Donnerstag, 25. Juni 2015

Mit 'nem Wohnmobil durch Kanada! (Teil 3)

Und nun schließlich der letzte Teil unserer kleinen Reise!

23. Mai

Da wir mittlerweile eigentlich alles gesehen hatten, was wir wollten, hatten wir kein besonderes Ziel mehr, außer Vernon, wo wir spätestens am 26. ankommen wollten. Wir sind wieder zurück in Richtung Norden ins Purcell Wildlife Conservatory gefahren, da es dort wohl viele Tiere geben soll.

Laut Karte konnte man direkt in dieses Gebiet hineinfahren. Das war wohl falsch. Als wir vom Highway abgefahren und auf einem Schotterweg gelandet sind, hatten wir uns noch nichts dabei gedacht. Purcell war zwar ausgeschildert, aber man konnte dort per Auto nicht ankommen. Wir sind auf einer einspurigen, sehr schmalen Schotterstraße entlang gefahren und den Schildern gefolgt.



Nach 15 Minuten ist uns jemand entgegen gekommen, und wir hatten noch relativ Glück. Es gab auf der ganzen Strecke so gut wie keine Ausweichmöglichkeiten für diesen Fall, so dass dann jeweils einer endlos weit hätte zurückfahren müssen. Als wir also jemandem begegnet sind, ist der ein paar Meter rückwärts in eine Kurve gefahren, die gerade so groß genug war, um aneinander vorbeizukommen. Wir haben erfahren, dass in dieser Richtung einfach nichts ist und irgendwann auch keine Straßen mehr weiterführen.
Nach einigen hundert Metern fanden wir doch noch eine Wendemöglichkeit, also sind wir wieder umgedreht.

Wir sind einen Teil der selben Strecke zurückgefahren in Richtung Kaslo BC, da wir auf der Strecke zuvor schöne Campingplätze gesehen haben.




Es war noch nicht so spät, aber wir haben uns gedacht, wir könnten doch einfach mal früher als sonst auf einen Campingplatz fahren und für den Rest des Tages entspannen. 
Das Gute an den Campingplatzen hier ist, dass die Camp-Flächen ziemlich groß und großzügig voneinander abgegrenzt sind. Hier hatten wir einen schönen Ausblick auf den Lake Kootenay und es war unglaublich ruhig. Obwohl Menschen in der Nähe waren, konnte man weder Gerede hören, noch Motorgeräusche oder sonstiges, was man eben auf einem Campingplatz so mitbekommt.
Es war sogar heiß genug zum Baden, so dass wir einfach mal reingesprungen sind. Warm war das Wasser aber nur in Ufernähe und an der Oberfläche - sobald man ein paar Meter hinausgeschwommen ist, wurde es extrem kalt. Immerhin war auch hier wieder das Wasser sehr klar und sauber.


Abends haben wir wieder ein kleines, aber teures Feuer gemacht. 7$ für 7 Stück! Und man durfte sich auch wieder nichts aus dem Wald nehmen. Zum Abendbrot gab es wieder Bratwurst, und dann war der Tag auch schon wieder rum.



24. Mai

Vor der Abfahrt haben wir noch zwei Stück Feuerholz beim Nachbarn geklaut, der aber schon weg war. Bei diesen Preisen wäre es doch schade, es einfach liegen zu lassen. Und man kann sie später sicherlich noch mal gebrauchen.

Als nächstes ging es nach Nakusp BC. Zuerst waren wir noch mal in Kaslo, um Lebensmittel einzukaufen. Danach ging es zum Strand in Kaslo, um Mittag zu essen. Außerdem war unser Abwassertank aus unerklärlichen Gründen wieder voll (der Frischwassertank im Gegenzug aber nicht leer). Da die einzige Stelle dafür in Kaslo erst 17 Uhr öffnete, haben wir also bis dahin am Strand gegammelt, dann alles erledigt und sind nach Nakusp gefahren.

