Samstag, 2. Mai 2015

Aber es sieht gut aus!

Jetzt schulde ich euch mal wieder einen Blogeintrag, was?
Wie schon so oft muss ich leider sagen, dass in den letzten 30 Tagen nicht viel passiert ist - zumindest nichts wirklich bahnbrechendes. Darum werde ich dafür etwas detaillierter auf meine Arbeit eingehen.

Meine Schicht beginnt um 16 Uhr und geht so lange, bis wir alles abgewaschen, den Müll entsorgt und den gesamten Küchenboden geputzt haben. So sind wir, je nach Besetzung und Wochentag, häufig erst zwischen 24 und 1 Uhr nachts fertig. Und dabei ist egal, wie schnell man tagsüber war, da erst am Ende das ganze hartnäckige Geschirr kommt, wie zum Beispiel Backbleche, Ofengitter oder Töpfe mit Bratensoße. Allein das Fegen und Wischen dauernd schon eine Stunde, wenn man es alleine macht. Außerdem fallen hier und da auch noch kleinere Aufgaben an. An stressigen Tagen können sogar an die 100 kg Müll - sowohl häuslicher Abfall, als auch Gemüse- oder Fleischreste, die dann in der Müllanlage im Erdgeschoss vor sich hin gammeln, was übrigens nicht allzu angenehm riecht - zusammenkommen, die natürlich weggebracht werden müssen.
Die Arbeitszeiten finde ich an sich eigentlich ziemlich angenehm. Man kann ausschlafen, was man natürlich theoretisch auch kann, wenn man früh arbeiten muss - aber wenn man zu spät ins bett gegangen ist, dann ist es eben zu spät. Wenn ich schlafen gehe (wann auch immer), stelle ich meinen Wecker immer auf 7-8 Stunden, damit ich auch noch was vom Tag habe. Anders als mein Mitbewohner, der neulich knapp 20 Stunden geschlafen hat. Jedenfalls kann man so immer mit Elan zur Arbeit gehen, wenn man vorher etwas Freizeit genießen konnte. Das ist, zumindest bei mir, bei einer Frühschicht nicht der Fall, wenn ich dann eigentlich doch ganz gerne weiterschlafen würde.

Hier man ein kleines Video von meinem üblichen Arbeitsplatz, einem kleinen Teil der Küche:


Mit mir arbeit Larry, ein 63-jähriger Kanadier (auf dem Video zu sehen), der aber immer mit voller Begeisterung dabei ist. Er steht immer an der Spüle, zu der die Kellner das ganze Geschirr bringen und Köche das Zeug, das einfach zu waschen ist. Links davon ist die Spülmaschine, in der alles noch mal innerhalb weniger Sekunden extrem heiß abgewaschen wird, egal wie sauber es vorher aussah. Noch weiter links an der Spüle steh meistens ich. Dorthin kommen alle Pfannen, die meisten Töpfe und alle sonstigen Härtefälle, wie beispielsweise (wie schon erwähnt) Gitter.
Mit mir arbeitet normalerweise auch noch Steffi, die - je nach Besetzung - entweder die Teller wäscht, die Larry sonst macht, das gewaschene Zeug wegbringt, oder den Köchen aushilft, z.B. durch das Schneiden von Gemüse, Schälen von Äpfeln, Zubereiten von Nachspeisen, Verpacken/Vakuumieren von Resten, und so weiter.
Dann ist da noch Taylor, ebenfalls ein Kanadier. Mit ihm zu arbeiten, ist - na, ich würde sagen, nicht immer ganz einfach. Er bringt normerlweise die gewaschenen Sachen auf Küchenwagen weg. Nur ist er dabei manchmal extrem langsam, so dass man beispielsweise warten muss, während man sich die Hände an kochend heißen Pfannen verbrennt, die man eigentlich ganz schnell wegbringen wollte. Dann stapelt er die Teller merkwürdig, zum Beispiel erst einen viereckigen, dann ein paar runde, dann einige dreieckige und zum Schluss wieder viereckige - obwohl eigentlich genug Platz ist für jeweils einen Stapel. Gründlich ist er auch nicht gerade. Vorgestern hatte er einen Teller mit einem gewundenen Muster (von denen wir nicht viele haben und man sie deshalb schnell wiedererkennt) sechs mal durch die Spülmaschine geschleust, bis er gemerkt hat, dass er den Teller mal abbürsten sollte. Na ja, am Ende freu ich mich zwar immer über Überstunden, aber manchmal zieht sich die Arbeit doch ganz schön in die Länge, wenn man sich um vieles selbst kümmern muss.

