Montag, 8. Juni 2015

Mit 'nem Wohnmobil durch Kanada! (Teil 1)

Hallo!
Ja, bin immer noch in Kanada. Solange es nichts Neues gibt, muss ich den Blog leider immer etwas vernachlässigen. In den letzten Tagen kam außerdem noch ein Mix aus Unlust und viel Arbeit dazu. Dafür hatte ich aber vom 16. bis zum 26. Mai Besuch, und zwar von meiner Familie. Deshalb gibt es diesmal wieder Unmengen an Erlebnissen, von denen ich berichten kann - und diesmal habe ich sogar Notizen dazu. Denn ohne hätte ich die Hälfte jetzt schon wieder vergessen.
Der Übersicht wegen werde ich unsere Reise mal etwas gliedern.

16. Mai

Am 15. und 16. hatte ich endlich mal wieder frei. Die zehn Tage davor hatte ich nämlich durchgehend gearbeitet. Meine Familie war bereits am 15. gelandet. So konnten sie dann (relativ) entspannt am nächsten Tag um 11 Uhr zum Wohnmobilverleih fahren, sich alles erklären lassen und dann rund 450 km bis nach Vernon düsen. Gerechnet hatte ich eigentlich mit ihnen um etwa 18 Uhr, allerdings waren sie schließlich erst nach 20 Uhr da, so dass ich doch irgendwann etwas ungeduldig wurde und alle paar Minuten aus dem Fenster sah. Nach einer langen Begrüßung (nach immerhin etwa 8 Monaten) sind wir schnell noch mal nach Vernon gefahren, um uns mit Lebensmitteln für die Nacht und den nächsten Morgen einzudecken, und danach wieder zurück. Nachdem ich es mir gefühlt beim halben Hotel habe bestätigen lassen (zum Beispiel bei den Hausmeistern, bei der Rezeption, bei den Personal-Managern...) konnte ich einen Stehplatz für das Wohnmobil nahe des Hotels sichern - auf einer Art Baustelle, wo diverse Baumaterialien und ähnliches rumlagen. Außerdem ist einer der Hausmeister nachts noch öfters mit seinem kleinen Gabelstapler dort rumgefahren. Aber immerhin hatten wir einen kostenlosen Übernacht-Parkplatz, die, wie sich später rausstellte, sehr rar in Kanada sind [Tommy und ich haben ja auch öfters etwas "riskanter" geparkt, allerdings ist das mit einem Minivan ja auch etwas unkomplizierter als mit einem Wohnmobil].
In der Nacht hat es angefangen, zu regnen. In den sechs Wochen, die ich hier gearbeitet habe, hat es vielleicht zwei oder drei mal geregnet - toll.

Unser Rastplatz über Nacht.


17. Mai

Am nächsten Morgen haben wir gefrühstückt. Danach haben wir meine restlichen Sachen eingeladen und sind noch etwas rumgewandert. Wir haben es aber dabei belassen, uns nur das Hotel anzusehen und einen ca. 1 km langen Wanderweg um das Hotel herum zu nehmen. Es hatte ja immer noch geregnet. Zwischen 11 und 12 Uhr ging es wieder nach Vernon, wo wir uns noch mal Lebensmittel für die nächsten Tage besorgt haben. Dabei waren unter anderem fette 30$-Rindersteaks für den Abend. Danach hab ich meine Navigations-App angemacht (ein echter Lebensretter seit ich in Kanada bin) und los ging 's.
Wieder auf der Straße!

Das erste Ziel war Revelstoke. In der Nähe haben wir gegen Abend einen Campingplatz gesucht. Anmelden mussten wir uns selbst mit einem kleinen Briefumschlag, in den man das nötige Geld legt (25$) und einige persönliche Informationen aufschreibt. Feuerholz gab es nur von der Platzverwaltung für 7$. Welches aus dem Wald zu nehmen war verboten. Und da denkt man immer, es gibt genug Bäume in Kanada...


So wie es dunkel wurde haben wir dann den Grill angemacht und die guten Steaks raufgelegt.




Die Steaks waren echt richtig gut und völlig ihren Preis wert, wie ich finde. Nur mit Peffer und Salz gewürzt waren sie am Ende saftig genug, um ohne irgendeine Soße oder Beilage gegessen zu werden.
Als das Feuer aus war, sind wir alle ins Bett gegangen.


18. Mai

Aufgestanden sind wir gegen 9. Zum Frühstück gab es Bacon, Rührei und belegtes Brot.
Gegen 11 ging es dann weiter in Richtung Banff. Das Tagesziel sollte der Yoho National Park sein.
Zwischendurch haben wir an heißen Quellen angehalten. Zwar wurde das Wasser in normale Schwimmbecken umgefüllt, aber trotzdem war es natürlich geheiztes Wasser, je ein Becken mit 32°C und 40°C. Besonders interessant war allerdings die Tatsache, dass diese Becken von Schneebergen umgeben waren.


Später haben wir (Nach-)Mittagspause bei einem McDonald's gemacht. Unter anderem, um das nächste Ziel zu suchen (dank wie immer kostenlosem W-Lan).






Gegen Abend erreichten wir dann den Kicking Horse River im Yoho National Park.




Danach ging es etwa eine Viertelstunde weiter zum Emerald Lake, der dem Namen wohl seiner Farbe verdankt ("Smaragd-See"). Da sich die Sonne zu dem Zeitpunkt schon hinter den Bergen verkrochen hatte, war davon leider nicht mehr viel zu sehen. Uns ist aufgefallen, dass auf dem Seeboden überall tote Bäume lagen und außerdem keine Fische zu sehen waren. Vielleicht ist das Wasser einfach zu sauber für Fische?