Die Fahrt dahin war leider ziemlich unspektakulär. Einen Großteil der Strecke hatte es geregnet.
Dort angekommen wollten wir auf einen Campingplatz, der aber stolze 42$ kosten sollte. Wir sind ein wenig zurückgefahren, wo wir eine krötenreiche Rest Area fanden.


Dort war aber das Übernachtparken verboten, also sind wir wieder in Richtung Nakusp aufgebrochen. Unweit davon entfernt haben wir dann auf einem Campingplatz für 25$ übernachtet. Hier konnten wir auch unsere letzten beiden Stücke Holz "verbraten".


25. Mai

Nach dem Aufstehen ging es wieder nach Nakusp. Wir hatten von heißen Quellen gehört, die wir zunächst besuchen wollten, bevor die Fahrt weitergeht. Wir mussten etwas in die entgegengesetzte Richtung fahren, aber wirklich wert war es die Fahrt nich. Um die Quellen wurde ein Gebäude gebaut und der Eintritt kostete. Das Becken war also wieder künstlich angelegt. Da wir das so schon ein mal gemacht hatten, haben wir uns das gespart und sind zurück gefahren.

Nach einer Weile kamen wir in Fauquier BC an, wo wir mit unserem Wohnmobil eine (kostenlose!) Fähre über den Upper Arrow Lake nahmen. Wir befanden uns nun auf der Straße, die uns geradewegs nach Vernon führen sollte und bis dahin war es nicht mehr weit.
Außerdem haben wir auf dieser letzten Strecke noch einen Volltreffer gelandet:

Eine Bärenmutti ...


... mit ihren Jungen!

Die waren diesmal nicht weit von der Straße entfernt und wir hatten einen relativ freien Blick - für kurze Zeit zumindest, denn bis man erstmal die Kamera scharf gemacht hat, sind die oft schon wortwörtlich "über alle Berge". Während die Kinder schon weg waren, ist die Mutter noch kurz geblieben und hat uns für ein paar Sekunden gemustert, ist dann aber auch hinter dem Hügel verschwunden.

In Vernon angekommen waren wir nochmal im Canadian Tire (Baumarkt) und im Real Canadian Superstore einkaufen. Mittlerweile war es schon 20 Uhr. Danach wollten wir noch ein mal Amerikanisch essen gehen, also gingen wir in ein 'Boston Pizza'. Die haben allerdings nicht nur Pizza, sondern noch eine ganze Menge mehr. Wir hatten eine große Platte mit verschiedenen Sachen bestellt, einen Burger mit Pommes und zwei mal große Rippen mit Pommes. Das kostenlose Nachfüllen von Getränken gilt übrigens nur für Wasser und Softdrinks (Cola, Fanta, etc.). Apfelsaft zum Beispiel muss jedes mal bezahlt werden (wir haben aber trotzdem noch ein zweites Glas kostenlos bekommen). Alles in Allem habem wir etwas mehr als 100$ inkl. Trinkgeld bezahlt, aber wir waren alle zufrieden.


Nach dem Essen ging es zurück zum Hotel. Das Tor zu unserem VIP-Parkplatz war diesmal abgeschlossen - wir hatten uns vorher ja nicht angekündigt - also musste ich noch mal hochrennen, und weil diesmal andere Leute an der Rezeption waren, musste ich denen noch mal die Situation erklären. Hab dann aber ohne Probleme wieder den Schlüssel bekommen.
Wir sind noch mal auf den Hügel vorm Hotel gegangen, um dort den Ausblick bei Nacht zu genießen. Zum Schluss haben wir im Wohnmobil ein letztes mal Karten gespielt.
Bis zum nächsten Morgen hatte es übrigens plötzlich schon wieder geregnet, so dass das Wandern mal wieder ausbleiben musste - und hier regnet es sonst nur alle 2-3 Wochen ein mal für ein paar Stunden. Immerhin war der Rest des Urlaubs relativ trocken.


