Uuuuund es ist mal wieder Zeit für einen Blogeintrag.
Eine ganze Weile ist es nun schon wieder hier, da ich, wie schon erwähnt, bis jetzt selten genug Zeit oder ausreichend schnelles Internet hatte. Wir sind jetzt in Vancouver, haben wieder ein paar gute Couchsurfing-Gelegenheiten gefunden und ich habe jetzt auch mal wieder genug Zeit. Aber zunächst zurück zu dem, was in den letzten Tagen passiert ist (und ich hoffe, dass ich mich noch an alles genau erinnere).
Also, aufgehört hatte ich bei Flagstaff. Von dort aus sind wir etwas mehr als 50 km nördlich ans "South Rim" des Grand Canyons gefahren. Das nördliche Ende war geschlossen und der berüchtigte "Skywalk" soll wohl eine ziemliche Touristen-Abzocke sein. Trotz Schnee und relativ niedrigen Temperaturen war dort sehr viel los. Wir haben uns entschieden, für zwei Stunden ein Fahrrad zu mieten und die Wanderwege an den Klippen abzufahren. So haben wir etwas mehr zu sehen bekommen, als in einem Shuttle-Bus.
Übrigens hatten wir im Laufe des vorigen Tages ein kleines Jubiläum:
Darauf trinken konnten wir natürlich Keinen, aber das hat ja später auch noch Zeit.
Außerdem waren wir an dem Tag der kleinen Stadt Santa Rosa in New Mexico. Es war warm, manche Gebäude sahen aus wie in einer richtigen Western-Stadt, am Straßenrand standen Kakteen und als wir durch eine menschenverlassene Seitenstraße gefahren sind, ist vor uns ein echtes Wüstenknäuel über die Straße gerollt! Wie geil!
Außerdem sind wir für etwa zwei Stunden über die berühmte, alte Route 66 gefahren. Leider war dort absolut nichts los, die Landschaft war öde und man konnte nicht so schnell fahren, wie auf dem Highway. Am Ende ist es zwar interessant, das mal gemacht zu haben, aber ein besonderes Erlebnis war es nicht.
Nach der Fahrradtour haben wir jedenfalls unsere Sachen gepackt und sind weiter gefahren...
... nach Vegas, Baby!
Wir sind erst spät dort angekommen, also war es zunächst schon dunkel. Als wir dann allerdings ins Stadtzentrum kamen, wurde es einfach nur extrem bunt, hell und laut. Wir haben ein (komischerweise) günstiges Zimmer in einem Casino-Hotel bekommen (wo auch sonst, es gibt ja nur Casinos). Die Casinos dort sind echt riesig. Überall Pokertische, Blackjack und einarmige Banditen, an denen meistens Leute sitzen, denen man schon das "Beim nächsten mal bestimmt!" im Gesicht ansehen kann. Von unserem Zimmer irgendwo an der Spitze des Hotels aus hatten wir einen coolen Ausblick, allerdings fand direkt davor unten ein Konzert statt, und es war laut. Zum Glück konnten wir Nachts kostenlos das Zimmer wechseln, um noch etwas Schlaf zu bekommen.
Am nächsten Morgen haben wir uns auf den Weg zum berühmten "Strip" in Las Vegas gemacht.
Parken konnten wir dort praktischerweise kostenlos. Tagsüber ist es eigentlich relativ angenehm, solange man nicht von tausenden von Lichtern geblendet wird. Trotzdem waren wir erstaunt, wie unglaublich viel dort los ist. Als Dorf-/Kleinstadtkinder war das alles etwas ziemlich viel für uns. Außerdem bietet Vegas leider gar nichts für jemanden unter 21, da leider alles, was Spaß macht, ab 21 ist. Ich kann mir aber gut vorstellen, irgendwann noch mal her zu kommen mit genügend Geld. In dem Fall kann man bestimmt einiges erleben (siehe Film 'Hangover'). Abends waren wir in einem Kino am Strip, wo kaum jemand war und am Ende waren wir sogar nur zu zweit im Kino und haben 'The Lazarus Effect' geschaut.
Für den Abend hatten wir uns eigentlich noch mit Lara verabredet, die zufällig gerade auch in Las Vegas war, aber das wurde dann doch zu spät.
