Hey, hey!
Wie erwartet konnten wir also am Donnerstagmorgen losfahren.
Gefrühstückt haben wir ca. um 11 bei einem Tim Horton's in der nähe. Von da aus ging es dann zunächst bis nach Detroit, wo die Grenze auf uns wartete. Etwa 14 Uhr dort angekommen haben wir dann einem nicht gerade überfreundlichen US-Grenzbeamten unsere Papiere gezeigt. Wir wurden ausgefragt darüber, wie viel Geld wir haben, warum wir in die Staaten wollen und für wie lange. Ob, wo und warum wir einen Kontakt bzw. Anlaufstelle haben. Nach 15 Minuten konnten wir dann zur nächsten Kontrollstelle fahren, wo bereits ein weiterer Beamter (der übrigens früher in Mannheim gewohnt hat), um unser Auto komplett durchzuchecken. In der Zwischenzeit mussten wir noch mehr Papierkram ausfüllen. Unter anderem wurden wir gefragt, ob wir im ersten oder zweiten Weltkrieg Kriegsverbrechen, wie zum Beispiel Genozid, begangen haben. Bitte, was? Außerdem mussten wir unsere Augen und jeden einzelnen Fingerabdruck scannen lassen. Was Einwanderung angeht sind die Nordamerikaner echt verdammt paranoid. Als wir es dann nach mehr als einer Stunde über die Grenze geschafft haben, konnten wir noch nicht gerade viel 'Freiheit' spüren.
Da wir wegen der hohen Kosten für den Einsatz mobiler Daten im Ausland unsere Handys nicht mehr als Navigationsgeräte benutzen konnten, haben wir danach das eingeschaltet, was Axel uns großzügigerweise als Abschiedsgeschenk mitgegeben hat. Verwirrend waren natürlich als erstes die bescheuerten Maßeinheiten. So hat uns beispielsweise das Navi aufgefordert, nach 300 Yards rechts abzubiegen, und da dachten wir uns "und wie viele Meter sind - oh, da war es gerade".
Geschwindigkeitsangaben sind dann natürlich auch wie zu erwarten in mph (Meilen pro Stunden), woran sich fast jeder strikt hält. Wenn auf einem Schild "60 mph" (ca. 100 km/h) steht, dann fährt auch jeder exakt 60 und kein bisschen mehr. Witzig fanden wir auch, dass man auf dem Interstate (vergleichbar mit unserer Autobahn) alle 10 Kilometer eine Abfahrt finden kann, die zu einem McDonald's, Wendy's oder ähnlichem führt. Die Straßen sind nebenbei bemerkt ein Witz. In Detroit gibt es Kreuzungen (mit zwei oder mehr angrenzenden Spuren pro Seite), die mit Löchern so groß wie Wassermelonen übersäht sind, sodass man die Kreuzung effektiv nur mit Schritttempo und Schlenkern befahren kann.
Nach unserer Schätzung haben wir dann John, unserem Couchsurfing-Host, mitgeteilt, dass wir um 21 Uhr da sein würden und wir waren tatsächlich auf die Minute genau um 21 Uhr da - deutsche Effizienz eben, ein übrigens sehr beliebtes Klischee in den Staaten oder in Kanada. Wir wurden sehr freundlich von John und seinen Mitbewohnern empfangen. Das Haus befindet sich im suburbanen Gebiet, also viele extrem große Grundstücke mit langen Auffahrten und großen Häusern, was nach so viel Großstadtleben zur Abwechslung sehr angenehm ist. Wir konnten sogar mal kostenlos und ohne Bedenken auf dem Grundstück parken.
Die Leute sind wirklich extrem nett und großzügig und dürften in diesem Fall sogar viele Kanadier in den Schatten stellen. und erfüllen im Großen und Ganzen so gar nicht die Klischees, mit denen ich gerechnet hatte. Waffen lehnen die hier strickt ab und sie sind gar nicht so patriotisch, wie erwartet.