Essenstechnisch ist es nun auch nicht soo angenehm, wie zuerst gedacht. In der Regel bleiben nur Schweinefilets, Hünchen oder Fisch übrig, was einem alles nach einer Weile auch bis zum Hals steht. Selten auch mal ein Cordon Bleu.

Apropos Essen: Neulich musste ich beim Zubereiten von Fleischplatten aushelfen, auf denen wir kunstvoll ein paar Scheiben Salami, Schinken, Lachs und ähnliches verteilt haben. Eine Platte mit genug Fleisch für nicht mal eine Mahlzeit kostet 20$! Und das ist noch lange nicht das teuerste hier.
Es sah ja ganz schön aus und so, aber der Preis ist natürlich... luxuriös. Und der Aufwand war auch nicht wirklich hoch. Solltet ihr mal ein schickes Gericht in einem schicken Restaurant bestellen, dann hat der Koch dies wahrscheinlich genau so schnell und einfach zubereitet, wie wir ;)


Hier noch ein paar Bilder von unserem Wohnhaus (und so):

Ausblick von einem Hintereingang des Mitarbeiter-Wohnhauses (von der Treppe des nächsten Fotos aus gesehen).

Hintereingang.

Vordereingang mit Angestellten-Parkplätzen.

Eine Art Gemeinschaftsraum.


Vor der Terrasse des Gemeinschaftsraumes. Oft schauen Rehe vorbei, die dann vor dem Fenster stehen und uns eine ganze Weile beobachten. Nachts kann man übrigens auch öfters Tiere hören. Neulich hat zum Beispiel kurz ein Wolf geheult. Vor ein paar Wochen habe ich wohl eine Art Rudelkampf mitbekommen, zumindest dem lauten Mix aus Bellen und Quieken nach zu urteilen.

Die Gemeinschaftsküche. Leider oft verkramt, weil immer irgendwer sein Zeug stehen lässt - und nach der Arbeit habe ich dann auch keinen Bock mehr, Geschirr zu waschen.

Mein üblicher Weg zur Arbeit zum Hintereingang des Hotels

Der selbe Weg, bloß rückwärts.


Viel erleben wir hier sonst aber nicht. Ab und zu komme ich mal in die Stadt, wenn irgendwer fährt. Im Nachhinein hätte ich das (halbkaputte) Auto vielleicht doch noch mit hierher nehmen sollen.
Wenn Niklas, der in der Frühschicht arbeitet, frei hat, spielen wir manchmal Billard. Vormittags oder spät Nachts findet man vereinzelt mal ein paar Leute in der Küche oder im Gemeinschaftsraum. Noch vor einer Weile war hier Nachts richtig viel los, allerdings sind sehr viele Leute auch gegangen, seit ich hier bin. Ansonsten kommen nur bei Angestelltenparties alle zusammen.

In zwei Wochen kommt übrigens meine Familie eingeflogen, die mich dann mit einem Wohnmobil abholt. Dann unternehmen wir noch mal eine kleine Rundreise durch die Provinz British Columbia. Dann wird es noch mal einiges zu erzählen geben. Bis dahin wird aber wahrscheinlich nicht viel Spannendes passieren, darum zieh ich hier erstmal einen Schlussstrich.

Also dann!