26. Mai

Morgens normal aufstehen. Ich hab danach oben im Wohnhaus noch ein paar Handtücher aus dem Wohnmobil gewaschen. Wir haben noch mal im Wohnmobil gefrühstückt. Gegen Mittag hieß es dann wieder: Abschied nehmen.
Dieses mal allerdings nur für kurze Zeit. Denn jetzt bin ich nicht mal mehr einen Monat hier in Kanada.
Für meine Familie bestand der Rest der Reise aus der Fahrt nach Vancouver und dem Waschen des Wohnmobils. Am 27. Mai ging ihr Rückflug.
Für mich war es das Ende unseres kleinen Familienurlaubs und ich musste mich wieder auf den gewohnten Alltag vorbereiten ...



Auch wenn es das Ende meines letzten "größeren" Abenteuers hier in Kanada ist, heißt das nicht, dass ich bis zum Ende nichts mehr erleben werde. In meinem letzten Monat in einem fremden Land wird dann und wann doch noch mal was passieren - und dann hört ihr es hier zuerst.

Bis dahin: Stay tuned!

Freitag, 12. Juni 2015

Mit 'nem Wohnmobil durch Kanada! (Teil 2)

Weiter geht es mit dem zweiten Teil meines Familienurlaubs in Kanada!


20. Mai

Wie immer haben wir Morgens Eier, Bacon und Brot gefrühstückt. Auf dem Campingplatz standen diesmal Duschen zur Verfügung, die deutlich bequemer waren als unsere enge Wohnmobildusche. Nach der Abfahrt gegen 11 Uhr sind wir noch mal zurück zur Schleife gefahren, die wir am Vortag besucht hatten. Diesmal gab es leider nicht so viele Tiere zu sehen.
Wir haben am Lake Minnewanka angehalten. Dort konnte man am Strand und weiter oben auf der Straße Bighorn Sheep ("Großhorn-Schafe") beobachten.




 In der Zwischenzeit entdecken wir zwei ganz normale Eltern, die mit ihrem Sohn gassi gehen.



Immer, wenn man denkt, man hätte schon alles gesehen...
Da es so heiß war wollten wir uns zum Schluss alle noch eine Kugel Eis holen, aber darauf haben wir bei einem Preis von jeweils 6$ dann doch verzichtet.
Auf der Weiterfahrt in der Schleife haben wir zwei Französinnen mitgenommen, die zu Fuß unterwegs waren und auf einen Campingplatz wollten, der auf unserem Weg lag.
Danach haben wir Banff verlassen und sind weiter gefahren in Richtung Süden.

Gegen Nachmittag haben wir einen schönen Fluss am Rande eines ziemlich unbefahrenen Highways gefunden, wo wir Mittag essen konnten: Fischstäbchen und Reis.




Nach dem Essen hat uns ein großer Rabe am Tisch besucht, der uns noch für eine ganze Weile mit seinem Hin- und Hergehüpfe unterhalten hat, indem wir ihm die restlichen Fischstäbchen hingeworfen haben.
Danach noch ein kleines Nickerchen, und weiter ging 's.

Den nächsten Stopp haben wir im Ort Radium Hot Springs gemacht, da wir dringend tanken mussten.
Tanken mussten außer uns aber natürlich auch die Schafe bei der Tankstelle gegenüber!



Nicht viel später gab es die zweite Bärensichtung! Diesmal sogar relativ nah an einem Hang an der Straße, Das Dumme war nur, dass sich dieser Hang hinter der Gegenfahrbahn befand, und wir so nicht wirklich hinabschauen konnten. Stehenbleiben war aufgrund der Steinrutschgefahr auch verboten. Ausgerechnet dort! Dumm gelaufen. Aber trotzdem konnten wir immerhin ein besseres Foto machen, als beim letzten mal.