Am nächsten Morgen sind wir weitergefahren nach Los Angeles. Übrigens haben die Spritpreise bis dahin enorm zugenommen. Während wir in Oklahoma oder Indiana gerne mal eine Tankstelle vermieden haben, weil Benzin dort 2,25$/Gallone (Gallone ~ 3,78l) gekostet hat statt den gewohnten 2,20$ (wie man das in Deutschland so macht), bezahlt man hier 3,60$ und mehr. Unterschiede von 50 Cent zwischen den einzelnen Tankstellen sind dabei ganz normal, und wir waren öfters schon gezwungen für 4,50$ zu tanken und haben sogar einmal eine ungünstig platzierte Tankstelle gesehen, wo es 6,50$ pro Gallone kostete, was wahrscheinlich mehr ist als der momentane Durchschnittspreis in Deutschland.
Mittlerweile war es ziemlich warm geworden. Wir hatten tagsüber +30°C und ich merke an, dass gerade mal zwei Wochen zuvor -30°C noch ganz normal für uns waren. Deswegen würde ich nicht unbedingt behaupten, dass die Hitze im ersten Moment angenehm war. Es tat aber auch mal wieder gut, nur mit T-Shirt rumzulaufen und auf die äußere 10cm-Schicht bestehend aus warmer Kleidung zu verzichten.
Los Angeles ist riesig. Nachdem wir dessen äußersten Rand erreicht hatten, waren es immer noch
80 km bis zur Strand-/Hafenregion. Obwohl wir im hellen am Stadtrand angekommen sind, war es schon dunkel, als wir dann endlich am Hafen waren. Fürs erste haben wir nur einen kleinen Spaziergang unternommen. Die Parks dort waren ziemlich "locker": Einerseits liefen dort Nachts unbeaufsichtigt einige Kinder rum, andererseits fand man einige Jugendliche, die Gras rauchten oder alleine mit ihrem Akkordoen auf einer Parkbank saßen und spielten. Auf den Steinen am Ufer konnte man Katzen sehen, die es sich dort gemütlich gemacht hatten. Alles sehr interessant.
Die Nacht haben wir mal wieder im Auto geschlafen und uns dafür wie immer auf einen Walmart-Parkplatz gestellt. Es hat sich herausgestellt, das dieser ausnahmensweise privat war, sodass wir nach einigen Minuten von einem Police Officer aufgeweckt und darauf hingewiesen wurden, dass wir dort nicht parken dürften, dafür aber in der Nähe. Also haben wir unser ganzes Gepäck schnell wieder auf die Rücksitze geworfen und sind zum nächsten Parkplatz gefahren, nur, um dort nach einer Stunde noch mal aufgeweckt zu werden. Wir wurden aufgefordert, auf einen anderen Parkplatz in der Nähe zu fahren. Also nochmal umpacken und weiterfahren. Auch dort durften wir nur eine halbe Stunde stehen bleiben, bis wir geweckt wurden, also mussten wir auf den Highway und eine ganze Weile fahren, bis wir dann aus Erschöpfung am Straßenrand in einer Wohnsiedlung Halt machen mussten. Dort konnten wir dann zum Glück problemlos ausschlafen.
Für den nächsten Tag war geplant, bei Tommys fernen Verwandten zu übernachten, wo wir endlich mal wieder duschen, unsere Sachen waschen konnten, schnelles Internet und ein ruhiges Zimmer hatten - auf öffentlichen Parkplätzen kann es Nachts sehr laut werden. Wir wurden auf Mittagessen, Abendbrot und Frühstück eingeladen und hatten am selben Tag das Ronald-Reagan-Museum mit Reagans Grab besucht, was zufällig nicht weit von unserem Haus in Thousand Oaks entfernt war. Der Ausblick von dem Haus aus war übrigens nicht schlecht.
Die Air Force One im Ronald-Reagan-Museum
Reagans Denkmal/Grab.
Die Aussicht vom Haus von Tommys Verwandten. Sehr ruhig, warm, große Grundstücke, Pools, Parks... Die Gegend wäre auf jeden Fall was, wenn man sich irgendwann mal zur Ruhe setzen will (und Geld hat).
