Nachdem ich wieder beim Hotel abgesetzt wurde, verliefen die nächsten Tage bis heute eigentlich wie gewohnt. Die ersten Tage hat es nur geregnet und eine Woche später bin ich in ein Einzelzimmer umgezogen (gegen Aufpreis). Seit etwa mitte Juni ist es hier ziemlich heiß geworden. Die Temperaturen reichten von 35 bis sogar 40°C in der Sonne und tuen es auch jetzt noch. Angenehm ist ist nur wirklich auf Arbeit, da die Küche schön gekühlt wird. Und falls das nicht reicht, stellt man sich eben für 5 Minuten in den begehbaren Tiefkühlschrank.
In meinem Zimmer habe ich allerdings das Problem, dass die Fußbodenheizung nie abgestellt wird (auch wenn die Temperatur wohl kürzlich etwas runtergedreht wurde), bei niemandem. Das Argument: Ihr könnt den Deckenventilator zum kühlen benutzen. Außerdem muss/sollte man tagsüber die Jalousie runterlassen, um nicht durch Sonnenstrahlung und Heizung geröstet zu werden. Dafür ist es eben ziemlich dunkel im Zimmer.
In der Küche mache ich mittlerweile meistens irgendwas anderes als Geschirr waschen. Manchmal Gemüse Schneiden, manchmal irgendwas sortieren, und so weiter. Mittlerweile sind wieder einige Leute gegangen und neue dazugekommen, so dass ich, abgesehen von Larry, nach gerade mal drei Monaten noch mit am längsten dort war. Wahrscheinlich ein Grund, warum ich ständig etwas anderes machen mussen. Manchmal, wenn irgendwas lästiges erledigt werden muss, sagen mir die Chefs dann, ich solle das "einen meiner Tellerwäscher machen lassen". Außerdem liegt die Wahl oft bei mir, wenn es darum geht, dass jemand früher nach Hause gehen muss (weil wir überbesetzt sind). Gefällt mir.
Ich bin immer wieder überrascht über die Qualität der Küche. Besonders die der Zutaten und des Essens. Alles wird "from scratch" gemacht, also von Grund auf. Zum Beispiel stellen sie ihre eigenen Brühen her, die über mehrere Tage in großen Kesseln gefüllt mit Fleisch und Gemüse gekocht und am Ende abgegossen wird. In kleinen Blumentöpfen lassen sie einige Kräuter heranwachsen. Müsli wird eigenhändig aus verschiedenen Zutaten gemischt und gebacken. Kuchen werden aus frischen Früchten hergestellt, die nicht selten auch einer von uns sortieren und kontrollieren muss. Auch Fleisch wird nur in großen Stücken gekauft, geschnitten und sorgfältig vorbereitet.
Auch die Zubereitung des Essens mag ich. Selbst einfache Gerichte wie Pommes oder "Snitzel", wie die Kanadier es nennen, sind perfekt gekocht/gebraten und mit verschiedenen, passenden Gewürzen verfeinert. Manchmal habe ich Zeit, ihnen dabei über die Schulter zu gucken, um noch eventuell das ein oder andere zu lernen.
Mittlerweile rückt das Ende meiner Reise in unfassbare Nähe. Heute (bzw. nach meiner Zeit eigentlich morgen) vor genau zehn Monaten sind Tommy und ich in Toronto gelandet, und heute in genau zehn Tagen werde ich wieder zu Hause landen.
Manchmal lese ich mir meine alten Blogeinträge durch und denke mir, was für abgefahrene Sachen wir doch gemacht haben. Die Arbeit auf der Farm. Die coolen Leute vom Militär in Ottawa. Unsere WG im eiskalten Montreal. Die USA-Reise, die gefühlt um die halbe Welt ging. Dann frage ich mich, "Was haben wir uns dabei eigentlich gedacht"? Aber irgendwie war alles genau richtig. Am Ende kann man ohnehin über alles lachen.
Auch deshalb bin ich froh, diesen Blog erstellt zu haben. Auch, wenn eine Reise wie diese unvergesslich bleibt, so werde ich mich später doch immer wieder in diese Zeit hineinversetzen können. Auch wenn ich mich schon tierisch auf Deutschland freue, werde ich dieses Land doch vermissen, doch wie heißt es so schön: "Heute ist nicht alle Tage; ich komm wieder, keine Frage".
Neulich habe ich auch ein interessantes, passendes Zitat gelesen:
... was so viel bedeutet wie: "Freunde dich mit Leuten an, die nicht in deinem Alter sind. Verbringe Zeit mit Leuten, die eine andere Muttersprache haben. Lerne jemanden kennen, der nicht aus deiner sozialen Schicht kommt. So entdeckt man die Welt. Dadurch wird man größer".
Also im Prinzip das, was wir in den letzten Monaten getan haben. Und es war interessant, mal Leute aus einem Land zu treffen, von dem man sonst nur im Fernsehen hört. Andere Lebensweisen kennenzulernen. In einem anderen Land Urlaub machen kann man natürlich immer. Aber der US-Grenzbeamte hatte schon recht, als ich ihm erzählte, wir wollen für einen Tag in die USA, um das Gefühl zu bekommen, mal dort gewesen zu sein. Denn ein Tag reicht einfach nicht, auch nicht eine Woche oder zwei.
Jedenfalls werden die nächsten Tage leider nicht wesentlich unkomplizierter, als die Vorbereitungen für meinen Hinflug. Zudem werden meine letzten beiden Tage so aussehen, dass ich am 19. Juli um 21 Uhr in den Bus steige und um 5 Uhr Morgens in Vancouver ankomme, so dass ich mehr als 13 Stunden in Vancouvers Innenstadt totschlagen werden muss, bis ich mich endlich in mein Flugzeug setzen und abheben kann. Aber dazu mehr, wenn es so weit ist. Für heute setze ich hier erstmal einen Schlussstrich.
Also bis dahin!














