Warme Weihnachten
Nicht nur draußen, sondern auch warm ums Gemüt.
Der Weihnachtsmorgen hatte schon mit 5°C und tierischem Regen begonnen. Klatschnass im Babel-Büro angekommen durfte ich es mir erst mal gemütlich machen. Wir wurden auch sehr bald vor die Wahl gestellt, entweder bis um 1 (nach der Mittagspause) zu arbeiten, oder bis 17:30 Uhr. Mein Team war sich schnell einig: "Nee, keinen Bock heute". Von 9 bis 13 Uhr haben wir im Prinzip auch nicht viel gemacht. Zwei Stunden mussten wir auf unsere Aufgaben warten. Neu war diesmal Audio-Testing, wobei wir uns nur Gesprochenen Text angehört und mit dem Geschriebenen in einer Liste (im Spiel dann die Untertitel) verglichen und nacheinander abgehakt haben, was nach zweifachem Prüfen nur eine Stunde gedauert hat. Die nächste Stunde haben wir dann im Prinzip auch nur rumgesessen. Zum Abschied gab es noch "Kurze" und für mein Team wurde sogar Pizza bestellt. Nice.
Bei selbem Wetter ging es dann wieder nach Hause. Tommy, Gothi und Philipp hatten schon ein paar Einkäufe erledigt und kurz nach meiner Ankunft zu Hause schon alles besorgt, bis auf ein paar Kleinigkeiten.
Von unserem Vermieter Francis haben wir noch eine Kiste Schmuck für den Baum bekommen, der nicht der schönste war, aber immerhin etwas. Lara und Anna sind dann zwischen 20 und 20:30 Uhr eingetrudelt. Bis dahin hatten wir noch reichlich sauberzumachen und gegen 19 mussten wir natürlich auch das Essen vorbereiten. Womit wir leider bis nach 22 Uhr beschäftigt waren. Gothi hatte mit der Nachspeise, einem Schokokuchen mit Zartbitterschokolade angefangen. Zur Hauptspeise haben wir dann Lachs mariniert. Dazu gab es eine Sahnesoße mit Zitrone und Reis. Außerdem gab es für die Vegetarier Bohnen, wobei wir die restlichen Bohnen in Bacon-Streifen eingewickelt haben (was übersetzt Speck heißt, aber eigentlich nicht so wie typischer Speck schmeckt). Nur Bohnen hätten auch gereicht, aber wie oft gönnt man sich schon mal Fleisch hier in Kanada? Als Vorspeise diente etwas Bruschetta.
Insgesamt war das Essen so umfangreich, dass für die Nachspeise erstmal keinen Platz mehr war - sondern erst am nächsten Nachmittag.
Ansonsten war das Fest nicht wirklich weihnachtlich. Statt Weihnachtsliedern lief dann Rock, Pop, Techno und Elektro und statt einer ruhigen Gesprächsrunde ging die Post ab, sozusagen.
Am 25. Dezember haben wir nur eine leichte Mahlzeit gegessen. Zur Sicherheit. Reste waren sowieso nicht mehr wirklich übrig. In der Eile haben wir nämlich über Nacht die Fischreste offen stehen lassen, also haben sie am nächsten Tag nicht mehr so gut gerochen. Sonst haben wir nicht viel gemacht. Gegen Mittag hatte Francis vorbeigeschaut und wir haben außgemacht, dass wir die Wohnung außerhalb von Airbnb buchen, weil sie anscheinend ziemlich zufrieden mit uns waren. Das hat zur Folge, dass wir statt 1850$/Monat nur noch rund 1600$/Monat bezahlen müssen. Im Laufe des Tages haben wir uns alle irgendwann im Wohnzimmer eingefunden und 'Kevin allein zu Haus' und irgendwelche Youtube-Videos angeschaut.
Am 26. ging es allen wieder besser, sodass wir noch mal die Chance ergriffen und angestoßen haben.
Auch hier ist sonst wieder nicht viel passiert. Lara ist am 26. und Anna heute gegangen. Philipp ist also noch hier, aber im Prinzip ist unser üblicher Tagesrhythmus eingetreten.
Insgesamt also waren unsere Festtage nachvollziehbar... anders. Immerhin konnten wir noch ein Fünkchen Kultur in die Party einbauen und so das Heimweh halbwegs vermeiden. Nichtsdestotrotz freu ich mich schon auf Weihnachten nächstes Jahr daheim.
Fürs Erste soll das auch reichen. Das nächste Mal werde ich wahrscheinlich wieder im neuen Jahr berichten.
Bis dahin wünsch ich euch noch angenehme Festtage!
Sonntag, 28. Dezember 2014
Mittwoch, 24. Dezember 2014
Nur Kohle dieses Jahr
Tja, nun ist es soweit. Weihnachten steht vor der Tür. In den letzten Tagen habe ich mich öfters gefragt, wie das hier in Kanada ablaufen wird. Werden wir zu Hause sein? Feiern wir Weihnachten zusammen mit Anderen? Schenken wir uns was? Natürlich war klar, dass es nicht wie daheim in Deutschland sein wird. Vieles ist in Kanada eben anders, und ab und an vermisst man doch die ein oder andere Tradition.
Doch wie sagt man so schön? Wenn das Leben dir Kartoffeln schenkt, mach Kartoffelbrei daraus. Und leg noch eine Bratwurst dazu. Oder so.