Der nächste Tag war Strandtag. Wir sind zum Santa Monica Beach gefahren und haben uns da für 3-4 Stunden am Strand lang gemacht. Ich bin noch für anderthalb Stunden am Strand entlangspaziert, um Sonnencreme zu kaufen, hab aber letztendlich nichts gefunden. Ich hatte aber dafür Glück und bin mit einer guten Bräunung davon gekommen, während Tommy einen ordentlichen Sonnebrand bekommen hat ;) Das Wasser war allerdings ziemlich kalt und, obwohl sehr viel los war, hat man so gut wie niemanden im Wasser gesehen. Ich war vorher einige Minuten am Strand joggen, so dass mir ordentlich warm war und ich mir den kalten Ozean für 5 Minuten geben konnte. Ich muss aber leider behaupten, dass die häufigen Besuche bei McDonalds meiner Ausdauer nicht gut tun. Dumm ist nur, dass es dort so billig ist, schnell geht, wir selbst auch nicht die Ausrüstung haben, um häufig zu kochen und man dort kostenlosen Internetzugang hat (bei Starbucks auch, aber da ist alles zu teuer).
Ich bin jedenfalls sehr froh, mal wieder Zeit fürs Kochen zu haben und mich von Mahlzeiten zu ernähren, die nicht aus 80% Fett, 10% Antibiotika und 10% Genfutter bestehen.
Danach sind wir im Prinzip bis zum Abend sinnlos durch L.A. gefahren. Wir waren unter anderem in Hollywood (haben aber nur ganz kurz das berühmte Hollywood-Schild sehen können), Beverly Hills und Universal City. Die Ecke war nicht ganz so schön wie das, was wir vorher schon von Los Angeles gesehen hatten, aber trotzdem nicht schlecht. In einem Kino in Universal City haben wir Nachts den Film 'American Sniper' geschaut, original in Englisch. Obwohl wir mittlerweile nur noch Englische Filme und Serien schauen und sprachlich keine Probleme haben, waren die Akzente im Film teilweise sehr schwer zu verstehen (häufig aus Texas). Der Film selbst war sehr interessant und überraschend. Zumindest hatten wir, zumindest dem Titel nach zu urteilen, etwas völlig anderes erwartet. Allerdings war der auch nicht ganz ohne und enthält einige Situationen, die selbst mich moralisch "geschockt" haben. Tatsächlich ist der hier ab 17 (oder sonst mit elterlicher Begleitung), und im Kino war eine Familie mit schätzungsweise 6-jährigen Kindern.
Am nächsten Tag haben wir Los Angeles verlassen. Es ging in den Yosemite National Park. Die Landschaft auf dem Weg dahin war wieder sehr schön anzusehen.
Wie immer sind wir Nachts angekommen, also mussten wir fürs erste auf einem teuren Campingplatz bis zum nächsten Morgen warten. Kurz vorher ist uns noch ein kleiner Wolf vors Auto gelaufen und anscheinend sollen auf dem Platz Nachts auch Bären vorbeischauen.
Am Morgen haben wir uns dann nach Wanderwegen erkundigt. Ich hätte gerne den Weg zum "Glacier Point" genommen, allerdings wäre man bis dahin einen ganzen Tag unterwegs gewesen und unsere Ausdauer lässt, wie schon erwähnt, leider zu wünschen übrig. Also sind wir zum "Mirror Lake" marschiert, der nur einige Meilen entfernt war. Trotzdem haben wir einiges gesehen, so dass sich der Besuch im Gebirge doch gelohnt hat.
Nach der Wanderung haben wir uns auf den Weg nach San Francisco gemacht. Die Stadt hat uns leider sowohl optisch, als auch aus diversen weiteren Gründen nicht wirklich gefallen. Die Golden Gate Bridge war zwar ganz schön, aber sonst konnten wir der Stadt nichts wirklich besonderes abgewinnen (im Vergleich zu L.A. oder Vegas).
Unscharf kann man in der Ferne die Insel Alcatraz erkennen.
Wir haben eine Nacht im Hostel verbracht, wo wir Alina wieder getroffen haben. Am nächsten Morgen haben wir zunächst so schnell wie möglich Downtown verlassen und uns einen McDonalds und Starbucks gesucht, wo wir im großen und ganzen den ganzen Tag verbracht haben. Da ich aus irgendeinem Grund einen Riss bzw. Kratzer in meinem linken Auge hatte und ich damit kaum sehen konnte, haben wir mal wieder eine Nacht in einem Hotel verbracht und Tommy ist die nächsten Tage gefahren, wohingegen vorher ausschließlich ich hinterm Steuer saß. Nach drei Tagen als Zyklop war es dann wieder verheilt und nutzbar.
