Samstag, 28. Februar 2015

'murica! Freedom!

Hey, hey!

Wie erwartet konnten wir also am Donnerstagmorgen losfahren.
Gefrühstückt haben wir ca. um 11 bei einem Tim Horton's in der nähe. Von da aus ging es dann zunächst bis nach Detroit, wo die Grenze auf uns wartete. Etwa 14 Uhr dort angekommen haben wir dann einem nicht gerade überfreundlichen US-Grenzbeamten unsere Papiere gezeigt. Wir wurden ausgefragt darüber, wie viel Geld wir haben, warum wir in die Staaten wollen und für wie lange. Ob, wo und warum wir einen Kontakt bzw. Anlaufstelle haben. Nach 15 Minuten konnten wir dann zur nächsten Kontrollstelle fahren, wo bereits ein weiterer Beamter (der übrigens früher in Mannheim gewohnt hat), um unser Auto komplett durchzuchecken. In der Zwischenzeit mussten wir noch mehr Papierkram ausfüllen. Unter anderem wurden wir gefragt, ob wir im ersten oder zweiten Weltkrieg Kriegsverbrechen, wie zum Beispiel Genozid, begangen haben. Bitte, was? Außerdem mussten wir unsere Augen und jeden einzelnen Fingerabdruck scannen lassen. Was Einwanderung angeht sind die Nordamerikaner echt verdammt paranoid. Als wir es dann nach mehr als einer Stunde über die Grenze geschafft haben, konnten wir noch nicht gerade viel 'Freiheit' spüren.

Da wir wegen der hohen Kosten für den Einsatz mobiler Daten im Ausland unsere Handys nicht mehr als Navigationsgeräte benutzen konnten, haben wir danach das eingeschaltet, was Axel uns großzügigerweise als Abschiedsgeschenk mitgegeben hat. Verwirrend waren natürlich als erstes die bescheuerten Maßeinheiten. So hat uns beispielsweise das Navi aufgefordert, nach 300 Yards rechts abzubiegen, und da dachten wir uns "und wie viele Meter sind - oh, da war es gerade".
Geschwindigkeitsangaben sind dann natürlich auch wie zu erwarten in mph (Meilen pro Stunden), woran sich fast jeder strikt hält. Wenn auf einem Schild "60 mph" (ca. 100 km/h) steht, dann fährt auch jeder exakt 60 und kein bisschen mehr. Witzig fanden wir auch, dass man auf dem Interstate (vergleichbar mit unserer Autobahn) alle 10 Kilometer eine Abfahrt finden kann, die zu einem McDonald's, Wendy's oder ähnlichem führt. Die Straßen sind nebenbei bemerkt ein Witz. In Detroit gibt es Kreuzungen (mit zwei oder mehr angrenzenden Spuren pro Seite), die mit Löchern so groß wie Wassermelonen übersäht sind, sodass man die Kreuzung effektiv nur mit Schritttempo und Schlenkern befahren kann.

Nach unserer Schätzung haben wir dann John, unserem Couchsurfing-Host, mitgeteilt, dass wir um 21 Uhr da sein würden und wir waren tatsächlich auf die Minute genau um 21 Uhr da - deutsche Effizienz eben, ein übrigens sehr beliebtes Klischee in den Staaten oder in Kanada. Wir wurden sehr freundlich von John und seinen Mitbewohnern empfangen. Das Haus befindet sich im suburbanen Gebiet, also viele extrem große Grundstücke mit langen Auffahrten und großen Häusern, was nach so viel Großstadtleben zur Abwechslung sehr angenehm ist. Wir konnten sogar mal kostenlos und ohne Bedenken auf dem Grundstück parken.

