Weiter geht es mit dem zweiten Teil meines Familienurlaubs in Kanada!
20. Mai
Wie immer haben wir Morgens Eier, Bacon und Brot gefrühstückt. Auf dem Campingplatz standen diesmal Duschen zur Verfügung, die deutlich bequemer waren als unsere enge Wohnmobildusche. Nach der Abfahrt gegen 11 Uhr sind wir noch mal zurück zur Schleife gefahren, die wir am Vortag besucht hatten. Diesmal gab es leider nicht so viele Tiere zu sehen.
Wir haben am Lake Minnewanka angehalten. Dort konnte man am Strand und weiter oben auf der Straße Bighorn Sheep ("Großhorn-Schafe") beobachten.
Immer, wenn man denkt, man hätte schon alles gesehen...
Da es so heiß war wollten wir uns zum Schluss alle noch eine Kugel Eis holen, aber darauf haben wir bei einem Preis von jeweils 6$ dann doch verzichtet.
Auf der Weiterfahrt in der Schleife haben wir zwei Französinnen mitgenommen, die zu Fuß unterwegs waren und auf einen Campingplatz wollten, der auf unserem Weg lag.
Danach haben wir Banff verlassen und sind weiter gefahren in Richtung Süden.
Gegen Nachmittag haben wir einen schönen Fluss am Rande eines ziemlich unbefahrenen Highways gefunden, wo wir Mittag essen konnten: Fischstäbchen und Reis.
Nach dem Essen hat uns ein großer Rabe am Tisch besucht, der uns noch für eine ganze Weile mit seinem Hin- und Hergehüpfe unterhalten hat, indem wir ihm die restlichen Fischstäbchen hingeworfen haben.
Danach noch ein kleines Nickerchen, und weiter ging 's.
Den nächsten Stopp haben wir im Ort Radium Hot Springs gemacht, da wir dringend tanken mussten.
Tanken mussten außer uns aber natürlich auch die Schafe bei der Tankstelle gegenüber!
Nicht viel später gab es die zweite Bärensichtung! Diesmal sogar relativ nah an einem Hang an der Straße, Das Dumme war nur, dass sich dieser Hang hinter der Gegenfahrbahn befand, und wir so nicht wirklich hinabschauen konnten. Stehenbleiben war aufgrund der Steinrutschgefahr auch verboten. Ausgerechnet dort! Dumm gelaufen. Aber trotzdem konnten wir immerhin ein besseres Foto machen, als beim letzten mal.
Gegen Abend haben wir uns mal wieder einen Campingplatz gesucht. Der erste war zu teuer und bot außer einem (nicht sehr schönen) Stehplatz nichts. Wir sind weitergefahren und hatten Glück, denn wir fanden nach wenigen Minuten eine Rest Area (Autobahnrastplatz), wo wir kostenlos stehen konnten, einen schönen Platz, ordentliche Toiletten und vor allem unsere Ruhe hatten. da niemand sonst da war. Zum Abendbrot gab es scharfe Italienische Würste und danach wieder einige Kartenspiele.
Mittlerweile war es nicht mehr weit bis zur US-Grenze, so dass die Staaten unser nächstes Ziel waren (wogegen ich mich eigentlich zunächst wegen der bescheuerten Grenzkontrollen entschied).
21. Mai
Nach den üblichen morgentlichen Prozeduren sind wir weiter gefahren in Richtung US-Grenze.
In Cranbrook BC, nicht weit von der Grenze, waren wir in einem Walmart Lebensmittel einkaufen, unter anderem zwei Packungen Eier für die nächsten Tage.
Zwischen Mittag und Nachmittag erreichten wir Eastport ID, wo sich ein Grenzübergang befand.
Mal wieder hat uns ein Grenzbeamter ausgefragt, wer wir sind und warum wir in die Staaten wollen.
Auf letztere Frage habe ich geantwortet, dass meine Familie mal das Gefühl erleben will, ein mal dort gewesen zu sein. Er meinte, ein Tag reicht nicht für das Gefühl.
Nach der Abgabe unserer Pässe haben wir das Wohnmobil abgestellt. Während ich mit meinen Eltern drinnen schon mal die Visa beantragt habe (meines war vom letztem mal immer noch für ein paar Tage gültig), war mein Bruder noch kurz im Wohnmobil, wo eine Beamte unsere Lebensmittel überprüft hat. Es gab eigentlich keine Probleme; abgesehen von den zwei vollen Packungen Eier, die wir frisch gekauft hatten - die mussten weg. Danach haben wir das Ausfüllen des Papierkrams alle zusammen erledigt.
Der Officer war sehr freundlich und hat uns viel geholfen und erklärt. Er hat uns auch anhand eines Plüsch-Elchs den Unterschied zwischen "Elk" und "Moose" erklärt (Moose haben dickere Geweihe und größere Köpfe).
Auch meine Familie musste wieder sowohl Augen, als auch Finger scannen lassen. Mir blieb das diesmal erspart.
Als nächstes ging es in die Stadt 'Bonner's Ferry'. Man merke an, dass seit der Grenze alles schon deutlich gröber und verwahrloster aussah. Irgendwie nicht so ordentlich, wie in Kanada. Das selbe war uns auch schon während unserer ersten USA-Reise aufgefallen, als wir die Grenze in Detroit überquert haben.
Mittlerweile war es echt ordentlich heiß draußen.