In Fort Bragg haben wir uns "deutsche" Bratwurst geholt und Abends am Mattole Beach auf unserem Gasherd gegrillt.
Nach drei Nächten haben wir es von San Francisco bis nach Seattle in Washington geschafft. Zwei davon waren auf sogenannten "Rest areas" am highway, die zwar auch laut waren, aber da hatte man immerhin Toiletten und man konnte sich die Zähne putzen oder mit den 4-Liter-Wasserkanistern, die wir uns für ein paar Cent gekauft hatten, duschen. Außerdem gab es Snackautomaten und Stände mit kostenlosem Kaffee.
Von Seattle aus war es nicht mehr weit bis zur kanadischen Grenze und bis nach Vancouver. Die Überfahrt ging relativ schnell und einfach, und der kanadische Grenzbeamte hat uns auch deutlich weniger Stress gemacht, als die U.S. border officers.
In Vancouver haben wir die erste Nacht per Couchsurfing bei einem chinesischen Anwalt verbracht. Was endlich mal wieder funktioniert hat. Couchsurfing ist nämlich fast unmöglich, wenn man nicht gerade eine junge Frau ist (aus Gründen) oder besondere Vorlieben hat. So wurden wir einmal vor einer ganzen Weile von einem Mann akzeptiert, dessen Angebot sich zunächst ganz in Ordnung angehört hat. Kurz vorher hat er uns mitgeteilt, dass er doch Nudist sei und von seinen Gästen das selbe verlange. Also haben wir gedacht "Nope, lieber nicht".
Vancouver ist bisher ganz nett. In der Wohnung von dem Anwalt, David, hatte man eine ziemlich schöne Aussicht.
Er hat uns ein bisschen herumgeführt und einige Restaurants und Pubs gezeigt.
Am 17. war St. Patricks Day, und wir haben einen neuen Couchsurfing-Gastgeber gefunden, bei dem wir wahrscheinlich noch bis morgen sein werden. Hier haben wir auch mal wieder etwas Ruhe und Zeit, unter anderem für weitere Planung. So hab ich jetzt wahrscheinlich schon eine Stelle sicher für Anfang April und theoretisch bis zum Ende meiner Reise in einem Spa/Hotel.
Heute Morgen wurde ich von dem Manager angerufen. Guess what, er ist Deutscher, und die ganze Hotelleitung wahrscheinlich auch. In Deutschland gibt es Pegida und hier in Kanada und den Staaten gibt es wahrscheinlich mehr Deutsche (oder Leute mit deutschen Vorfahren) als alles andere.
Fürs erste bleiben wir jedoch in Vancouver. Gestern haben wir uns mit Paul getroffen, mit dem wir gaaaanz am Anfang nach Toronto geflogen waren. Vom 28. bis zum 30. treffen wir uns auch noch mal mit Anna (auch bekannt vom Anfang unserer Reise, und sie hat Weihnachten mit uns gefeiert). Bis dahin müssen wir noch ein bisschen planen und Papierkram erledigen - unter anderem müssen wir schauen, was wir mit unserem Auto machen, da wir es zum einen noch brauchen und zum anderen in spätestens 2 Monaten verkauft haben (oder wieder in Quebec sein) müssen.
Da jetzt fast ein ganzer Tag für Bewerbungen und diesen Blogpost draufgegangen und damit quasi Blut und Schweiß in ihn hineingeflossen sind, will ich hier mal ein Ende setzen. Zum Abschluss noch mal die vervollständigte Karte mit all unseren Zwischenstops.
Insgesamt gefahrene Strecke: Ca. 8000 km in 26 Tagen.
Unsere Zwischenstops (ob kurz oder lang) sind blau markiert. Der grüne Kreis hat nichts zu bedeuten.
Da von jetzt an alles etwas ruhiger wird, werde ich auch demnächst mal wieder schreiben können.
Also dann!





