Die Leute sind wirklich extrem nett und großzügig und dürften in diesem Fall sogar viele Kanadier in den Schatten stellen. und erfüllen im Großen und Ganzen so gar nicht die Klischees, mit denen ich gerechnet hatte. Waffen lehnen die hier strickt ab und sie sind gar nicht so patriotisch, wie erwartet.
Flaggen findet man aber trotzdem überall. Die Leute haben uns auf Pizza, Rum und zum Karten spielen eingeladen. Heute Morgen haben sie uns sogar ein Frühstück spendiert und in die Innenstadt eskortiert, wo wir uns dann ein bisschen umgesehen haben. Heute Abend unternehmen wir auch noch mal was zusammen, denn John hat die verschiedensten Leute eingeladen, um prinzipiell den gestrigen Abend noch mal zu wiederholen. Geil. Alles in Allem hatte ich ein ganz anderes Bild von den Leuten hier und bin mehr als positiv überrascht.
Morgen früh wollen wir uns dann aber wieder auf die Socken machen. Mal schauen, wohin überhaupt.


Schöne Grüße vom Great Arch in St. Louis.

Ein weiterer "Kulturschock" war das Tanken. Man muss nämlich im Voraus bezahlen, entweder an der Zapfsäule, oder in der Tankstelle. Man zahlt dann beispielsweise vorher 30 USD und kann dann dementsprechend viel tanken (in dem Fall im Durchschnitt fast 14 Gallonen, was umgerechnet etwa 53 Liter für 27€ sind - wow). Wenn man Bar bezahlt und weniger verbraucht hat, muss man danach wieder reingehen und sich den Rest auszahlen lassen. Bei der Kreditkarte wird das am Ende des Monats automatisch geregelt. Total bescheuert. Wir haben uns später von John sagen lassen, dass das gemacht wird, weil Leute früher öfters weggefahren sind, ohne zu bezahlen. Und das bei den Preisen.

Irgendwo am Highway in der Steppe von Oklahoma.



Bilder aus Santa Fe, New Mexico. Eine sehr schöne Stadt übrigens, hat was orientalisches und trotzdem recht modern.

03. März 2015: Heute haben wir nicht soo viel geschafft. Haben Santa Fe erst relativ spät verlassen. Wir konnten morgens ausnahmensweise mal wieder gesund frühstücken, nach all den Burgern und Pommes. Ernsthaft, ich sehne mich mal wieder richtig nach einer Mahlzeit, die nicht nur aus Fett besteht. Zeit, um richtig zu kochen, haben wir leider kaum.
Danach haben wir uns bei einem Walmart mit Trockenfleisch, Obst und Wasser für die Fahrt eingedeckt. Heute haben wir es bis nach Flagstaff, Arizona geschafft (etwa 600 km). Auf dem Weg dahin ging es durch einige schöne Schluchten und riesige Steppen, Ansonsten kann man entlang des Highways aber leider nicht viel sehen. Es ist nämlich einfach alles abgezäunt und nach 1500 km wird die Landschaft doch relativ langweilig, weil sie außer vereinzelten Sträuchern und gelegentlichen verlassenen Siedlungen nichts bietet. Zwischendurch hätten wir auch fast die Gelegenheit gehabt, einen riesigen Meteoritenkrater zu sehen - allerdings war der schon geschlossen. Ja.
Jedenfalls ist Flagstaff ein guter Startpunkt, um morgen von hier aus in den Grand Canyon zu fahren. Je nachdem, wie lange wir uns da aufhalten, könnten wir es dann vielleicht noch bis nach Las Vegas schaffen - wir bleiben gespannt!

11. März 2015: Mal wieder ein kleines Update. Ich würde gerne mehr schreiben. Allerdings müsste ich dafür sehr weit ausholen, weil in den letzten Tagen natürlich eine ganze Menge passiert ist. Das würde wahrscheinlich Stunden dauern, und so viel Zeit habe ich gerade nicht (jetzt ist es schon wieder 21:30 Uhr und wir haben gerade erst in einem kleinen Hotel eingecheckt). Ich werde alles bei Gelegenheit mal zusammenfassen. Die Karte habe ich natürlich wieder aktualisiert. Die Strecke beinhaltet jetzt auch grob geschätzt 250 km, die wir jeweils noch in Los Angeles und San Francisco zusammen insgesamt herumgefahren sind.
Jedenfalls kommt der nächste größere Eintrag - oder eher mehrere - wohl erst in ein paar Tagen, da sich unsere Rundreise so langsam dem Ende zuneigt und es bis Vancouver nicht mehr weit ist (und auf dem Weg dahin eh nicht viele sinnvolle Ziele liegen).

