Samstag, 25. Oktober 2014

Nenn mich Bubbles, Darling. Alle machen das.

Kleine Aktualisierung weiter unten :)

Mal zwischendurch ein Update über unsere momentane Arbeit hier.
In letzter Zeit kriegen wir öfters mal kleine und große "besondere Aufgaben". So wollte beispielsweise der Handwerker/Elektriker/Maler/Was-auch-immer-er-noch-macht einen bestimmten Lohn für das Untergeschoss haben und dann für die oberen Stockwerke, die schätzungsweise deutlich weniger zu streichende Flächen besitzen, die selbe Bezahlung. Martin hat dann alles ausgemessen. Tatsächlich waren es oben etwa 150m² weniger Wand- und Deckenfläche. Stattdessen hat nun Martin größtenteils das Streichen übernommen. Zwischendurch waren auch Tommy und ich mal für einen Tag dran.
Ich musste neulich ein 1,50m tiefes Loch graben, damit die Elektriker dort einen Stütz-Anker für einen Strommast einbuddeln konnten. Da das Loch dazu auch noch möglichst schmal sein sollte (auf Bodenhöhe waren es etwa 30cm Durchmesser), hab ich über den Verlauf von zwei Arbeitstagen etwas über 1,40m geschafft, was anscheinend gereicht hat. Zum Glück, denn danach ging wirklich gar nichts mehr. Unsere besonderen Aufgaben sind also nicht immer ganz so cool.

Dann sollten wir heute - wie jeden Tag - Unmengen an Laub zusammenharken und dann entweder zum Komposthaufen bringen oder verbrennen, je nach Lage. Die Blätter waren zwar nass, aber von innen vertrocknet. Da wir Deutschen ja allgemein gut darin sind, Feuer zu machen, hätte es theoretisch gereicht, einen Laubhaufen mittels Papier oder notfalls ein paar Tropfen Benzin
anzuzünden, das Wasser wäre (bzw. ist) dann also einfach verdampft. Doch Don, der Pyromane, hatte mich vorher losgeschickt, einen Kanister Benzin von der privaten Tankstelle der Farm zu holen. Ich hatte eigentlich gedacht, dass er den für das Laubgebläse brauch - stattdessen kippte er einfach einen Liter davon auf die Laubhaufen und zündete sie dann an. Der Knall jeweils danach war nicht schlecht und man hörte sie teilweise sogar bis ans andere Ende des Grundstücks. Hat zwar funktioniert, denn die meisten Blätter wurden durch die Explosionen einfach komplett zerfetzt, ist aber natürlich leicht übertrieben.

Haste ma Feuer? Also wir ham.

Da wir zum Mittag (wie immer) nur die Auswahl zwischen Nudeln oder Reis und Eiern und Käse als Beilage hatten, hat Martin ein paar Zutaten zusammengesucht und Pfannkuchen gemacht. Eine sehr gute Abwechslung. Außerdem haben sie genau wie die von Mutti geschmeckt. Nachmittags ging es dann weiter mit dem Laub (allerdings weniger Actionreich). Später, vor dem Aufräumen der Baustelle, haben wir endlich mal die Seilbahn mit dem Reifen probiert und sind ein wenig im Gras herumgerollt. Videos dazu vielleicht später ;)

Mal nebenbei noch ein Beispiel von der übertriebenen Nettigkeit der Kanadier: Gestern waren wir wieder einkaufen. Martin hatte den Einkaufswagen und ist ausversehen von hinten gegen eine Frau gefahren, während er weggesehen hat. Die Frau hat sich umgedreht und meinte "I'm sorry". So nach dem Motto: "Aua! Tut mir Leid, dass ich im weg stehe."





Zu guter Letzt will ich noch mal auf Bubbles eingehen. Wir sind hier ja nun schon über vier Wochen und ich muss sagen, dass sich dieser Hund seitdem am meisten verändert hat. Das merkwürdige Krächzen und Röcheln kommt anscheinend daher, dass Zoey (die fiese, große, schwarze Hündin) Bubbles ein mal in den Hals gebissen hat. Dann sind Bubbles' Augen wahrscheinlich nicht mehr so gut, was erklärt, warum sie sehr oft erst mal bellt, wenn jemand die Haustür aufmacht oder sonst irgendwie draußen Lärm verursacht. Noch dazu wurde sie angeblich mal mit einem Schuh geschlagen, deshalb hat sie es wahrscheinlich bisher auch vermieden, sich von uns streicheln zu lassen. Die Jüngste ist sie auch nicht mehr. Bubbles hat also schon eine ganze Menge hinter sich.