Flaggen findet man aber trotzdem überall. Die Leute haben uns auf Pizza, Rum und zum Karten spielen eingeladen. Heute Morgen haben sie uns sogar ein Frühstück spendiert und in die Innenstadt eskortiert, wo wir uns dann ein bisschen umgesehen haben. Heute Abend unternehmen wir auch noch mal was zusammen, denn John hat die verschiedensten Leute eingeladen, um prinzipiell den gestrigen Abend noch mal zu wiederholen. Geil. Alles in Allem hatte ich ein ganz anderes Bild von den Leuten hier und bin mehr als positiv überrascht.
Morgen früh wollen wir uns dann aber wieder auf die Socken machen. Mal schauen, wohin überhaupt.
Schöne Grüße vom Great Arch in St. Louis.
Ein weiterer "Kulturschock" war das Tanken. Man muss nämlich im Voraus bezahlen, entweder an der Zapfsäule, oder in der Tankstelle. Man zahlt dann beispielsweise vorher 30 USD und kann dann dementsprechend viel tanken (in dem Fall im Durchschnitt fast 14 Gallonen, was umgerechnet etwa 53 Liter für 27€ sind - wow). Wenn man Bar bezahlt und weniger verbraucht hat, muss man danach wieder reingehen und sich den Rest auszahlen lassen. Bei der Kreditkarte wird das am Ende des Monats automatisch geregelt. Total bescheuert. Wir haben uns später von John sagen lassen, dass das gemacht wird, weil Leute früher öfters weggefahren sind, ohne zu bezahlen. Und das bei den Preisen.
Irgendwo am Highway in der Steppe von Oklahoma.
Bilder aus Santa Fe, New Mexico. Eine sehr schöne Stadt übrigens, hat was orientalisches und trotzdem recht modern.
03. März 2015: Heute haben wir nicht soo viel geschafft. Haben Santa Fe erst relativ spät verlassen. Wir konnten morgens ausnahmensweise mal wieder gesund frühstücken, nach all den Burgern und Pommes. Ernsthaft, ich sehne mich mal wieder richtig nach einer Mahlzeit, die nicht nur aus Fett besteht. Zeit, um richtig zu kochen, haben wir leider kaum.
Danach haben wir uns bei einem Walmart mit Trockenfleisch, Obst und Wasser für die Fahrt eingedeckt. Heute haben wir es bis nach Flagstaff, Arizona geschafft (etwa 600 km). Auf dem Weg dahin ging es durch einige schöne Schluchten und riesige Steppen, Ansonsten kann man entlang des Highways aber leider nicht viel sehen. Es ist nämlich einfach alles abgezäunt und nach 1500 km wird die Landschaft doch relativ langweilig, weil sie außer vereinzelten Sträuchern und gelegentlichen verlassenen Siedlungen nichts bietet. Zwischendurch hätten wir auch fast die Gelegenheit gehabt, einen riesigen Meteoritenkrater zu sehen - allerdings war der schon geschlossen. Ja.
Jedenfalls ist Flagstaff ein guter Startpunkt, um morgen von hier aus in den Grand Canyon zu fahren. Je nachdem, wie lange wir uns da aufhalten, könnten wir es dann vielleicht noch bis nach Las Vegas schaffen - wir bleiben gespannt!
11. März 2015: Mal wieder ein kleines Update. Ich würde gerne mehr schreiben. Allerdings müsste ich dafür sehr weit ausholen, weil in den letzten Tagen natürlich eine ganze Menge passiert ist. Das würde wahrscheinlich Stunden dauern, und so viel Zeit habe ich gerade nicht (jetzt ist es schon wieder 21:30 Uhr und wir haben gerade erst in einem kleinen Hotel eingecheckt). Ich werde alles bei Gelegenheit mal zusammenfassen. Die Karte habe ich natürlich wieder aktualisiert. Die Strecke beinhaltet jetzt auch grob geschätzt 250 km, die wir jeweils noch in Los Angeles und San Francisco zusammen insgesamt herumgefahren sind.
Jedenfalls kommt der nächste größere Eintrag - oder eher mehrere - wohl erst in ein paar Tagen, da sich unsere Rundreise so langsam dem Ende zuneigt und es bis Vancouver nicht mehr weit ist (und auf dem Weg dahin eh nicht viele sinnvolle Ziele liegen).
Bis dahin erstmal!
















