Woche gibt es reichlich zu tun: Alena hatte heute - zu Halloween - Geburtstag, was ja schon ziemlich nach Party schreit. Alenas Host ist mit seinen Mitbewohnern zu einer privaten Hausparty gefahren. Theoretisch hätten wir mitkommen dürfen, nur wären das jeweils eine Stunde Hin- und Rückfahrt gewesen (ohne das Warten auf die Straßenbahn), worauf wir dann auch keinen Bock hatten. Im Nachhinein haben wir erfahren, dass es da ohnehin nicht so toll war. Aber sonst kennen wir hier allerdings niemanden und da ich noch 18 bin, kommen wir auch in keine Bar. Wir sind nur eine Weile durch die Stadt geschlendert und waren in einem Burgerladen, den wir noch nicht probiert hatten. Das heißt, der Abend war am Ende doch ziemlich langweilig. Ich fand allerdings schon erstaunlich, wie sehr der Tag hier gefeiert wird. Alle Läden (sogar Banken) waren dekoriert mit Kürbissen, falschen Spinnenweben und ähnlichem. Mindestens 50% der Leute hatten Kostüme an und an vielen Haustüren hat man Eltern mit ihren Kindern klingeln sehen, um dann "Trick or Treat" zu rufen. Bei uns wurde auch ein mal geklingelt, allerdings hatten wir leider keine Süßigkeiten. Trotzdem gab es natürlich nichts Saures für uns, sondern ein freundliches "Happy Halloween".

So Spooky.

Am 4. habe ich dann auch Geburtstag, wobei ich aber jetzt schon denke, dass wir vielleicht mal in eine Bar gehen, einen Cocktail trinken und es dabei belassen. Ich muss eigentlich sagen, dass ich noch nie weniger Lust auf einen Geburstag hatte. Einfach, weil wir hier kaum jemanden kennen und auch keine Ahnung haben, wo man dann hingehen könnte. Der Tag wird dieses Jahr wohl ausnahmensweise mal spurlos an mir vorbeiziehen.

Eine XL-Pizza. Es gab zwei für je 11,30$. Wir hatten auch schon bessere Ideen.

Und oberste Priorität hat in dieser Woche natürlich die Jobsuche - wir haben uns heute bei Babel Media beworben (dazu mehr, falls das klappen sollte) und schon nach ein paar Stunden eine Antwort bekommen!
Zunächst wurde uns ein kleiner Fragebogen geschickt, den wir ausfüllen und abschicken müssen, um dann in die zweite von vier Runden des Bewerbungsprozesses zu kommen. Dabei geht es hauptsächlich um Fragen wie "Sind sie bereit, von x bis y Uhr zu arbeiten?" oder "Wie haben sie von dieser Stelle erfahren?" Morgen werden wir das abschicken und bekommen dann vorraussichtlich Montag einen umfangreichen Test, für den wir wahrscheinlich fünf Stunden oder mehr brauchen werden. Da wir (wie glaube ich schon erwähnt?) irgendwann mal einen Roadtrip machen wollen, wäre der Job echt cool, damit wir mal endlich an etwas Geld kommen.

Jetzt ist es 02:25 Uhr und langsam werde ich leicht müde, also wars das erstmal wieder. Bis dahin!