Aber in letzter Zeit bellt sie viel seltener, wenn wir kommen, sondern macht eher einen freudigen Eindruck. Sie lässt sich außerdem viel mehr streicheln und springt einem sogar manchmal auf den Schoß, und es scheint so, als käme sie dann auch endlich mal zur Ruhe (vorher konnten wir nie beobachten, dass sie mal schläft oder sich wenigstens hinlegt). Bubbles scheint mittlerweile viel zufriedener zu sein, als zu unserer Ankunft und wir kommen immer besser mit ihr aus. Auch, wenn wir nicht mit allem hier einverstanden und glücklich sind; es tut gut, wenn man sieht, dass man hier etwas bewirkt hat.


Also dann, ciao!

Montag, 13. Oktober 2014

Wuhu! Action!

NACHTRAG: 14. Oktober 2014, 00:33 Uhr (UTC+01:00)

How are ya doin'?
Hier auf der Farm gibt es eigentlich reichlich Möglichkeiten, Spaß zu haben. Abgesehen von den Spielen (Airhockey, Billard, Monopoly) in der großen Halle, dem Baden im Pool oder eine große Runde auf dem Grundstück joggen, gibt es hier auch eine Menge Motorräder, ein Quadbike und zwei Buggies (Einzahl 'Buggy'), die schätzungsweise an die 40 km/h schaffen. Hier gibt es viele Kurven und bei permanentem Vollgas brauch man fast drei Minuten für eine Runde auf dem Grundstück. Da könnten wir jeden Tag mit fahren! Ansonsten dürfen wir auch während der Arbeit mit dem Traktor oder dem Pickup rumfahren. Der Buggy ist besonders praktisch, wenn man mal schnell irgendwo einen Zaun am anderen Ende des Grundstücks reparieren muss und dementsprechend kaum Werkzeug brauch.


Gestern hatten wir alle unseren freien Tag für diese Woche eingelöst und sind noch mal zu den Niagara-Fällen gefahren. Eigentlich war Lara die Einzige, die die Fälle noch nicht gesehen hat, aber da wir auf der Farm sowieso nur rumgegammelt hätten, sind wir selbstverständlich trotzdem mitgekommen. Abgesehen von den Wasserfällen selbst gibt es in der anliegenden Stadt auf der kanadischen Seite des Flusses noch einiges zu sehen. Kurz nach 12 Uhr sind wir mit Axel (einer unserer Chefs hier) losgefahren und waren dann so gegen 2 da. Als erstes sind wir natürlich zum Fluss gegangen. Nach über einer Stunde Spaziergang haben dann Lara und Tommy noch mal eine Runde mit dem Boot gedreht (kostet 22 CAD), während der Rest ein bisschen durch die Stadt geschlendert ist. Schließlich hatten wir die Tour schon gemacht. Ich war mit Martin bei Wendy's und hab mir "The Baconator" gegönnt, ein Burger mit je zwei Schichten Beef und Bacon. Typischer Ami-Fraß, der wahrscheinlich den Fettbedarf für einen Monat deckt, war aber trotzdem ziemlich gut. Allerdings immer noch nicht vergleichbar mit dem im 'Amsterdam Brewhouse' in Toronto. Axel war mit Alena im Starbucks, seiner "Kirche", wie er sagt.