Jedenfalls muss man unter diesen besonderen Umständen umdenken. Seit wir hier sind haben wir uns überlegt, wie wir denn nun Weihnachten feiern können und nach etlichen verworfenen Ideen haben wir den Entschluss gefasst, 'Christmas' mal anders zu erleben und ein paar bekannte Gesichter einzuladen: Anna und Philipp, die wir ganz zu Anfang unserer Reise im Hostel getroffen haben, und Lara.
Morgen früh werde ich noch mal bis 17:30 Uhr arbeiten müssen. In der Zwischenzeit werden (zum Glück) Tommy, Philipp, der heute schon angekommen ist, und Gothi einkaufen gehen und ein paar letzte Besorgungen machen - natürlich Essen, Getränke, Schmuck und etwas zum Anstoßen, versteht sich. Einen Weihnachtsbaum haben wir mittlerweile bekommen - einen großen für 90$, der immerhin bis zur Decke reicht. Einen kleinen hätte man schon für 30-40$ bekommen, aber das wäre es nicht wert gewesen. Während ich auf der Suche nach einer Bank war, die auch außerhalb meiner Arbeitszeiten geöffnet hat und nach drei geschlossenen Banken in der Innenstadt keine Lust mehr hatte, haben Gothi und Tommy mit unserem Vermieter, Francis, der freundlicherweise seine Hilfe und sein Auto angeboten hat, den Baum abgeholt. Dafür haben wir ihm heute eine gute Flasche französischen Wein und deutsche Kekse geschenkt, worüber er sich tierisch gefreut hat.
Fürs Abendessen haben Gothi und ich schon seit längerem Lachs und Reis geplant. Nach einigem hin und her machen wir nun ein paar verschiedene Gerichte, da Vorschläge wie Pommes oder Tiefkühlpizza aufkamen. Das ist zwar ein sehr ungewöhnliches Weihnachten, aber Pizza kommt uns nicht in die Tüte ;)
Schenken werden wir uns nichts. Erstens, weil einfach niemand von uns Ahnung hat, was er denn dem Anderen schenken könnte. Zweitens, weil es für unnötigen Stress sorgt. Niemand braucht etwas spezielles - zumindest nichts, was man hier in Kanada kaufen könnte - also sparen wir uns Zeit, Geld und Nerven. Außerdem werden unsere Vermieter nicht da sein, was bedeutet, wir können so viel Krach machen, wie wir wollen. Ob die Weihnacht so besinnlich sein wird, weiß ich nicht,
Und sonst? Die Arbeit läuft sehr gut. In den letzten Tagen habe ich mich gut in das Projekt eingelebt. Es macht zwar entgegen aller Erwartungen nicht immer Spaß, obwohl und gerade weil ich manchmal wenig zu tun hab, weil nur ein mal pro Woche Neuerungen ins Spiel gebracht werden und nach zwei bis drei Tagen intensiven Suchens nichts Fehlerhaftes mehr zu finden ist. Nichtsdestotrotz macht sie auch sehr viel Spaß, weil man hier, anders als bei meinen früheren Jobs, geistig ordentlich gefordert wird, da eben sehr gute Englisch- und Deutschkenntnisse, Liebe zum Detail und sogar Kreativität gefragt sind. Und: Wir müssen und können trotz der großen sprachlichen und kulturellen Unterschiede perfekt als Team zusammen arbeiten.
Außerdem wurde mir ein fester Vertrag (momentan sind wir nur freie Mitarbeiter) angeboten, nämlich bis zum 27. Februar. Da wir aber nicht so weit vorausplanen können und sollten, haben wir ausgemacht, dass ich zumindest bis zum 31. Januar so einen Vertrag bekomme - danach könnte ich immernoch am Projekt weiterarbeiten, solange ich Zeit hab, aber auch spontan aufhören.
Über einen Stundenlohn von 13$ pro Stunde, wovon 95% in meine Tasche wandern, kann ich mich auch nicht beklagen.
Eigentlich gäbe es noch viel mehr zu erzählen - was wir alles für morgen geplant haben und wie es weitergeht - aber wie schon erwähnt, wird es morgen ein sehr langer Tag, also werd ich es mir mal langsam im Bett gemütlich machen. Fotos habe ich im Moment auch keine. Beziehungsweise keine Lust, welche zu machen. Wenn unsere Gäste dann wieder weg sind, werde ich hier wieder berichten, oder ich lade einfach zwischendurch ein paar hoch.
Damit ich hier trotzdem noch ein wenig von der besonderen Stimmung verbreiten kann: Hier ist ein Video, dass uns unsere Couchsurfing-Hosts in Ottawa gezeigt haben, und ich denke, das kommt der Idee von Weihnachten doch sehr nahe.
In diesem Sinne hoffe ich, ihr genießt das Zusammensein in der Familie und wünsche euch frohe und besinnlichere Weihnachten, als unsere! :)
Bis demnächst!
Tja, nun ist es soweit. Weihnachten steht vor der Tür. In den letzten Tagen habe ich mich öfters gefragt, wie das hier in Kanada ablaufen wird. Werden wir zu Hause sein? Feiern wir Weihnachten zusammen mit Anderen? Schenken wir uns was? Natürlich war klar, dass es nicht wie daheim in Deutschland sein wird. Vieles ist in Kanada eben anders, und ab und an vermisst man doch die ein oder andere Tradition.