Gegen Abend haben wir uns mal wieder einen Campingplatz gesucht. Der erste war zu teuer und bot außer einem (nicht sehr schönen) Stehplatz nichts. Wir sind weitergefahren und hatten Glück, denn wir fanden nach wenigen Minuten eine Rest Area (Autobahnrastplatz), wo wir kostenlos stehen konnten, einen schönen Platz, ordentliche Toiletten und vor allem unsere Ruhe hatten. da niemand sonst da war. Zum Abendbrot gab es scharfe Italienische Würste und danach wieder einige Kartenspiele.
Mittlerweile war es nicht mehr weit bis zur US-Grenze, so dass die Staaten unser nächstes Ziel waren (wogegen ich mich eigentlich zunächst wegen der bescheuerten Grenzkontrollen entschied).


21. Mai

Nach den üblichen morgentlichen Prozeduren sind wir weiter gefahren in Richtung US-Grenze.
In Cranbrook BC, nicht weit von der Grenze, waren wir in einem Walmart Lebensmittel einkaufen, unter anderem zwei Packungen Eier für die nächsten Tage.
Zwischen Mittag und Nachmittag erreichten wir Eastport ID, wo sich ein Grenzübergang befand.


Mal wieder hat uns ein Grenzbeamter ausgefragt, wer wir sind und warum wir in die Staaten wollen.
Auf letztere Frage habe ich geantwortet, dass meine Familie mal das Gefühl erleben will, ein mal dort gewesen zu sein. Er meinte, ein Tag reicht nicht für das Gefühl.
Nach der Abgabe unserer Pässe haben wir das Wohnmobil abgestellt. Während ich mit meinen Eltern drinnen schon mal die Visa beantragt habe (meines war vom letztem mal immer noch für ein paar Tage gültig), war mein Bruder noch kurz im Wohnmobil, wo eine Beamte unsere Lebensmittel überprüft hat. Es gab eigentlich keine Probleme; abgesehen von den zwei vollen Packungen Eier, die wir frisch gekauft hatten - die mussten weg. Danach haben wir das Ausfüllen des Papierkrams alle zusammen erledigt.

Der Officer war sehr freundlich und hat uns viel geholfen und erklärt. Er hat uns auch anhand eines Plüsch-Elchs den Unterschied zwischen "Elk" und "Moose" erklärt (Moose haben dickere Geweihe und größere Köpfe). 
Auch meine Familie musste wieder sowohl Augen, als auch Finger scannen lassen. Mir blieb das diesmal erspart.

Als nächstes ging es in die Stadt 'Bonner's Ferry'. Man merke an, dass seit der Grenze alles schon deutlich gröber und verwahrloster aussah. Irgendwie nicht so ordentlich, wie in Kanada. Das selbe war uns auch schon während unserer ersten USA-Reise aufgefallen, als wir die Grenze in Detroit überquert haben.





Mittlerweile war es echt ordentlich heiß draußen.
Wir waren zuerst bei der Bank, weil wir natürlich US-Geld brauchten. Danach waren wir einkaufen. Wir wollten etwas Bier kaufen und da ich das Geld hatte, wollte ich natürlich an der Kasse bezahlen. Obwohl meine Eltern neben mir standen, hatte es mir die Kassiererin strengstens verboten, Alkohol zu kaufen (da ich ja erst 19 bin und Alkohol in den Staaten ab 21 ist). Dann hab ich das Geld meinem Vater in die Hand gedrückt und er dann wiederum ihr, und plötzlich war alles gut. Verrückt.

Dann besuchten wir einen "Pawn Shop" (dort kann man gebrauchte Sachen kaufen oder verkaufen), der nebenbei auch ein großes Arsenal an Waffen verkaufte. Auf die Frage, ob denn viele Leute beim Besitzer Waffen kaufen, sagte er, gelangweilt lachend, "Alle".




Im Anschluss waren wir Eis essen in einem Geschäft, das von außen wie ein Eisladen aussah, tatsächlich aber eine totale Dreckbude war. Überall Müll und altes Zeug. Anscheinend lebt dort eine ganze Familie. Die Eltern haben irgendwelche Dokumente ausgefüllt oder Sachen sortiert und die Kinder haben irgendwas gemalt oder gestrickt, und uns schließlich das Eis verkauft. Nett waren die Leute aber trotzdem und sie haben uns Tipps gegeben, wo wir als nächstes hinfahren/übernachten könnten.