Da es kalt und dunkel wurde sind wir wieder zurück zum Fluss gefahren, da dort ein ausreichend großer Parkplatz war, auch, wenn das Parken dort vielleicht nicht ganz so erlaubt war, da wir einen Nationalpark-Pass gebraucht hätten. Aber wer kontrolliert schon irgendwo in der Einöde?
Wir haben Reste gegessen und bis spät in die Nacht Karten gespielt. 

19. Mai

Während es tagsüber fast schon sommerliche Temperaturen waren, war es in der Nacht echt richtig kalt geworden. Wir hatten zwei Glasflaschen rausgestellt, die wir im Tiefkühlfach gelagert hatten, und sie waren am Morgen immer noch gefroren. Wir haben das Auto vom Schatten in die Sonne umgeparkt, um etwas aufzutauen. Leider waren dann auch schon Reisebusse zur Stelle, aus denen Asiaten kamen und aus auffälliger Nähe in unser Wohnmobil hineinschauten. Wahrscheinlich ist einfach aufgefallen, dass wir deutsche Touristen sind. Daher haben wir uns auch nicht lange dort aufgehalten und sind früh weitergefahren.


Als Nächstes haben wir am Lake Louise halt gemacht, einer weiteren berühmten Touristen-Attraktion. Leider war der zu diesem Zeitpunkt noch immer zum Teil gefroren.



Auf dem zweiten Foto rechts verläuft ein Wanderweg entlang des Berges, den wir für je 2 Kilometer hin und zurück gefolgt sind, bis wir auf einen gefrorenen Wasserfall gestoßen sind.



Mein Bruder und ich sind gute 100 Meter bei einer Steigung von rund 45° hochgeklettert, um den Wasserfall zu erreichen. Zur Erischung konnte man gefrorenes Quellwasser trinken, beziehungsweise lutschen. Danach ging es gaaaaanz langsam wieder herunter, um nicht die Express-Route mit dem Geröll zu nehmen.

Wieder am Wohnmobil angekommen, ging es dann weiter nach Banff. Unterwegs haben wir kurz an der Straße gestoppt, weil wir einige Rehe ganz gut fotografieren konnten (die sich später übrigens als sehr langweilig herausgestellt haben, weil es davon so viele gibt).


Kurz vor Banff haben wir dann an einer Art See/Tümpel Mittag gegessen: Brot und Hamburger.
Banff selbst ist gar nicht so groß und überfüllt, wie wir gedacht hatten. In der Innenstadt konnten wir gemütlich parken und einkaufen gehen. Außerden haben wir eine Touristen-Informationsstelle aufgesucht, um herauszufinden, wo gute Campingplatze sind und wo man vielleicht einige Tiere beobachten kann. Wir wurden sehr gut beraten, denn für beide kannte die Angestellte die perfekten Bereiche in Banff.

Zunächst haben wir eine Schleife durch einen Wald befahren. Als erstes sind uns die hier begegnet, die total ungestört (obwohl überall Leute in ihren Autos angehalten haben) am Straßenrand entlang geschlendert sind:




Danach kam für eine Weile nichts Interessantes mehr. Wir sind weitergefahren, bis wir den Two-Jack Lake erreicht haben.





Das Wasser ist übrigens problemlos trinkbar.




Dann sind wir auf diese kleinen Kerlchen gestoßen:








Obwohl dieser See wohl weniger bekannt ist, fande ich ihn deutlich schöner, als die anderen, bekannteren Seen. Der Rastplatz am See war sehr schön hergerichtet und es war auch kaum was los. Neben dem Ausblick waren natürlich auch diese witzigen Hörnchen - wir vermuten, es sind "Ziesel" - ein Highlight, weil die ein sehr gutes Beispiel dafür waren, wie nah man der Natur und den wilden Tieren eigentlich kommen kann. In Deutschland sieht man beispielsweise normalerweise so gut wie nie ein Reh. Hier dagegen sieht man am Tag gleich mehrere. Auch neulich waren wieder einige auf dem Parkplatz vor meinem Wohnhaus, die sich nicht dadurch stören lassen haben, dass ich mit ein paar Metern Abstand an ihnen vorbei ging.

Nach fast einer Stunde haben wir uns dann wieder auf den Weg gemacht. Auch danach haben wir wieder diverse Rehe gesehen. 
Kurz vor Ende der Strecke, als wir es am wenigsten erwarteten, kam dann doch noch einer...


... ein Schwarzbär! Leider waren wir ihm wohl auch nicht ganz geheuer, als wir angehalten hatten, deswegen hat er sich schnell aus dem Staub gemacht. Gute Fotos konnten wir von ihm deshalb nicht schießen. Ihn zu verfolgen war aus sicher nachvollziehbaren Gründen auch nicht drin, auch, wenn er viel kleiner war, als wir gedacht hatten.
Allerdings sollte das nicht unsere letzte Bärenbegegnung bleiben...

Am Ende haben wir dann auf einem großen Campingplatz in Banff übernachtet, wo wir mal wieder die Gelegenheit hatten, Frischwasser aufzufüllen, Dreckwasser abzulassen (beides reichte in der Regel nur für höchstens 2-3 Nächte) und Strom zu tanken - dummerweise hatte das Wohnmobil keinen Generator, so dass wir unsere wichtigsten Geräte (wie zum Beispiel mein Handy zwecks Navigation) nicht ohne Stromanschluss aufladen konnten.


Dies wäre der erste Teil unserer gemeinsamen Reise.
Fortsetzung folgt!

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