Doch wie sagt man so schön? Wenn das Leben dir Kartoffeln schenkt, mach Kartoffelbrei daraus. Und leg noch eine Bratwurst dazu. Oder so.
Jedenfalls muss man unter diesen besonderen Umständen umdenken. Seit wir hier sind haben wir uns überlegt, wie wir denn nun Weihnachten feiern können und nach etlichen verworfenen Ideen haben wir den Entschluss gefasst, 'Christmas' mal anders zu erleben und ein paar bekannte Gesichter einzuladen: Anna und Philipp, die wir ganz zu Anfang unserer Reise im Hostel getroffen haben, und Lara.
Morgen früh werde ich noch mal bis 17:30 Uhr arbeiten müssen. In der Zwischenzeit werden (zum Glück) Tommy, Philipp, der heute schon angekommen ist, und Gothi einkaufen gehen und ein paar letzte Besorgungen machen - natürlich Essen, Getränke, Schmuck und etwas zum Anstoßen, versteht sich. Einen Weihnachtsbaum haben wir mittlerweile bekommen - einen großen für 90$, der immerhin bis zur Decke reicht. Einen kleinen hätte man schon für 30-40$ bekommen, aber das wäre es nicht wert gewesen. Während ich auf der Suche nach einer Bank war, die auch außerhalb meiner Arbeitszeiten geöffnet hat und nach drei geschlossenen Banken in der Innenstadt keine Lust mehr hatte, haben Gothi und Tommy mit unserem Vermieter, Francis, der freundlicherweise seine Hilfe und sein Auto angeboten hat, den Baum abgeholt. Dafür haben wir ihm heute eine gute Flasche französischen Wein und deutsche Kekse geschenkt, worüber er sich tierisch gefreut hat.
Fürs Abendessen haben Gothi und ich schon seit längerem Lachs und Reis geplant. Nach einigem hin und her machen wir nun ein paar verschiedene Gerichte, da Vorschläge wie Pommes oder Tiefkühlpizza aufkamen. Das ist zwar ein sehr ungewöhnliches Weihnachten, aber Pizza kommt uns nicht in die Tüte ;)
Schenken werden wir uns nichts. Erstens, weil einfach niemand von uns Ahnung hat, was er denn dem Anderen schenken könnte. Zweitens, weil es für unnötigen Stress sorgt. Niemand braucht etwas spezielles - zumindest nichts, was man hier in Kanada kaufen könnte - also sparen wir uns Zeit, Geld und Nerven. Außerdem werden unsere Vermieter nicht da sein, was bedeutet, wir können so viel Krach machen, wie wir wollen. Ob die Weihnacht so besinnlich sein wird, weiß ich nicht,
Und sonst? Die Arbeit läuft sehr gut. In den letzten Tagen habe ich mich gut in das Projekt eingelebt. Es macht zwar entgegen aller Erwartungen nicht immer Spaß, obwohl und gerade weil ich manchmal wenig zu tun hab, weil nur ein mal pro Woche Neuerungen ins Spiel gebracht werden und nach zwei bis drei Tagen intensiven Suchens nichts Fehlerhaftes mehr zu finden ist. Nichtsdestotrotz macht sie auch sehr viel Spaß, weil man hier, anders als bei meinen früheren Jobs, geistig ordentlich gefordert wird, da eben sehr gute Englisch- und Deutschkenntnisse, Liebe zum Detail und sogar Kreativität gefragt sind. Und: Wir müssen und können trotz der großen sprachlichen und kulturellen Unterschiede perfekt als Team zusammen arbeiten.
Außerdem wurde mir ein fester Vertrag (momentan sind wir nur freie Mitarbeiter) angeboten, nämlich bis zum 27. Februar. Da wir aber nicht so weit vorausplanen können und sollten, haben wir ausgemacht, dass ich zumindest bis zum 31. Januar so einen Vertrag bekomme - danach könnte ich immernoch am Projekt weiterarbeiten, solange ich Zeit hab, aber auch spontan aufhören.
Über einen Stundenlohn von 13$ pro Stunde, wovon 95% in meine Tasche wandern, kann ich mich auch nicht beklagen.
Eigentlich gäbe es noch viel mehr zu erzählen - was wir alles für morgen geplant haben und wie es weitergeht - aber wie schon erwähnt, wird es morgen ein sehr langer Tag, also werd ich es mir mal langsam im Bett gemütlich machen. Fotos habe ich im Moment auch keine. Beziehungsweise keine Lust, welche zu machen. Wenn unsere Gäste dann wieder weg sind, werde ich hier wieder berichten, oder ich lade einfach zwischendurch ein paar hoch.
Damit ich hier trotzdem noch ein wenig von der besonderen Stimmung verbreiten kann: Hier ist ein Video, dass uns unsere Couchsurfing-Hosts in Ottawa gezeigt haben, und ich denke, das kommt der Idee von Weihnachten doch sehr nahe.
In diesem Sinne hoffe ich, ihr genießt das Zusammensein in der Familie und wünsche euch frohe und besinnlichere Weihnachten, als unsere! :)
Bis demnächst!