Wir haben deren Ratschläge befolgt und wir sind schnell an einen schönen Fluss gekommen, wo wir hätten übernachten können. Leider hatten schon einige Jugendliche (schätzungsweise alle so zwischen 15 und 17 Jahren) den Platz für sich beansprucht. Als wir dann gewendet haben und weiterfahren wollten, hatte einer der Jungs in der einen Hand ein Bier, während er mit der anderen mit einem Sturmgewehr in der Luft rumfuchtelte (kein Witz). 'murica, land of the free! Da fragt man sich doch: Warum dürfen die schon mit 16 Waffen tragen und Auto fahren, aber Bier ist ab 21?!
Na, jedenfalls haben wir das als ein deutliches Zeichen verstanden und sind schleunigst weitergefahren.

Eine ganze Weile waren wir noch unterwegs, bis wir endlich einen Campingplatz in der Nähe vom Ort Sandpoint ID gefunden haben. Durch die vorigen Ausgaben hatten wir nur noch 26 USD und wir hatten Glück, denn der Campingplatz kostete "nur" 25 USD. Aber wir konnten dafür wieder Strom und Wasser tanken und Abwasser ablassen, außerdem wir hatten sogar W-Lan.


22. Mai

Wir haben lange ausgeschlafen. Das gute war, wir hatten schon wieder eine Zeitzone durchquert. Die eine Stunde, die uns irgendwo zwischen Revelstoke und Banff abgezogen wurde, weil wir die Uhren vorstellen mussten, haben wir nun wiederbekommen.
Auf unserer Weiterfahrt merkten wir, wie schäbig eigentlich die ganze Gegend so ist. Die Städte oder Dörfer waren zwar alle irgendwie bewohnt, aber man sah kaum Menschen. Überall lag Müll und Schrott rum (vor allem extrem viele verrostete Autos).

Wir haben uns auf den Rückweg nach Kanada gemacht und Nachmittags in der "Stadt" Metaline Falls Halt gemacht. Eine Stadt wie aus einem Horrorfilm.



Die Stadt hat rund 300 Einwohner. Gesehen haben wir davon aber fast keine. Wir hatten erst gedacht, die Stadt ist ein Witz. Die Hauptstraße, die man auf beiden Bildern sieht, war menschenleer. Die meisten Geschäfte oder Wohnhäuser sind von innen zugewuchert und vor allem zugemüllt.
Tatsächlich gab es aber einen Markt, ein Restaurant, in dem wir gegessen haben; ein Hotel und sogar ein Kino (das ebenfalls total verkommen aussah, aber einen aktuellen Kinofilm zeigte), eine Post und ein Theater.
Anscheinend wurde hier früher mal viel Bergbau betrieben, so dass damals viel los war, und aus unerklärlichen Gründen hat man wohl bis heute viele Gebäude hier weiter betrieben (Ernsthaft, wer braucht ein Kino oder eine Post bei 300 Einwohnern? Gardelegen hat beides nicht, nicht wirklich).
Das Hotel, das ich erwähnt habe, sah ebenfalls ziemlich verfallen aus. Eingeschlagene Scheiben und Gestrüpp, das in den Zimmern wächst. Trotzdem war es geöffnet und es stand jemand drinnen.


Am Ende der Straße (auf dem ersten Bild) gab es sogar eine Art Info-Center, ein ausgemusterter Waggon auf einer Grünfläche, die immernoch sehr gut gepflegt wurde.
"Wenn wir jetzt noch einen Motorschaden haben und hierbleiben müssen, war 's das", haben wir uns gedacht.

Zum Glück konnten wir ohne Probleme noch mal zurück zur vorigen Stadt fahren, um voll zu Tanken. Außerdem haben wir dort eine schicke Corvette gesehen, in die wir uns sogar reinsetzen durften.