Bis dahin erstmal!

Donnerstag, 26. Februar 2015

Gestrandet

Nabend, liebe Leser.
Wenn ihr jetzt denkt, "Die Beiden haben doch bestimmt schon alles Mögliche gesehen", dann liegt ihr falsch.
Angefangen hatte die Reise, wie schon erwähnt, in Ottawa. Dort haben wir zwei Nächte verbracht. Unter anderem waren wir noch mal beim Friseur (duschen können wir schließlich nicht jeden Tag) und haben uns Landkarten besorgt. Außerdem hatten wir - wie immer eigentlich - wieder reichlich Spaß mit unseren Couchsourfing-Anbietern und Freunden auf der Elgin Street. Die werden übrigens etwa von Juli bis August nach Deutschland kommen, wo wir ihnen dann zeigen können, wie gut man es doch bei uns hat!
Da ich mal wieder keine besonderen Fotos habe aus Gründen, die sich weiter unten ergeben werden, werde ich zwischendurch einfach ein paar zufällige Bilder der letzten Tage einbauen.
Trotzdem viel Spaß ;)

4 Liter noname-Eis (so heißt tatsächlich die Marke, vergleichbar mit "Ja!" in Deutschland) 
für umgerechnet 3,90€.

An dieser Stelle muss ich mal erwähnen, dass unsere Gegenwart wohl ein schlechtes Omen ist.
Und zwar hatten die Jungs am Tag nach unserer Ankunft einen Wasserschaden. Zum einen war der Keller geflutet, weil ein Rohr anscheinend ein Loch hatte, das über längere Zeit zugefroren und plötzlich wieder aufgetaut war - weil sie schon seit längerer Zeit Probleme mit der Heizung hatten und am selben Tag ein Techniker die Heizung reparierte. Zum anderen hatte Jeff einen tropischen Regenwald in seinem Zimmer im ersten Stock (dem Geräusch nach zu urteilen), weil die Mieterin im zweiten Stock über zwei Tage vergessen hat, den Hahn der Badewanne auszustellen. Der Schaden war natürlich heftig: Von etlichen Decken und Wänden fiel der Putz ab, weil das Wasser dort herausquoll. Außerdem stand beispielsweise ein Flachbildfernseher von Phil im Keller, der dort ein kühles Bad nehmen durfte. Als ob das alles nicht genug wäre, hatten wir von da an noch öfters mit diesem Problem zu tun.

Am nächsten Tag sind wir also gegen Mittag aus Ottawa losgefahren in Richtung Toronto. Die Fahrt war sehr entspannt, weil der Highway relativ frei war und man dank des Tempomats schließlich nicht viel machen musste. Außer das Auto gerade zu halten, natürlich. Nach etwa vier Stunden Fahrt ging es dann durch den Großraum Toronto, wo es dann doch etwas komplizierter wurde. Was da auf beiden Seiten an Fahrzeugen über den drei- bis vierspurigen Highway strömt, ist unglaublich. Trotzdem gab es, abgesehen von einem sehr kurzen Stau, keine Probleme.


Jedenfalls war unser eigentliches Ziel für den Tag London (in Ontario, nicht Großbritannien), weil Jeff dort jemanden kennt, der uns für eine Nacht bei sich aufnehmen würde. Das mehr oder weniger Witzige ist nun, dass dieser Jemand auch einen Rohrbruch hatte, einen Tag später. Also haben wir unsere Route ein wenig geändert und uns gedacht, "besuchen wir mal Halton Place und schauen, ob wir da pennen können", also auf der Farm, wo wir vor ein paar Monaten gearbeitet hatten. Hätte das nicht geklappt, wären wir einfach weitergefahren, aber zum Glück war das kein Problem.
Tatsächlich hatte sich viel verändert und doch ist vieles gleich geblieben. Zu der Zeit war nur ein Mädchen, Jessica, da, die sich um die Hunde und die Pferde kümmert. Die Baustelle ist nun mehr oder weniger fertig und draußen kann man wegen der riesigen Schneeberge ohnehin nicht viel machen.