Danach sind wir in ein Tim Horton's (gosh, noch ein Restaurant), wo uns Axel einen ausgegeben hat. Im Laden gegenüber haben wir uns dann eine Karte gekauft, mit der man fünf verschiedene Spiele spielen konnte: Lazer Tag, Lazer Maze, Cannon Blasters, Time Freak und Mini Putt. Laser Tag ist quasi der kleine Bruder vom Paintball, wobei man mit kleinen Laserpistolen die Ziele auf den Anzügen der Gegner treffen muss. Sehr cool, aber mit der Zeit extrem anstrengend. Und: wir konnten Axel dazu überreden, mitzumachen. Er war besser als ich :O
Beim Lazer Maze muss man in einer bestimmten Zeit einen Knopf erreichen, während man sich um Laserstrahlen schlängelt. Das Ziel bei Cannon Blaster ist es, mit einer Druckluftkanone und Stoffbällen Zielscheiben auf der gegnerischen Seite zu treffen. Wegen unserer ungeraden Anzahl haben wir uns darauf geeinigt, dass ich und Tommy gegen Martin spielen. Auf Martin zu schießen war allerdings hundertmal witziger, auch wenn wir 30 zu 400 (oder so) verloren haben. Beim Time Freak schließlich war man in einem Raum umgeben von Knöpfen, wobei zufällig immer genau einer von denen geleuchtet hatte, den man dann drücken musste, um Punkte zu bekommen. Das ging dann 60 Sekunden lang gegen jeweils einen anderen Spieler. Am Ende waren wir ziemlich fertig und auf Miniputt hatte dann keiner mehr Lust.

Nach einer kurzen Pause in Tim Horton's sind wir ein letztes mal die Einkaufsstraße entlang gebummelt, bis es dann schließlich fast 20 Uhr war. Zu der Zeit ist es bereits dunkel und unter den Wasserfällen werden bunte Lichter eingeschaltet. Genau wie der Anblick bei Tag auch sehr schön. Zwischendurch gings noch mal in einen Metro Store - Pepsi FTW! Rund 8 Liter (24 Dosen) kosten umgerechnet 4,50€, was hier billiger als Wasser ist - und danach zurück zur Farm. Da war es auch schon halb 11 und der Tag damit vorbei.
Nebenbei, da wir (bzw. ich) ein wenig faul waren, haben wir noch keine neue Anlaufstelle nach der Farm gefunden. Deswegen haben wir mit u.A. mit Axel ausgemacht, dass wir bis zum 30. Oktober bleiben können. Da dann auch schon bald Halloween und mein Geburtstag sind und wir die Zeit nicht in einem Zug oder Bus verbringen wollen, bleiben wir die paar Tage noch in der Nähe und besuchen vielleicht noch mal Toronto. Danach - wenn alles klappt - gehts hoffentlich ins 3600km entfernte Fairmont in British Columbia. Genaueres zu unserer Planung kommt dann später.

Happy Thanksgiving, übrigens ;) Leider sind wir auf einer deutschen Farm mit einer philippinischen Köchin. Richtig gefeiert wird der Tag hier also nicht, dementsprechend gibt es auch kein cooles Festessen und arbeiten mussten wir trotzdem. Schade eigentlich.

Zum Schluss gibts noch mal ein paar Bilder. Viel Spaß ;)

What...

Alena, Lara, Tommy, Ich, Martin.

Deswegen hab ich die Bootstour nicht noch mal gemacht.





Winchester (Winny) ist der vordere, Zoey dahinter.
Das Foto hat übrigens Tommy gemacht.

Musste heut ein paar Bäumchen umhauen. Um die Klischees zu bedienen, lass ich das einfach mal so im Raum stehen ;)

Tschüss!





Freitag, 10. Oktober 2014

Und sonst?

Hier passiert zwar nicht viel, aber ein bisschen Neues kann ich dann doch noch zusammenkratzen. Montag und Dienstag sind zwei neue Backpacker gekommen: Alena, die kümmert sich jetzt zusammen mit Lara um die Pferde (wobei das jetzt eigentlich schon genug Leute tun, das heißt sie sind früher fertig und helfen uns manchmal dabei, die Baustelle sauber zu machen, was wir natürlich sehr begrüßen). Allerdings verlässt dafür Lara in ein paar Tagen die Farm. Dann ist da noch Martin, der uns nun mit dem Außenbereich hilft. Noch dazu kann er ganz gut kochen. Er hat uns aus simplen Zutaten ganz ordentliches Essen gezaubert. Was das Kochen angeht, am Willen hat es bis jetzt nicht gelegen, es gibt nur keine guten Zutaten. Meistens gibt es trockenen Reis oder Nudeln, oft nur mit Gemüse oder ein bisschen Fleisch dazu. Selten auch mal Soße. Über eine gelegentliche Dose Pepsi und dazu Tortillas oder Kekse freut man sich deshalb ganz besonders.