Von da aus war die Grenze nicht mehr weit. Der Grenzübergang war relativ unspektakulär. der Beamte hat uns wieder gefragt, wo wir hinwollen und ob wir Alkohol in den Staaten gekauft haben.
Wir hatten zuvor auch wieder Eier gekauft, aber danach wurde diesmal zum Glück nicht gefragt.
Interessant war, wie der erste Ort, den wir in Kanada erreichten, sofort wieder total ordentlich und zivilisiert aussah. 
Unsere Nacht haben wir dann auf einem Campingplatz in der Nähe der Stadt Nelson verbracht.


Uuuund, das war noch nicht alles - weiter geht 's demnächst mit dem dritten Teil!

Montag, 8. Juni 2015

Mit 'nem Wohnmobil durch Kanada! (Teil 1)

Hallo!
Ja, bin immer noch in Kanada. Solange es nichts Neues gibt, muss ich den Blog leider immer etwas vernachlässigen. In den letzten Tagen kam außerdem noch ein Mix aus Unlust und viel Arbeit dazu. Dafür hatte ich aber vom 16. bis zum 26. Mai Besuch, und zwar von meiner Familie. Deshalb gibt es diesmal wieder Unmengen an Erlebnissen, von denen ich berichten kann - und diesmal habe ich sogar Notizen dazu. Denn ohne hätte ich die Hälfte jetzt schon wieder vergessen.
Der Übersicht wegen werde ich unsere Reise mal etwas gliedern.

16. Mai

Am 15. und 16. hatte ich endlich mal wieder frei. Die zehn Tage davor hatte ich nämlich durchgehend gearbeitet. Meine Familie war bereits am 15. gelandet. So konnten sie dann (relativ) entspannt am nächsten Tag um 11 Uhr zum Wohnmobilverleih fahren, sich alles erklären lassen und dann rund 450 km bis nach Vernon düsen. Gerechnet hatte ich eigentlich mit ihnen um etwa 18 Uhr, allerdings waren sie schließlich erst nach 20 Uhr da, so dass ich doch irgendwann etwas ungeduldig wurde und alle paar Minuten aus dem Fenster sah. Nach einer langen Begrüßung (nach immerhin etwa 8 Monaten) sind wir schnell noch mal nach Vernon gefahren, um uns mit Lebensmitteln für die Nacht und den nächsten Morgen einzudecken, und danach wieder zurück. Nachdem ich es mir gefühlt beim halben Hotel habe bestätigen lassen (zum Beispiel bei den Hausmeistern, bei der Rezeption, bei den Personal-Managern...) konnte ich einen Stehplatz für das Wohnmobil nahe des Hotels sichern - auf einer Art Baustelle, wo diverse Baumaterialien und ähnliches rumlagen. Außerdem ist einer der Hausmeister nachts noch öfters mit seinem kleinen Gabelstapler dort rumgefahren. Aber immerhin hatten wir einen kostenlosen Übernacht-Parkplatz, die, wie sich später rausstellte, sehr rar in Kanada sind [Tommy und ich haben ja auch öfters etwas "riskanter" geparkt, allerdings ist das mit einem Minivan ja auch etwas unkomplizierter als mit einem Wohnmobil].
In der Nacht hat es angefangen, zu regnen. In den sechs Wochen, die ich hier gearbeitet habe, hat es vielleicht zwei oder drei mal geregnet - toll.

Unser Rastplatz über Nacht.


17. Mai

Am nächsten Morgen haben wir gefrühstückt. Danach haben wir meine restlichen Sachen eingeladen und sind noch etwas rumgewandert. Wir haben es aber dabei belassen, uns nur das Hotel anzusehen und einen ca. 1 km langen Wanderweg um das Hotel herum zu nehmen. Es hatte ja immer noch geregnet. Zwischen 11 und 12 Uhr ging es wieder nach Vernon, wo wir uns noch mal Lebensmittel für die nächsten Tage besorgt haben. Dabei waren unter anderem fette 30$-Rindersteaks für den Abend. Danach hab ich meine Navigations-App angemacht (ein echter Lebensretter seit ich in Kanada bin) und los ging 's.
Wieder auf der Straße!