Wir hatten uns also gedacht, "schlafen wir mal wieder in unserem alten Zimmer in der Scheune". Wir kamen rein und hörten es schon laut plätschern. In der Wand zwischen unserem Zimmer und dem Bad war bei Minusgraden ein kaputtes Rohr aufgetaut - warum auch immer - und hat sowohl unser Zimmer, also auch das darunter durchnässt - nämlich das, wo der Sicherungskasten war. Diese bittersüße Ironie. Nach etwas Rumprobieren haben wir dann herausgefunden, dass der Hauptschalter sowohl Wasser, als auch Strom ausschaltet, also mussten wir die Techniker der Baustelle anrufen, damit sie um 23 Uhr Nachts das Rohr abdichten. Solange haben wir drei es uns im anderen Haus mit Kerzen, dicken Jacken und deutschem Weinbrand gemütlich gemacht.
Man merke an, dass wir rein zufällig genau an diesem Tag, genau zu dieser Zeit dort aufgekreuzt sind und den Schaden rechtzeitig bemerkt haben.

Pferde mit Jacken.

Am nächsten Tag ging Strom und Wasser zumindest drüben im Haus wieder und wir wollten noch für eine Nacht bleiben, weil uns Axel, quasi unser früherer Chef, in sein eigenes Haus zum Abendessen mit seiner Familie eingeladen hat. Wir hatten viel Spaß und gleichzeitig hat Axel uns noch einige nützliche Tips für die Reise in die USA gegeben, weil er selbst sehr oft dort ist. Die Gespräche waren manchmal etwas verwirrend aber auch witzig, weil seine Familie auch teilweise deutsch spricht und wir so öfters einfach mitten im Satz zwischen Englisch und Deutsch gewechselt haben.
Zu Essen gab es Kartoffelbrei mit Soße, Röstzwiebeln, Weißwurst, Rotkohl, Fleischsalat und zum Nachtisch deutsche und kanadische Schokolade. Und das war so ziemlich das Leckerste seit langem, weil wir uns für eine Weile nur von Fastfood und gelegentlich Toast ernährt haben - und weil wir seit mehr als 24 Stunden nicht mehr als einen Apfel gegessen hatten.

Am nächsten Tag hat es heftig geschneit, so dass Timur (auch einer unserer ehemaligen Chefs und Grundstücksbesitzer) uns geraten hat, noch für eine Nacht zu bleiben und abzuwarten, bis es nicht mehr schneit. Am selben Tag - ein Samstag übrigens - waren wir in Georgetown einkaufen. Während der Fahrt haben sich zwei riesige Risse in der Frontscheibe gebildet, neben dem, den wir ohnehin schon hatten, der uns aber sonst keine Probleme bereitet hatte. Eigentlich wollten wir die Scheibe aus Preisgründen erst in den Staaten austauschen. So war es dann doch relativ dringend, also mussten wir für NOCH mal zwei Nächte bleiben (da Sonntags keine Werkstatt geöffnet hat).

Der untere ist erst vor kurzem entstanden.

Natürlich haben wir hier nicht nur faul rumgelegen, sondern etwas angepackt und draußen Schnee geschippt oder Müll weggeräumt, aber viel gab es, wie gesagt, nicht zu tun. Montag konnte ich endlich zur Werkstatt, während Tommy auf der Farm ausgeholfen hat. Nach etwa fünf Stunden langen Wartens in einem nahen Subway-Restaurant konnte ich dann endlich das Auto mit der neuen Scheibe abholen. Also war nun der Plan: Dienstag früh geht es los -

- denkste! Tommy wurde plötzlich heftig krank, sodass er erstmal einen, beziehungsweise zur Sicherheit zwei Tage Ruhe brauchte.



Nun haben wir Mittwoch und jetzt, da es Tommy besser geht und die Frontscheibe repariert ist, hoffen wir, dass wir morgen, nach einer Woche (und geplant war wohlgemerkt nur ein Tag), endlich abhauen können. Morgen geht es dann durch Detroit über die Grenze in die USA, von wo aus wir dann bis Indianopolis fahren werden, wo uns schon ein netter Couchsurfing-Gastgeber mit Rum und "Cards aginst humanity" erwarten wird. Wir werden voraussichtlich acht Stunden (knapp 800km) unterwegs sein.

