..., denn einmal "Lass es schneien" reicht ja in Kanada offensichtlich nicht aus. Am Dienstagabend hat es angefangen zu schneien und bis heute Nachmittag hat es nicht mehr aufgehört. Jetzt liegen also etwa 30cm Schnee (und zwar auch nur so wenig, weil tagsüber genug wieder schmilzt). Die Stadt ist momentan eine einzige Matschgrube, trotz sämtlicher Bagger und Pick-Up-Trucks, auf denen Front-Schaufeln montiert sind, die etwa alle 10 Minuten unter Anderem an unserem Haus vorbeifahren. Uns wurde gesagt, dass Kanada in Sachen Schneebeseitigung sehr fortschrittlich ist - so fahren beispielsweise LKW's durch die Städte, die den Schnee auf- und wo anders wieder abladen. Leider merkt man davon im Moment noch relativ wenig. Zumindest rutsche ich bei absolut jedem Schritt auf dem Weg zu meiner Arbeit über Matschhaufen und an den Kreuzungen nicht in eine Pfütze zu treten, ist unmöglich. Während ich jetzt schreibe hat es übrigens schon wieder angefangen, zu schneien...
Den Kanadiern scheint es aber nicht so viel auszumachen, auch wenn man hin und wieder mal welche sieht, die ausrutschen, ihre Schuhe in Pfützen durchnässen (ich auch) oder mit ihrem Auto nicht zur Arbeit können, weil es von einem 1m hohen Schneeberg umgeben ist.
Man beachte das silberne Auto links. Blöd, ne?
Das Gute ist, dass es draußen mit durchschnittlich -2°C mollig warm ist, wenn man sich erstmal an die -16°C von vor einigen Tagen gewöhnt hat. Ich habe mir jetzt auch angewöhnt, zur Arbeit nur noch zu joggen, um fit zu bleiben und mich auf dem Weg dahin warm zu halten. Außerdem spar ich so die 80$ für eine Monatskarte für Bus und Métro.
Was meine Arbeit angeht: Die letzte Woche war es doch etwas trocken. Nach dem Training hatten wir gehofft, dass es danach auch gleich richtig losgeht. Immerhin haben die dringend deutschsprachige Tester gesucht. Tatsächlich war trotz Nachfrage kein offenes Projekt verfügbar. Tommy arbeitet dagegen schon seit letzten Donnerstag. Diesen Montag konnte ich dann endlich mal arbeiten. Allerdings war es zum Einen nur 'compliance testing', was, wie schon im letzten Post erwähnt, sehr eintönig und langweilig ist, weil man im Prinzip den ganzen Tag nur versucht, Meldungen aus dem Spiel zu quetschen, indem man den Controller entfernt, ein Spiel lädt, die Speicherkarte beim Speichern rauszieht, und so weiter. Zum Anderen war dann am Dienstag, obwohl wir Montag nicht fertig geworden sind, keine Arbeit für mich verfügbar. Was ich dann erst erfahren hab, als ich erwartungsvoll am Arbeitsplatz erschienen bin und mir gesagt wurde, dass ich daran nicht weiter arbeiten werde und auch sonst niemand krank geworden ist, den ich vertreten könnte. Konträr dazu hatte ich tatsächlich irgendwann letzte Woche Morgens eine Mail bekommen, in der ich gefragt wurde, ob ich jemanden vertreten könne, allerdings hab ich da ausgeschlafen und als ich dann geantwortet hatte, war der Posten schon wieder besetzt. Sehr ärgerlich.
Am Ende ist es darauf hinausgelaufen, dass ich hauptsächlich mit Gothi zu Haus gesessen hab, um Kosten zu sparen. Um also meine Chancen zu maximieren, endlich arbeiten zu können, habe ich nun angegeben, dass ich jeden Tag in der Woche und zu jeder beliebigen Schicht verfügbar bin und auch in der nächsten Zeit bis zum 4. Januar für reichlich Überstunden zu haben sein werde (also alles, was über 40 Stunden pro Woche hinaus geht).
Tatsächlich durfte ich heute sogar wieder arbeiten, weil wieder ein komplett neues Spiel reingekommen ist, das voraussichtlich noch zwei Monate lang getestet werden wird. Auch morgen werd ich wieder los dürfen. Der Projektleiter hat mich auch schon gefragt, ob ich in der Zeit zwischen Heiligabend und Silvester zur Verfügung stehen würde - was bei vielen Angestellten wohl nicht der Fall wäre - was ich natürlich sofort bejaht hab, denn das schreit ja schon fast nach einer dauerhaften Beschäftigung. Zum Spiel selbst darf ich nicht viel sagen. Auf jeden Fall ist es ein ziemlich heftiges Kampfspiel, das den meisten in meinem internationalen Team (Spanisch, Französisch, Italienisch, Deutsch, Portugesisch) schon etwas Entsetzen ins Gesicht gezaubert hat und einer meinte sogar, er müsse sich nach Feierabend erstmal Bilder von Katzen- und Hundewelpen ansehen, um wieder herunterzukommen. Was tut man nicht alles für seinen Job?
Jedenfalls denke ich, dass sich die Frustration in der letzten, unbeschäftigten Zeit bald legen und alles wieder seinen gewohnten Gang gehen wird. Nebenbei hat uns Tommy (der heute für ein paar Tage nach New York gefahren ist) einige Kerzen und eine kleine Tischdecke besorgt, so dass wir jeden Sonntag ein weiteres Licht anzünden können. Gothi und ich haben gestern ein paar Kekse gebacken (Vanillekipferl und Krapfen). Am Wochenende hören wir nebenbei auch einige typische Weihnachtslieder. Da fragt man sich schon, wie Weihnachten hier sein wird. Lara wird über Weihnachten herkommen und wahrscheinlich kommt noch jemand vorbei, den wir ganz am Anfang unserer Reise kennengelernt haben. Eventuell legen zusammen und kaufen uns einen Weihnachtsbaum für 100$. Mal sehen. Gedanklich werde ich aber ganz sicher zu Hause sein.
Sieht bescheiden aus, erfüllt aber seine Aufgabe.
Schöne Gruße aus dem verschneiten, aber warmen Montréal.





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