Das erste Ziel war Revelstoke. In der Nähe haben wir gegen Abend einen Campingplatz gesucht. Anmelden mussten wir uns selbst mit einem kleinen Briefumschlag, in den man das nötige Geld legt (25$) und einige persönliche Informationen aufschreibt. Feuerholz gab es nur von der Platzverwaltung für 7$. Welches aus dem Wald zu nehmen war verboten. Und da denkt man immer, es gibt genug Bäume in Kanada...


So wie es dunkel wurde haben wir dann den Grill angemacht und die guten Steaks raufgelegt.




Die Steaks waren echt richtig gut und völlig ihren Preis wert, wie ich finde. Nur mit Peffer und Salz gewürzt waren sie am Ende saftig genug, um ohne irgendeine Soße oder Beilage gegessen zu werden.
Als das Feuer aus war, sind wir alle ins Bett gegangen.


18. Mai

Aufgestanden sind wir gegen 9. Zum Frühstück gab es Bacon, Rührei und belegtes Brot.
Gegen 11 ging es dann weiter in Richtung Banff. Das Tagesziel sollte der Yoho National Park sein.
Zwischendurch haben wir an heißen Quellen angehalten. Zwar wurde das Wasser in normale Schwimmbecken umgefüllt, aber trotzdem war es natürlich geheiztes Wasser, je ein Becken mit 32°C und 40°C. Besonders interessant war allerdings die Tatsache, dass diese Becken von Schneebergen umgeben waren.


Später haben wir (Nach-)Mittagspause bei einem McDonald's gemacht. Unter anderem, um das nächste Ziel zu suchen (dank wie immer kostenlosem W-Lan).






Gegen Abend erreichten wir dann den Kicking Horse River im Yoho National Park.




Danach ging es etwa eine Viertelstunde weiter zum Emerald Lake, der dem Namen wohl seiner Farbe verdankt ("Smaragd-See"). Da sich die Sonne zu dem Zeitpunkt schon hinter den Bergen verkrochen hatte, war davon leider nicht mehr viel zu sehen. Uns ist aufgefallen, dass auf dem Seeboden überall tote Bäume lagen und außerdem keine Fische zu sehen waren. Vielleicht ist das Wasser einfach zu sauber für Fische?


Da es kalt und dunkel wurde sind wir wieder zurück zum Fluss gefahren, da dort ein ausreichend großer Parkplatz war, auch, wenn das Parken dort vielleicht nicht ganz so erlaubt war, da wir einen Nationalpark-Pass gebraucht hätten. Aber wer kontrolliert schon irgendwo in der Einöde?
Wir haben Reste gegessen und bis spät in die Nacht Karten gespielt. 

19. Mai

Während es tagsüber fast schon sommerliche Temperaturen waren, war es in der Nacht echt richtig kalt geworden. Wir hatten zwei Glasflaschen rausgestellt, die wir im Tiefkühlfach gelagert hatten, und sie waren am Morgen immer noch gefroren. Wir haben das Auto vom Schatten in die Sonne umgeparkt, um etwas aufzutauen. Leider waren dann auch schon Reisebusse zur Stelle, aus denen Asiaten kamen und aus auffälliger Nähe in unser Wohnmobil hineinschauten. Wahrscheinlich ist einfach aufgefallen, dass wir deutsche Touristen sind. Daher haben wir uns auch nicht lange dort aufgehalten und sind früh weitergefahren.


Als Nächstes haben wir am Lake Louise halt gemacht, einer weiteren berühmten Touristen-Attraktion. Leider war der zu diesem Zeitpunkt noch immer zum Teil gefroren.



Auf dem zweiten Foto rechts verläuft ein Wanderweg entlang des Berges, den wir für je 2 Kilometer hin und zurück gefolgt sind, bis wir auf einen gefrorenen Wasserfall gestoßen sind.