Übrigens hab ich beim letzten Mal vergessen zu erwähnen, dass mein ehemaliges Team und ich in den Credits (Abspann) des Spiels erwähnt werden, das ich getestet hab. Wie cool ist das denn? Nicht, dass sich irgendjemand jemals freiwillig den Abspann komplett ansehen würde, aber es ist trotzdem etwas, was nicht jeder von sich behaupten kann.
So, nun hoffen wir mal, das morgen alles glatt geht und wir nicht durch irgendeinen dummen Zufall schon wieder festgehalten werden.

Sorry für den langen Post, jetzt wird es schon langsam ziemlich spät. Wer Rechtschreib- oder Logikfehler findet, darf sie bunt unterstreichen.

Also bis dann!

Dienstag, 17. Februar 2015

Auf geht's, ab geht's

Die letzten Tage waren einfach nur eine Qual.
Nachdem wir am Samstag Das Auto gekauft hatten, hatten wir uns vorgenommen, ab dem Montag in der folgenden Woche alles zu besorgen, was wir für die Reise brauchen würden.

Dazu gehört natürlich als allererstes die Zulassung. Da die Zulassungsstellen immer nur während unserer Arbeitszeiten geöffnet haben, musste ich mir am Dienstag eine Stunde frei nehmen. Weil das Auto auf Tommy zugelassen ist und wir dachten, mit einer kleinen Vollmacht von ihm könnte ich das auch erledigen, war die Zeit etwas verschwendet, sodass ich dann mit leeren Händen zur Arbeit zurückkehren musste. Am Mittwoch dann war Tommy unterwegs und hat das ganze in wenigen Minuten geklärt. Wir dachten, ein Stück Blech und ein paar Einträge ins Verkehrsregister können ja nicht viel kosten - denkste. 300$ hat der Spaß gekostet. 10% des Fahrzeugwertes waren ein Teil davon, also 140$. Dann nochmal 70$ Provinz-Steuer, und der Rest... keine Ahnung.

Dann die Versicherung. Ab Mittwoch hatten wir verschiedene Versicherer angerufen, die uns alle nicht versichern wollten, weil wir Backpacker sind und kaum in Quebec sein würden. Selbst Versicherungsmakler konnten uns nicht helfen. Als wir dann bei der ersten Versicherung noch mal angerufen haben, ging es dann plötzlich doch - wobei wir diesmal allerdings nicht erwähnt haben, dass wir im Prinzip kaum in Quebec sein werden. Jetzt sind wir für ein Jahr versichert, obwohl wir nur 4 Monate brauchen, aber das ist besser als nichts. Dafür ist sie ziemlich günstig.

Weil es mit den Kosten nicht reicht, haben wir am Mittwoch auch den ersten Strafzettel unseres Lebens in höhe von 103$ bekommen. Der Räumungsdienst fährt nämlich irgendwann zufällig am Straßenrand entlang, um den Schnee aufzusammeln. Autos, die dann im Weg stehen, werden einfach abgeschleppt. Natürlich wird man gewarnt: Auf der Straße stehen weit verteilt Schilder, die besagen, dass der Räumingsdienst ab und zu im Winter den Schnee wegräumt und man das Auto dann umparken muss. Einen Tag vorher wird auch noch ein kleiner Zettel mit der selben Nachricht auf die Frontscheibe geklebt. Nur lag der Schnee schon seit einer Woche, so dass diese Tatsache bei uns gar nicht mehr auf dem Schirm war. Den Zettel hatten wir auch nicht gesehen, weil wir Das Auto seit mehreren Tagen nicht mehr benutzt hatten. Jedenfalls kam es wie es kommen musste - wir kommen nach der Arbeit nach Hause und der Wagen ist weg. Francis hat uns freundlicherweise darüber informiert, dass man da bei speziellen Hotlines anrufen kann, die einem dann sagen, wohin man abgeschleppt wurde. In unserem Fall nur etwa 100 Meter weiter. Die Freude war deswegen trotzdem nicht größer.