Freitag, 12. Dezember 2014
Let it snow, let it snow, let it snow
..., denn einmal "Lass es schneien" reicht ja in Kanada offensichtlich nicht aus. Am Dienstagabend hat es angefangen zu schneien und bis heute Nachmittag hat es nicht mehr aufgehört. Jetzt liegen also etwa 30cm Schnee (und zwar auch nur so wenig, weil tagsüber genug wieder schmilzt). Die Stadt ist momentan eine einzige Matschgrube, trotz sämtlicher Bagger und Pick-Up-Trucks, auf denen Front-Schaufeln montiert sind, die etwa alle 10 Minuten unter Anderem an unserem Haus vorbeifahren. Uns wurde gesagt, dass Kanada in Sachen Schneebeseitigung sehr fortschrittlich ist - so fahren beispielsweise LKW's durch die Städte, die den Schnee auf- und wo anders wieder abladen. Leider merkt man davon im Moment noch relativ wenig. Zumindest rutsche ich bei absolut jedem Schritt auf dem Weg zu meiner Arbeit über Matschhaufen und an den Kreuzungen nicht in eine Pfütze zu treten, ist unmöglich. Während ich jetzt schreibe hat es übrigens schon wieder angefangen, zu schneien...
Den Kanadiern scheint es aber nicht so viel auszumachen, auch wenn man hin und wieder mal welche sieht, die ausrutschen, ihre Schuhe in Pfützen durchnässen (ich auch) oder mit ihrem Auto nicht zur Arbeit können, weil es von einem 1m hohen Schneeberg umgeben ist.
Das Gute ist, dass es draußen mit durchschnittlich -2°C mollig warm ist, wenn man sich erstmal an die -16°C von vor einigen Tagen gewöhnt hat. Ich habe mir jetzt auch angewöhnt, zur Arbeit nur noch zu joggen, um fit zu bleiben und mich auf dem Weg dahin warm zu halten. Außerdem spar ich so die 80$ für eine Monatskarte für Bus und Métro.
Was meine Arbeit angeht: Die letzte Woche war es doch etwas trocken. Nach dem Training hatten wir gehofft, dass es danach auch gleich richtig losgeht. Immerhin haben die dringend deutschsprachige Tester gesucht. Tatsächlich war trotz Nachfrage kein offenes Projekt verfügbar. Tommy arbeitet dagegen schon seit letzten Donnerstag. Diesen Montag konnte ich dann endlich mal arbeiten. Allerdings war es zum Einen nur 'compliance testing', was, wie schon im letzten Post erwähnt, sehr eintönig und langweilig ist, weil man im Prinzip den ganzen Tag nur versucht, Meldungen aus dem Spiel zu quetschen, indem man den Controller entfernt, ein Spiel lädt, die Speicherkarte beim Speichern rauszieht, und so weiter. Zum Anderen war dann am Dienstag, obwohl wir Montag nicht fertig geworden sind, keine Arbeit für mich verfügbar. Was ich dann erst erfahren hab, als ich erwartungsvoll am Arbeitsplatz erschienen bin und mir gesagt wurde, dass ich daran nicht weiter arbeiten werde und auch sonst niemand krank geworden ist, den ich vertreten könnte. Konträr dazu hatte ich tatsächlich irgendwann letzte Woche Morgens eine Mail bekommen, in der ich gefragt wurde, ob ich jemanden vertreten könne, allerdings hab ich da ausgeschlafen und als ich dann geantwortet hatte, war der Posten schon wieder besetzt. Sehr ärgerlich.
Am Ende ist es darauf hinausgelaufen, dass ich hauptsächlich mit Gothi zu Haus gesessen hab, um Kosten zu sparen. Um also meine Chancen zu maximieren, endlich arbeiten zu können, habe ich nun angegeben, dass ich jeden Tag in der Woche und zu jeder beliebigen Schicht verfügbar bin und auch in der nächsten Zeit bis zum 4. Januar für reichlich Überstunden zu haben sein werde (also alles, was über 40 Stunden pro Woche hinaus geht).
Tatsächlich durfte ich heute sogar wieder arbeiten, weil wieder ein komplett neues Spiel reingekommen ist, das voraussichtlich noch zwei Monate lang getestet werden wird. Auch morgen werd ich wieder los dürfen. Der Projektleiter hat mich auch schon gefragt, ob ich in der Zeit zwischen Heiligabend und Silvester zur Verfügung stehen würde - was bei vielen Angestellten wohl nicht der Fall wäre - was ich natürlich sofort bejaht hab, denn das schreit ja schon fast nach einer dauerhaften Beschäftigung. Zum Spiel selbst darf ich nicht viel sagen. Auf jeden Fall ist es ein ziemlich heftiges Kampfspiel, das den meisten in meinem internationalen Team (Spanisch, Französisch, Italienisch, Deutsch, Portugesisch) schon etwas Entsetzen ins Gesicht gezaubert hat und einer meinte sogar, er müsse sich nach Feierabend erstmal Bilder von Katzen- und Hundewelpen ansehen, um wieder herunterzukommen. Was tut man nicht alles für seinen Job?