Mein Bruder und ich sind gute 100 Meter bei einer Steigung von rund 45° hochgeklettert, um den Wasserfall zu erreichen. Zur Erischung konnte man gefrorenes Quellwasser trinken, beziehungsweise lutschen. Danach ging es gaaaaanz langsam wieder herunter, um nicht die Express-Route mit dem Geröll zu nehmen.

Wieder am Wohnmobil angekommen, ging es dann weiter nach Banff. Unterwegs haben wir kurz an der Straße gestoppt, weil wir einige Rehe ganz gut fotografieren konnten (die sich später übrigens als sehr langweilig herausgestellt haben, weil es davon so viele gibt).


Kurz vor Banff haben wir dann an einer Art See/Tümpel Mittag gegessen: Brot und Hamburger.
Banff selbst ist gar nicht so groß und überfüllt, wie wir gedacht hatten. In der Innenstadt konnten wir gemütlich parken und einkaufen gehen. Außerden haben wir eine Touristen-Informationsstelle aufgesucht, um herauszufinden, wo gute Campingplatze sind und wo man vielleicht einige Tiere beobachten kann. Wir wurden sehr gut beraten, denn für beide kannte die Angestellte die perfekten Bereiche in Banff.

Zunächst haben wir eine Schleife durch einen Wald befahren. Als erstes sind uns die hier begegnet, die total ungestört (obwohl überall Leute in ihren Autos angehalten haben) am Straßenrand entlang geschlendert sind:




Danach kam für eine Weile nichts Interessantes mehr. Wir sind weitergefahren, bis wir den Two-Jack Lake erreicht haben.





Das Wasser ist übrigens problemlos trinkbar.




Dann sind wir auf diese kleinen Kerlchen gestoßen:








Obwohl dieser See wohl weniger bekannt ist, fande ich ihn deutlich schöner, als die anderen, bekannteren Seen. Der Rastplatz am See war sehr schön hergerichtet und es war auch kaum was los. Neben dem Ausblick waren natürlich auch diese witzigen Hörnchen - wir vermuten, es sind "Ziesel" - ein Highlight, weil die ein sehr gutes Beispiel dafür waren, wie nah man der Natur und den wilden Tieren eigentlich kommen kann. In Deutschland sieht man beispielsweise normalerweise so gut wie nie ein Reh. Hier dagegen sieht man am Tag gleich mehrere. Auch neulich waren wieder einige auf dem Parkplatz vor meinem Wohnhaus, die sich nicht dadurch stören lassen haben, dass ich mit ein paar Metern Abstand an ihnen vorbei ging.

Nach fast einer Stunde haben wir uns dann wieder auf den Weg gemacht. Auch danach haben wir wieder diverse Rehe gesehen. 
Kurz vor Ende der Strecke, als wir es am wenigsten erwarteten, kam dann doch noch einer...


... ein Schwarzbär! Leider waren wir ihm wohl auch nicht ganz geheuer, als wir angehalten hatten, deswegen hat er sich schnell aus dem Staub gemacht. Gute Fotos konnten wir von ihm deshalb nicht schießen. Ihn zu verfolgen war aus sicher nachvollziehbaren Gründen auch nicht drin, auch, wenn er viel kleiner war, als wir gedacht hatten.
Allerdings sollte das nicht unsere letzte Bärenbegegnung bleiben...

Am Ende haben wir dann auf einem großen Campingplatz in Banff übernachtet, wo wir mal wieder die Gelegenheit hatten, Frischwasser aufzufüllen, Dreckwasser abzulassen (beides reichte in der Regel nur für höchstens 2-3 Nächte) und Strom zu tanken - dummerweise hatte das Wohnmobil keinen Generator, so dass wir unsere wichtigsten Geräte (wie zum Beispiel mein Handy zwecks Navigation) nicht ohne Stromanschluss aufladen konnten.


Dies wäre der erste Teil unserer gemeinsamen Reise.
Fortsetzung folgt!