Als nächstes funktionierte unsere Klimaanlage plötzlich nicht mehr. Dass das bei -25°C alles andere als geil ist, muss ich wohl nicht erwähnen. Davon mal abgesehen beschlugen die Scheiben von innen ständig, sodass wir nur mit weit geöffneten Fenstern fahren konnten. Die Tatsache, dass man sich im Auto kaum bewegt, tut sein übrigstes. Alles in allem hat mir der Spaß ein paar Frostbeulen eingebracht, die sich übrigens wie Sonnenbrand anfühlen (und auch die selben Symptome aufweisen), aber wesentlich schmerzhafter sind.
Trotz heruntergelassener Fenster war es ziemlich schwierig, zu fahren, und wir hatten ja immernoch unsere hinteren Sitze, die wir schnellstmöglich loswerden mussten, denn es war schon Samstagabend und wir hatten mit einem anderen Deutschen ausgemacht, am Sonntagmorgen schon mal ein Bett und Camping-Equipment von ihm abzukaufen und in unseren Wagen zu stopfen.
Die Rücksitze mussten wir deshalb im Schutz der Nacht neben einem Sperrholz-Container auf einem kleinen Firmengelände zurücklassen.

Da alle Werkstätten geschlossen hatten und wir am Sonntag aus unserer geliebten Wohnung raus mussten, mussten wir noch ein wenig Zeit totschlagen. Abends fanden wir dann eine kleine, aber günstige Wohnung. Das Zimmer war zwar ganz nett eingereichtet und halbwegs warm, aber gleichzeitig auch eine statisch geladene Todesfalle. Wenn man sich hier im Bett wälzt, hört man es leise knistern. Nachts hatte ich einmal meinen Arm schnell über die Decke gezogen und konnte danach eine breite, sich langsam fortbewegende Spur aus kleinen Blitzen beobachten. Als ich dann mit Kopfhörern auf einem Stuhl saß, habe ich jedes mal, wenn ich meine Hausschuhe über den Boden geschliffen hab, einen tierischen Schlag auf meine Ohren bekommen. Sowas krasses hab ich noch nie erlebt.

Am Montag sind wir ziemlich früh aufgestanden, um gleich die ersten in der Werkstatt zu sein, um unsere Klimaanlage reparieren zu lassen. Wie es der Zufall so wollte, hatte ich den Wagen angelassen und sie funktionierte wieder, allerdings nur kalte Luft. In der Werkstatt angekommen kam dann sogar Warme. Ein paar Kleinigkeiten haben wir trotzdem noch beheben lassen, sodass wir sehr günstig davon gekommen sind und somit unsere größte Sorge aus der Welt war.

Da jetzt quasi alles in Sack und Tüten ist, kann es auch schon losgehen. Gleich gehen wir noch ein wenig frühstücken, dann geht es ab nach Ottawa, um noch mal unsere Freunde zu besuchen. Außerdem bräuchten wir beispielsweise noch eine Landkarte und man kann dort auf dem Rideau-Kanal eislaufen gehen. Wie es dann weitergeht, haben wir uns natürlich schon überlegt, allerdings will ich an dieser Stelle erstmal noch nicht zu viel verraten ;)


Ciao!

Sonntag, 8. Februar 2015

Das... Auto

Endlich ist es soweit. Heute haben wir uns auf den Weg zu einem Autohändler in der Nähe gemacht. sieben oder acht Autos hatten wir uns in letzten Tagen herausgesucht, und immer hieß es "Nicht mehr verfügbar", nachdem man mehrere Tage warten musste und das Angebot trotzdem immer noch online zu finden war.

Auf dem zugeschneiten Parkplatz hat dann einer der Mechaniker den 2002 Kia Sedona für uns ausgeparkt. Wir haben dann eine Probefahrt gemacht und das wichtigste getestet. Es war schon komisch, nach mehreren Monaten endlich wieder ein Lenkrad in der Hand zu halten. Dann auch noch ein Automatik UND in Kanada. In der Werkstatt angekommen haben wir noch mal den Motorraum überprüft und uns alle Reparaturen am Fahrzeug bestätigen lassen. Nach einer Menge Papierkram war der Gute dann unser. Wir haben ihn "Das Auto" getauft.