Jedenfalls denke ich, dass sich die Frustration in der letzten, unbeschäftigten Zeit bald legen und alles wieder seinen gewohnten Gang gehen wird. Nebenbei hat uns Tommy (der heute für ein paar Tage nach New York gefahren ist) einige Kerzen und eine kleine Tischdecke besorgt, so dass wir jeden Sonntag ein weiteres Licht anzünden können. Gothi und ich haben gestern ein paar Kekse gebacken (Vanillekipferl und Krapfen). Am Wochenende hören wir nebenbei auch einige typische Weihnachtslieder. Da fragt man sich schon, wie Weihnachten hier sein wird. Lara wird über Weihnachten herkommen und wahrscheinlich kommt noch jemand vorbei, den wir ganz am Anfang unserer Reise kennengelernt haben. Eventuell legen zusammen und kaufen uns einen Weihnachtsbaum für 100$. Mal sehen. Gedanklich werde ich aber ganz sicher zu Hause sein.
Schöne Gruße aus dem verschneiten, aber warmen Montréal.
..., denn einmal "Lass es schneien" reicht ja in Kanada offensichtlich nicht aus. Am Dienstagabend hat es angefangen zu schneien und bis heute Nachmittag hat es nicht mehr aufgehört. Jetzt liegen also etwa 30cm Schnee (und zwar auch nur so wenig, weil tagsüber genug wieder schmilzt). Die Stadt ist momentan eine einzige Matschgrube, trotz sämtlicher Bagger und Pick-Up-Trucks, auf denen Front-Schaufeln montiert sind, die etwa alle 10 Minuten unter Anderem an unserem Haus vorbeifahren. Uns wurde gesagt, dass Kanada in Sachen Schneebeseitigung sehr fortschrittlich ist - so fahren beispielsweise LKW's durch die Städte, die den Schnee auf- und wo anders wieder abladen. Leider merkt man davon im Moment noch relativ wenig. Zumindest rutsche ich bei absolut jedem Schritt auf dem Weg zu meiner Arbeit über Matschhaufen und an den Kreuzungen nicht in eine Pfütze zu treten, ist unmöglich. Während ich jetzt schreibe hat es übrigens schon wieder angefangen, zu schneien...
Den Kanadiern scheint es aber nicht so viel auszumachen, auch wenn man hin und wieder mal welche sieht, die ausrutschen, ihre Schuhe in Pfützen durchnässen (ich auch) oder mit ihrem Auto nicht zur Arbeit können, weil es von einem 1m hohen Schneeberg umgeben ist.
Man beachte das silberne Auto links. Blöd, ne?
Das Gute ist, dass es draußen mit durchschnittlich -2°C mollig warm ist, wenn man sich erstmal an die -16°C von vor einigen Tagen gewöhnt hat. Ich habe mir jetzt auch angewöhnt, zur Arbeit nur noch zu joggen, um fit zu bleiben und mich auf dem Weg dahin warm zu halten. Außerdem spar ich so die 80$ für eine Monatskarte für Bus und Métro.
Was meine Arbeit angeht: Die letzte Woche war es doch etwas trocken. Nach dem Training hatten wir gehofft, dass es danach auch gleich richtig losgeht. Immerhin haben die dringend deutschsprachige Tester gesucht. Tatsächlich war trotz Nachfrage kein offenes Projekt verfügbar. Tommy arbeitet dagegen schon seit letzten Donnerstag. Diesen Montag konnte ich dann endlich mal arbeiten. Allerdings war es zum Einen nur 'compliance testing', was, wie schon im letzten Post erwähnt, sehr eintönig und langweilig ist, weil man im Prinzip den ganzen Tag nur versucht, Meldungen aus dem Spiel zu quetschen, indem man den Controller entfernt, ein Spiel lädt, die Speicherkarte beim Speichern rauszieht, und so weiter. Zum Anderen war dann am Dienstag, obwohl wir Montag nicht fertig geworden sind, keine Arbeit für mich verfügbar. Was ich dann erst erfahren hab, als ich erwartungsvoll am Arbeitsplatz erschienen bin und mir gesagt wurde, dass ich daran nicht weiter arbeiten werde und auch sonst niemand krank geworden ist, den ich vertreten könnte. Konträr dazu hatte ich tatsächlich irgendwann letzte Woche Morgens eine Mail bekommen, in der ich gefragt wurde, ob ich jemanden vertreten könne, allerdings hab ich da ausgeschlafen und als ich dann geantwortet hatte, war der Posten schon wieder besetzt. Sehr ärgerlich.
Am Ende ist es darauf hinausgelaufen, dass ich hauptsächlich mit Gothi zu Haus gesessen hab, um Kosten zu sparen. Um also meine Chancen zu maximieren, endlich arbeiten zu können, habe ich nun angegeben, dass ich jeden Tag in der Woche und zu jeder beliebigen Schicht verfügbar bin und auch in der nächsten Zeit bis zum 4. Januar für reichlich Überstunden zu haben sein werde (also alles, was über 40 Stunden pro Woche hinaus geht).