Heute sind wir endlich mit dem Pflanzen der Hecken fertig geworden - 750 Stück. Jedes einzelne Loch haben wir eigenhändig gegraben und bepflanzt. Eigentlich wurde dafür eine Maschine bestellt, ein sogenannter "Trench Digger" ("Graben-Gräber"), aber trotz ausführlicher Anleitung war das Ding unbedienbar. Leider war der Boden steinhart und manche Stellen tatsächlich sogar aus Stein.
Ansonsten gibt es hier nicht mehr so viel zu tun. Das Rasenmähen hat sich bald erledigt, dafür werden wir demnächst sehr viele Blätter harken müssen. Natürlich müssen wir nach wie vor die Baustelle saubermachen, diesmal auch die oberen Stockwerke. Wenn nur die Bauarbeiter nicht wären... Nach 2 Wochen sind die so weit, dass sie nach der Arbeit zumindest ihren Arbeitsbereich saubermachen. Dafür lassen die einfach überall ihren privaten Müll rumstehen, also Kaffebecher von Tim Hortons (meistens halbvoll) oder Donut-/Burgerpackungen. In Deutschland würde man das sicher nicht so machen - zumal die auch wissen, dass wir da jeden Tag komplett saubermachen müssen. Dann verteilen die jedes Mal die Mülleimer, Besen und Kehrbleche, so dass wir erst nach 10 Minuten fragen und suchen anfangen können. Darüber könnten wir uns immer wieder grün und blau ärgern. Und der größte Witz ist ja, dass gestern in unserem Zimmer ein Elektriker die Wand aufgerissen hat, um einen Lüftungsschacht zu bauen (unser Zimmer ist bautechnisch noch nicht mal fertig). Den ganzen Müll, der dabei enstanden ist, hat er natürlich nicht weggeräumt, geschweige denn zusammengefegt. In einem fremden, sichtbar bewohnten Zimmer. Man, man, man.


Immerhin der Tischler, Tim, ist ganz gut drauf. Er kennt passenderweise nur zwei deutsche Wörter, nämlich "kaputt" und "sch##ße". Und so, liebe Kinder, sieht das aus, wenn man nicht mit dem metrischen System arbeitet. Das sind Tims Notizen:


Das hier ist übrigens Bubbles.
Eigentlich hat jeder der Hunde hier einen Schaden: Winchester ist zwar lebenslustig und freundlich zu allen, hört aber kein bisschen. Zoey ist hier mit Abstand die größte Hündin, hat aber vor alles und jedem Angst und knurrt jeden an, der ihr 5m zu nahe kommt. Fritz ist lieb, aber als Wachhund total nutzlos. Wenn Fritz jemanden sieht, rennt er bellend auf denjenigen zu und hört sofort auf, wenn man ihm die Hand hinhält. Dann gibt es noch Princess, die Menschen gegenüber mal so, mal so drauf ist. Dann sind da Rocky und Mariechen, zwei weiße Terrier, die zwar eigentlich ganz cool sind, aber stinken wie ein Paar Socken auf Beinen.

Rocky.

Ja, aber Bubbles, die ist noch mal eine ganz andere Nummer. Sie begrüßt uns jeden Morgen mit einem ohrenbetäubenden Bellen, und wird nur ruhig, wenn man lauter brüllt als sie. Bubbles rastet jedes mal aus und bellt, wenn sie einen anderen Hund in der Nähe hört oder sieht (egal, ob sie sich mit ihm verträgt); beim Essen bettelt sie ständig und wenn jemand in die Küche geht, kommt sie hinterher und steht dann nur im Weg. Und wenn man sie streichelt, rennt sie entweder schnell weg oder rollt sich auf dem Boden und grunzt wie eine tollwütige Hyäne. Immerhin wird es mit den Hunden hier nie langweilig.

Das wär's dann wieder. See ya!