Die Heimfahrt war übel. Ich bin gefahren und Tommy hat für mich die Navigation übernommen.
Die Straßen waren einfach eine Katastrophe. Überall Löcher, tonnenweise Schneematsch und auf einer Strecke von 20km waren nirgendwo brauchbare Spurmarkierungen. Sogar auf einem dreispurigen Highway, was besonders unglücklich ist, wenn mal zwei Spuren zusammenlaufen - dann merkt man's nämlich erst, wenn einem plötzlich der Nebenmann unangenehm nahe kommt. Ampeln befinden sich hinter den Kreuzungen und nicht wie in Deutschland davor, was mich öfters dazu gezwungen hat, überraschend stark zu bremsen - was zum Glück ziemlich gut funktionierte. "Rechts vor links" gibt es hier nicht. Kreuzungen sind immer durch Schilder geregelt. An gleichrangigen Kreuzungen findet man demnach immer vier Stop-Schilder.
Wer zuerst kommt und anhält, darf auch zuerst fahren. Das hört sich erst mal bescheuert an, ist es tatsächlich auch, aber irgendwie scheint es zu funktionieren. Außerdem fahren die Kanadier natürlich viiieeel langsamer. Auf dem Highway nutzt kaum jemand das Geschwindigkeitslimit von gerade mal 100 km/h aus. Und falls es ein Rechtsfahrgebot gibt, scheint es niemanden wirklich zu interessieren.
Generell scheint man hier sehr spontan zu sein was vorrausschauendes Fahren angeht. Vielleicht muss man einfach ein wenig wahnsinnig sein, damit das funktioniert.

Nun steht "Das Auto" vor unserer Tür und wir haben noch ein paar Dinge zu klären. Ein Nummernschild und eine Versicherung brauchen wir natürlich. Außerdem ist ein Riss in der Frontscheibe, der noch geflickt werden muss, wofür wir aber im Gegenzug den Preis runterhandeln konnten. Wäre zwar nicht zwingend notwendig, aber bei den lausigen Straßen hier wäre das wohl das Beste. Außerdem brauchen wir noch etwas Camping-Equipment, also eine Matratze mit Decke und evtl. noch einen Gasherd/Grill und Geschirr. Dann müssten wir noch die hinteren Sitze loswerden - und so weiter.

Unsere Abreise rückt nun immer näher. Es ist schon schade, den Job hier aufzugeben. Mir wurde aber angeboten, in Zukunft noch mal dort zu arbeiten, gegebenenfalls sogar in Dublin, da Montréal für mich keine Option ist. In der letzten Zeit konnte ich auch an Wochenenden arbeiten, wobei man dann angenehme 19$ pro Stunde verdient. Auch morgen muss ich wieder los und heute hätte ich auch gekonnt, allerdings hatte das Auto nunmal Priorität. Schade eigentlich.
Gothi hat uns übrigens Anfang das Monats verlassen :( 
Mittlerweile hab ich ziemlich die Schnauze voll von den ganzen Abschieden. Aber so haben wir uns das nunmal ausgesucht. Vieles geht vorbei, aber dafür entdecken wir immer wieder unglaublich viel Neues.

Das nächste mal werde ich wieder schreiben, kurz bevor es losgeht. Bis dahin ist Arbeits- und Planungstechnisch noch reichlich zu tun.

Auf bald!

Sonntag, 1. Februar 2015

Was bringt die Zukunft?

Nabend! Da in der letzten Zeit einfach nichts spannendes passiert ist, gibt es im Moment auch nicht viel zu erzählen. Daher werd ich mich diesmal auch ein wenig auf unsere zukünftigen Pläne eingehen.