Tatsächlich durfte ich heute sogar wieder arbeiten, weil wieder ein komplett neues Spiel reingekommen ist, das voraussichtlich noch zwei Monate lang getestet werden wird. Auch morgen werd ich wieder los dürfen. Der Projektleiter hat mich auch schon gefragt, ob ich in der Zeit zwischen Heiligabend und Silvester zur Verfügung stehen würde - was bei vielen Angestellten wohl nicht der Fall wäre - was ich natürlich sofort bejaht hab, denn das schreit ja schon fast nach einer dauerhaften Beschäftigung. Zum Spiel selbst darf ich nicht viel sagen. Auf jeden Fall ist es ein ziemlich heftiges Kampfspiel, das den meisten in meinem internationalen Team (Spanisch, Französisch, Italienisch, Deutsch, Portugesisch) schon etwas Entsetzen ins Gesicht gezaubert hat und einer meinte sogar, er müsse sich nach Feierabend erstmal Bilder von Katzen- und Hundewelpen ansehen, um wieder herunterzukommen. Was tut man nicht alles für seinen Job?
Jedenfalls denke ich, dass sich die Frustration in der letzten, unbeschäftigten Zeit bald legen und alles wieder seinen gewohnten Gang gehen wird. Nebenbei hat uns Tommy (der heute für ein paar Tage nach New York gefahren ist) einige Kerzen und eine kleine Tischdecke besorgt, so dass wir jeden Sonntag ein weiteres Licht anzünden können. Gothi und ich haben gestern ein paar Kekse gebacken (Vanillekipferl und Krapfen). Am Wochenende hören wir nebenbei auch einige typische Weihnachtslieder. Da fragt man sich schon, wie Weihnachten hier sein wird. Lara wird über Weihnachten herkommen und wahrscheinlich kommt noch jemand vorbei, den wir ganz am Anfang unserer Reise kennengelernt haben. Eventuell legen zusammen und kaufen uns einen Weihnachtsbaum für 100$. Mal sehen. Gedanklich werde ich aber ganz sicher zu Hause sein.
Sieht bescheiden aus, erfüllt aber seine Aufgabe.
Schöne Gruße aus dem verschneiten, aber warmen Montréal.
Dienstag, 2. Dezember 2014
Babel and whatnot
Sorry für die Verspätung mit dem Post, ich war irgendwie nicht motiviert :)
Da hier sonst eigentlich nichts interessantes passiert, will ich heute mal nur vom Training bei Babel berichten.
Erster Tag:
Morgens sind wir um 7 aufgestanden, haben entspannt geduscht und gefrühstückt und sind dann um 8 losgetorkelt. 8:30 Uhr waren wir dann in dem riesigen Backsteingebäude und sind mit dem Fahrstuhl in den 8. Stock gefahren, wo wir zunächst kurz warten mussten, weil die Tür abgeschlossen war und sich nur mit Schlüsselkarten öffnen lässt. Wir wurden dann hereingelassen und pünktlich um 9 hat uns unser Ausbilder, Jim, begrüßt. Wir konnten dann auch gleich unsere Arbeitsverträge und dies und jenes unterschreiben und ausfüllen. Dann hat Jim uns ein wenig über die Firma und die Arbeit selbst erzählt und uns im Office herumgeführt. Wir haben einen persönlichen Arbeitsaccount erstellt und sonst hat er uns für den Rest des Tages theoretische Grundlagen für die Arbeit beigebracht. 17:30 Uhr war dann schluss und wir konnten wieder bei der Kälte nach Hause gehen. Mit uns beim Training waren übrigens noch ein Russe, eine Polin, eine Portugesin und eine Spanierin (glaub ich).
Zweiter Tag:
Morgens der selbe Ablauf, nur sind wir 20 Minuten später losgegangen, weil es sich dann doch als unnötig herausgestellt hat, eine halbe Stunde vorher da zu sein. Diesmal konnten wir die Theorie anwenden, und zwar an einem Browserspiel am Computer, das "Angry Birds" sehr ähnlich sieht.
Dabei handelt es sich um ein präpariertes Testspiel, also enthielt es noch ziemlich viele Fehler. Unsere Arbeit bestand darin, alle sprachlichen Unschönheiten (zunächst nur auf Englisch) zu korrigieren, soweit das möglich ist. Dazu gehören z.B. Grammatikfehler, Zeichensetzungsfehler, falsche Übersetzungen oder auch Logikfehler (wie beispielsweise Beschreibungen für Gegenstände im Spiel: Einer gibt 500 Punkte, der andere plötzlich 10.000, und das musste dann im Spiel überprüft werden), aber auch Formatierungsfehler, wie zum Beispiel unangemessene Textfarben und -größen und Text, der über die Grenzen eines Textfensters wie einer Sprechblase hinausgeht oder einen anderen Text überlappt.