Wir waren zuerst bei der Bank, weil wir natürlich US-Geld brauchten. Danach waren wir einkaufen. Wir wollten etwas Bier kaufen und da ich das Geld hatte, wollte ich natürlich an der Kasse bezahlen. Obwohl meine Eltern neben mir standen, hatte es mir die Kassiererin strengstens verboten, Alkohol zu kaufen (da ich ja erst 19 bin und Alkohol in den Staaten ab 21 ist). Dann hab ich das Geld meinem Vater in die Hand gedrückt und er dann wiederum ihr, und plötzlich war alles gut. Verrückt.
Dann besuchten wir einen "Pawn Shop" (dort kann man gebrauchte Sachen kaufen oder verkaufen), der nebenbei auch ein großes Arsenal an Waffen verkaufte. Auf die Frage, ob denn viele Leute beim Besitzer Waffen kaufen, sagte er, gelangweilt lachend, "Alle".
Im Anschluss waren wir Eis essen in einem Geschäft, das von außen wie ein Eisladen aussah, tatsächlich aber eine totale Dreckbude war. Überall Müll und altes Zeug. Anscheinend lebt dort eine ganze Familie. Die Eltern haben irgendwelche Dokumente ausgefüllt oder Sachen sortiert und die Kinder haben irgendwas gemalt oder gestrickt, und uns schließlich das Eis verkauft. Nett waren die Leute aber trotzdem und sie haben uns Tipps gegeben, wo wir als nächstes hinfahren/übernachten könnten.
Wir haben deren Ratschläge befolgt und wir sind schnell an einen schönen Fluss gekommen, wo wir hätten übernachten können. Leider hatten schon einige Jugendliche (schätzungsweise alle so zwischen 15 und 17 Jahren) den Platz für sich beansprucht. Als wir dann gewendet haben und weiterfahren wollten, hatte einer der Jungs in der einen Hand ein Bier, während er mit der anderen mit einem Sturmgewehr in der Luft rumfuchtelte (kein Witz). 'murica, land of the free! Da fragt man sich doch: Warum dürfen die schon mit 16 Waffen tragen und Auto fahren, aber Bier ist ab 21?!
Na, jedenfalls haben wir das als ein deutliches Zeichen verstanden und sind schleunigst weitergefahren.
Eine ganze Weile waren wir noch unterwegs, bis wir endlich einen Campingplatz in der Nähe vom Ort Sandpoint ID gefunden haben. Durch die vorigen Ausgaben hatten wir nur noch 26 USD und wir hatten Glück, denn der Campingplatz kostete "nur" 25 USD. Aber wir konnten dafür wieder Strom und Wasser tanken und Abwasser ablassen, außerdem wir hatten sogar W-Lan.
22. Mai
Wir haben lange ausgeschlafen. Das gute war, wir hatten schon wieder eine Zeitzone durchquert. Die eine Stunde, die uns irgendwo zwischen Revelstoke und Banff abgezogen wurde, weil wir die Uhren vorstellen mussten, haben wir nun wiederbekommen.
Auf unserer Weiterfahrt merkten wir, wie schäbig eigentlich die ganze Gegend so ist. Die Städte oder Dörfer waren zwar alle irgendwie bewohnt, aber man sah kaum Menschen. Überall lag Müll und Schrott rum (vor allem extrem viele verrostete Autos).
Wir haben uns auf den Rückweg nach Kanada gemacht und Nachmittags in der "Stadt" Metaline Falls Halt gemacht. Eine Stadt wie aus einem Horrorfilm.
Die Stadt hat rund 300 Einwohner. Gesehen haben wir davon aber fast keine. Wir hatten erst gedacht, die Stadt ist ein Witz. Die Hauptstraße, die man auf beiden Bildern sieht, war menschenleer. Die meisten Geschäfte oder Wohnhäuser sind von innen zugewuchert und vor allem zugemüllt.
Tatsächlich gab es aber einen Markt, ein Restaurant, in dem wir gegessen haben; ein Hotel und sogar ein Kino (das ebenfalls total verkommen aussah, aber einen aktuellen Kinofilm zeigte), eine Post und ein Theater.
Anscheinend wurde hier früher mal viel Bergbau betrieben, so dass damals viel los war, und aus unerklärlichen Gründen hat man wohl bis heute viele Gebäude hier weiter betrieben (Ernsthaft, wer braucht ein Kino oder eine Post bei 300 Einwohnern? Gardelegen hat beides nicht, nicht wirklich).
Das Hotel, das ich erwähnt habe, sah ebenfalls ziemlich verfallen aus. Eingeschlagene Scheiben und Gestrüpp, das in den Zimmern wächst. Trotzdem war es geöffnet und es stand jemand drinnen.
Am Ende der Straße (auf dem ersten Bild) gab es sogar eine Art Info-Center, ein ausgemusterter Waggon auf einer Grünfläche, die immernoch sehr gut gepflegt wurde.
"Wenn wir jetzt noch einen Motorschaden haben und hierbleiben müssen, war 's das", haben wir uns gedacht.
Zum Glück konnten wir ohne Probleme noch mal zurück zur vorigen Stadt fahren, um voll zu Tanken. Außerdem haben wir dort eine schicke Corvette gesehen, in die wir uns sogar reinsetzen durften.
Von da aus war die Grenze nicht mehr weit. Der Grenzübergang war relativ unspektakulär. der Beamte hat uns wieder gefragt, wo wir hinwollen und ob wir Alkohol in den Staaten gekauft haben.
Wir hatten zuvor auch wieder Eier gekauft, aber danach wurde diesmal zum Glück nicht gefragt.
Interessant war, wie der erste Ort, den wir in Kanada erreichten, sofort wieder total ordentlich und zivilisiert aussah.
Unsere Nacht haben wir dann auf einem Campingplatz in der Nähe der Stadt Nelson verbracht.
Uuuund, das war noch nicht alles - weiter geht 's demnächst mit dem dritten Teil!


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