Unsere Arbeit macht immernoch Spaß. Im nachhinein ist sie nicht so, wie man sie sich wahrscheinlich vorstellen würde, aber trotzdem viel spannender als die meisten meiner vorigen Jobs.
Zum Spielen komme ich tatsächlich gar nicht so viel - selten mehr als 30 Minuten am Tag.
Bei den Funktionalitätstestern sieht es dagegen komplett anders aus. Wenn ich denen allerdings mal bei der Arbeit über die Schulter schaue und sehe, was sie (und wie sie es) machen, bin ich doch sehr zufrieden mit meiner deutlich anspruchsvolleren Stelle.
Mein Team besteht momentan aus 16 Leuten und spricht 8 verschiedene Sprachen - Deutsch, Französisch, Spanisch, Latein-Spanisch, Polnisch, Russisch und Brasilianisch-Portugiesisch. Alles Muttersprachler. Trotzdem können wir uns alle sehr gut verständigen und kommen gut miteinander aus. Besonders witzig finde ich es, wenn andere in meinem versuchen, Deutsch zu sprechen und dann "Dankeschön" sagen, wenn ich jemandem irgendwie helfen konnte.
Außerdem wurde mir angeboten, jederzeit wieder für Babel zu arbeiten - in Montréal oder Dublin.
Anscheinend haben die nicht viele permanente Deutsche Mitarbeiter. Die meisten sind wohl nur Backpacker, genau wie wir.

Am Wochenende machen wir in der Regel auch nicht viel. Im Vergleich zu anderen Städten ist es hier einfach extrem schwer, Kontakte zu schließen, wenn man die Hauptsprache nur in Maßen versteht, und obwohl fast jeder sowohl Englisch, als auch Französisch spricht, weigern sich trotzdem viele, Englisch zu sprechen.
Meistens besuchen wir einen Irish Pub namens "McKibbins", wo es reichlich verschiedene Biersorten, gute Live-Musik und Snacks wie Nachos oder Pommes gibt. Nebenbei spielen wir oft Karten. Letzten Montag haben wir uns noch mal mit Devon, einem Freund aus Ottawa, getroffen und sind essen gegangen. Er hatte für ein paar Tage ein ziemlich schickes Hotel mit seiner Freundin gebucht. Auch dort haben wir wieder einige Deutsche bemerkt (bzw. Gespräche auf Deutsch). Auf der Dach-Ebene des Hotels gab es übrigens einen Outdoor-Pool, der selbst bei -20°C noch beheizt wurde und nutzbar war.

Was unsere nächsten Pläne angeht, wird es schwierig. Wir planen, etwa Mitte Februar hier zu verschwinden. Dann werden wir uns ein wenig im Osten Kanadas umsehen. Dann die Ostküste in den USA hinunter, einmal quer rüber bis an die Ostküste und dort dann wieder in den Norden. Idealerweise in irgendein Skigebiet, weil wir ziemlich Bock aufs Skifahren haben und man dort gut verdienen kann, wenn man beispielsweise als Putzkraft in Hotels arbeitet. Unsere Route steht aber nur grob fest. Kleine oder größere Umwege werden dann spontan gemacht.
Die große Frage ist nun, mit was für einem Auto wir das machen wollen. Neulich haben wir uns einen GMC Safari 1995 angeschaut, der von einem Deutschen sehr billig verkauft wird. Der Minivan ist extrem günstig, bietet genug Platz und ist schon komplett fürs Camping eingerichtet. Allerdings ist der auch schon alt und müsste noch in der Werkstatt bearbeitet werden, wobei wir von den genauen Kosten keine Ahnung haben. In Aussicht war auch ein Dodge Grand Caravan 2003 für 1500$ vom Gebrauchtwarenhändler, allerdings ist der auf den ersten Blick viel teurer und müsste dazu auch noch komplett mit Campingzeug eingerichtet werden, was auch extra kostet. So oder so wird der Autokauf "one hell of a gamble".
Das geringere Problem dürfte der Sprit werden. Wir planen zwar natürlich, mehrere Tausend Kilometer zu fahren, aber die Spritpreise in den Staaten sind ja ein Witz. Auch die Versicherung ist kein großes Hindernis, da wir den Wagen für nicht mal 4 Monate brauchen werden und die Versicherung in Quebec relativ günstig ist.

Wir dürfen auf jeden Fall gespannt bleiben und hoffen, dass uns nicht zu viele Steine in den Weg gelegt werden.