Zum Berichtigen benutzen wir eine Excel-Tabelle, in der alle 'Strings' des Spiels (=Texteinheiten: Das können einzelne Wörter, Sätze oder Wortgruppen sein, die wie in einer Art Variable zusammengefasst sind) aufgelistet sind. Dort muss man den entsprechenden fehlerhaften String suchen. Größere Spiele können dabei gut und gern mehrere Tausend Strings besetzen. Wenn man ihn gefunden hat, vergleicht man den "Source-Text" (das Original), die Übersetzung und das tatsächlich im Spiel Gesehene miteinander. Ist die Übersetzung falsch, können wir den Entwicklern eine neue Übersetzung vorschlagen. Ist diese richtig, wird aber im Spiel falsch angezeigt, liegt ein Implementierungsfehler vor und man muss einen 'Bug report' schreiben, was pro 'Bug' in der Regel 10-20 Minuten dauert. Diese müssen ganz bestimmten Richtlinien folgen, die wir aber zum Glück auf einer internen Website (außerhalb des Büros nicht aufrufbar) nachlesen können. Auch, wenn wir das Spiel technisch fertig erhalten, gibt es von diesen Fehlern denkbar viele. Dabei ist auch unsere Urteilsfähigkeit gefragt, weil besonders die deutsche Sprache anfällig für seine übertrieben langen Wörter ist. Wenn zum Beispiel das Wort "Skip" mit "Überspringen" übersetzt wird, ergibt das häufig Fehler, weil das Textfeld der englischen Übersetzung eben nur vier Buchstaben beinhalten sollte. Um dann Arbeit zu sparen, ist es sinnvoller, eine kürzere deutsche Übersetzung zu finden, als das Textfeld zu vergrößern. Nach der selben Idee werden auch Untertitel entsprechend verändert, wenn sie vom gesprochenen Text abweichen. Auch, wenn dann beides nicht unbedingt ganz richtig ist; es spart auf jeden Fall eine ganze Menge Arbeit, wenn es nicht noch mal aufgenommen werden muss.
Alles in allem ist der Job also im Endeffekt nicht ganz so spannend, wie man ihn sich vorstellen könnte, weil auf 5 Minuten Spielzeit eben mal etwa 60 Minuten bug reports folgen.
Dritter Tag:
Pünktlich um 9 ging es dann wieder los. Am Samstag ist da relativ wenig los und die Arbeit ist wohl etwas gelassener. Diesmal haben wir, der Vollständigkeit unseres Trainings halber (auch wenn wir das selten anwenden werden müssen), etwas "compliance testing" geübt. Dabei geht es vorrangig um die Terminologie in Videospielen. Wird zum Beispiel bei einem Xbox-Spiel der kabellose Controller im Spiel "Gamepad" und nicht "Wireless Xbox 360 Controller" genannt (z.B.), ist das ein Fehler. Anders als beim LQA testing (siehe Tag 2) bekommen wir hier über interne Websites Formulare, wo vom Kunden festgelegte Kriterien überprüft und abgehakt/berichtigt werden müssen. Das schließt das Beispiel mit dem Controller und auch sonstige Fachausdrücke mit ein. Ein Beispiel: "Überprüfe, ob beim Speichern des Spiels die folgende Meldung erscheint: ..." Je nach Hersteller reicht es dann entweder, die sinngemäßgen Inhalt zu überprüfen (so beispielsweise bei Microsoft), oder die exakte Übereinstimmung (Nintendo).
Ansonsten ist der erste Eindruck von der Arbeit ziemlich gut. Die Leute sind nett und gelassen. Auf der Infoseite des compliance lead testers im Bereich 'Nintendo' findet man zum Beispiel ein Bild von einem Wüstenknäuel auf einer leeren Straße, um dessen Arbeit symbolisch zusammenzufassen.
Einmal haben wir eine Mail gekriegt, die uns darauf hinweist, dass in der Caféteria ein Kuchenbasar stattfindet und wir uns beeilen müssen, wenn wir noch was haben wollen. Darunter war ein Bild von zwei dicken Frauen, die auf einen Tisch voller Kuchen losstürmen.
Leider haben wir noch keine Einteilung in ein Projekt bekommen, also sitzen wir gerade zu Hause und können nur abwarten, bis was passiert. Solange muss erstmal an allen Ecken gespart werden.
Das wärs soweit auch wieder. Das nächste Mal werd ich wohl erst schreiben, wenn unsere Arbeit richtig losgeht. Bis dahin!
Sorry für die Verspätung mit dem Post, ich war irgendwie nicht motiviert :)
Da hier sonst eigentlich nichts interessantes passiert, will ich heute mal nur vom Training bei Babel berichten.
Erster Tag:
Morgens sind wir um 7 aufgestanden, haben entspannt geduscht und gefrühstückt und sind dann um 8 losgetorkelt. 8:30 Uhr waren wir dann in dem riesigen Backsteingebäude und sind mit dem Fahrstuhl in den 8. Stock gefahren, wo wir zunächst kurz warten mussten, weil die Tür abgeschlossen war und sich nur mit Schlüsselkarten öffnen lässt. Wir wurden dann hereingelassen und pünktlich um 9 hat uns unser Ausbilder, Jim, begrüßt. Wir konnten dann auch gleich unsere Arbeitsverträge und dies und jenes unterschreiben und ausfüllen. Dann hat Jim uns ein wenig über die Firma und die Arbeit selbst erzählt und uns im Office herumgeführt. Wir haben einen persönlichen Arbeitsaccount erstellt und sonst hat er uns für den Rest des Tages theoretische Grundlagen für die Arbeit beigebracht. 17:30 Uhr war dann schluss und wir konnten wieder bei der Kälte nach Hause gehen. Mit uns beim Training waren übrigens noch ein Russe, eine Polin, eine Portugesin und eine Spanierin (glaub ich).
Zweiter Tag:
Morgens der selbe Ablauf, nur sind wir 20 Minuten später losgegangen, weil es sich dann doch als unnötig herausgestellt hat, eine halbe Stunde vorher da zu sein. Diesmal konnten wir die Theorie anwenden, und zwar an einem Browserspiel am Computer, das "Angry Birds" sehr ähnlich sieht.
Dabei handelt es sich um ein präpariertes Testspiel, also enthielt es noch ziemlich viele Fehler. Unsere Arbeit bestand darin, alle sprachlichen Unschönheiten (zunächst nur auf Englisch) zu korrigieren, soweit das möglich ist. Dazu gehören z.B. Grammatikfehler, Zeichensetzungsfehler, falsche Übersetzungen oder auch Logikfehler (wie beispielsweise Beschreibungen für Gegenstände im Spiel: Einer gibt 500 Punkte, der andere plötzlich 10.000, und das musste dann im Spiel überprüft werden), aber auch Formatierungsfehler, wie zum Beispiel unangemessene Textfarben und -größen und Text, der über die Grenzen eines Textfensters wie einer Sprechblase hinausgeht oder einen anderen Text überlappt.
Zum Berichtigen benutzen wir eine Excel-Tabelle, in der alle 'Strings' des Spiels (=Texteinheiten: Das können einzelne Wörter, Sätze oder Wortgruppen sein, die wie in einer Art Variable zusammengefasst sind) aufgelistet sind. Dort muss man den entsprechenden fehlerhaften String suchen. Größere Spiele können dabei gut und gern mehrere Tausend Strings besetzen. Wenn man ihn gefunden hat, vergleicht man den "Source-Text" (das Original), die Übersetzung und das tatsächlich im Spiel Gesehene miteinander. Ist die Übersetzung falsch, können wir den Entwicklern eine neue Übersetzung vorschlagen. Ist diese richtig, wird aber im Spiel falsch angezeigt, liegt ein Implementierungsfehler vor und man muss einen 'Bug report' schreiben, was pro 'Bug' in der Regel 10-20 Minuten dauert. Diese müssen ganz bestimmten Richtlinien folgen, die wir aber zum Glück auf einer internen Website (außerhalb des Büros nicht aufrufbar) nachlesen können. Auch, wenn wir das Spiel technisch fertig erhalten, gibt es von diesen Fehlern denkbar viele. Dabei ist auch unsere Urteilsfähigkeit gefragt, weil besonders die deutsche Sprache anfällig für seine übertrieben langen Wörter ist. Wenn zum Beispiel das Wort "Skip" mit "Überspringen" übersetzt wird, ergibt das häufig Fehler, weil das Textfeld der englischen Übersetzung eben nur vier Buchstaben beinhalten sollte. Um dann Arbeit zu sparen, ist es sinnvoller, eine kürzere deutsche Übersetzung zu finden, als das Textfeld zu vergrößern. Nach der selben Idee werden auch Untertitel entsprechend verändert, wenn sie vom gesprochenen Text abweichen. Auch, wenn dann beides nicht unbedingt ganz richtig ist; es spart auf jeden Fall eine ganze Menge Arbeit, wenn es nicht noch mal aufgenommen werden muss.
Alles in allem ist der Job also im Endeffekt nicht ganz so spannend, wie man ihn sich vorstellen könnte, weil auf 5 Minuten Spielzeit eben mal etwa 60 Minuten bug reports folgen.
Dritter Tag:
Pünktlich um 9 ging es dann wieder los. Am Samstag ist da relativ wenig los und die Arbeit ist wohl etwas gelassener. Diesmal haben wir, der Vollständigkeit unseres Trainings halber (auch wenn wir das selten anwenden werden müssen), etwas "compliance testing" geübt. Dabei geht es vorrangig um die Terminologie in Videospielen. Wird zum Beispiel bei einem Xbox-Spiel der kabellose Controller im Spiel "Gamepad" und nicht "Wireless Xbox 360 Controller" genannt (z.B.), ist das ein Fehler. Anders als beim LQA testing (siehe Tag 2) bekommen wir hier über interne Websites Formulare, wo vom Kunden festgelegte Kriterien überprüft und abgehakt/berichtigt werden müssen. Das schließt das Beispiel mit dem Controller und auch sonstige Fachausdrücke mit ein. Ein Beispiel: "Überprüfe, ob beim Speichern des Spiels die folgende Meldung erscheint: ..." Je nach Hersteller reicht es dann entweder, die sinngemäßgen Inhalt zu überprüfen (so beispielsweise bei Microsoft), oder die exakte Übereinstimmung (Nintendo).
Ansonsten ist der erste Eindruck von der Arbeit ziemlich gut. Die Leute sind nett und gelassen. Auf der Infoseite des compliance lead testers im Bereich 'Nintendo' findet man zum Beispiel ein Bild von einem Wüstenknäuel auf einer leeren Straße, um dessen Arbeit symbolisch zusammenzufassen.
Einmal haben wir eine Mail gekriegt, die uns darauf hinweist, dass in der Caféteria ein Kuchenbasar stattfindet und wir uns beeilen müssen, wenn wir noch was haben wollen. Darunter war ein Bild von zwei dicken Frauen, die auf einen Tisch voller Kuchen losstürmen.
Leider haben wir noch keine Einteilung in ein Projekt bekommen, also sitzen wir gerade zu Hause und können nur abwarten, bis was passiert. Solange muss erstmal an allen Ecken gespart werden.
Das wärs soweit auch wieder. Das nächste Mal werd ich wohl erst schreiben, wenn unsere Arbeit richtig losgeht. Bis dahin!
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