Nabend, liebe Leser.
Wenn ihr jetzt denkt, "Die Beiden haben doch bestimmt schon alles Mögliche gesehen", dann liegt ihr falsch.
Angefangen hatte die Reise, wie schon erwähnt, in Ottawa. Dort haben wir zwei Nächte verbracht. Unter anderem waren wir noch mal beim Friseur (duschen können wir schließlich nicht jeden Tag) und haben uns Landkarten besorgt. Außerdem hatten wir - wie immer eigentlich - wieder reichlich Spaß mit unseren Couchsourfing-Anbietern und Freunden auf der Elgin Street. Die werden übrigens etwa von Juli bis August nach Deutschland kommen, wo wir ihnen dann zeigen können, wie gut man es doch bei uns hat!
Da ich mal wieder keine besonderen Fotos habe aus Gründen, die sich weiter unten ergeben werden, werde ich zwischendurch einfach ein paar zufällige Bilder der letzten Tage einbauen.
Trotzdem viel Spaß ;)
4 Liter noname-Eis (so heißt tatsächlich die Marke, vergleichbar mit "Ja!" in Deutschland)
für umgerechnet 3,90€.
An dieser Stelle muss ich mal erwähnen, dass unsere Gegenwart wohl ein schlechtes Omen ist.
Und zwar hatten die Jungs am Tag nach unserer Ankunft einen Wasserschaden. Zum einen war der Keller geflutet, weil ein Rohr anscheinend ein Loch hatte, das über längere Zeit zugefroren und plötzlich wieder aufgetaut war - weil sie schon seit längerer Zeit Probleme mit der Heizung hatten und am selben Tag ein Techniker die Heizung reparierte. Zum anderen hatte Jeff einen tropischen Regenwald in seinem Zimmer im ersten Stock (dem Geräusch nach zu urteilen), weil die Mieterin im zweiten Stock über zwei Tage vergessen hat, den Hahn der Badewanne auszustellen. Der Schaden war natürlich heftig: Von etlichen Decken und Wänden fiel der Putz ab, weil das Wasser dort herausquoll. Außerdem stand beispielsweise ein Flachbildfernseher von Phil im Keller, der dort ein kühles Bad nehmen durfte. Als ob das alles nicht genug wäre, hatten wir von da an noch öfters mit diesem Problem zu tun.
Am nächsten Tag sind wir also gegen Mittag aus Ottawa losgefahren in Richtung Toronto. Die Fahrt war sehr entspannt, weil der Highway relativ frei war und man dank des Tempomats schließlich nicht viel machen musste. Außer das Auto gerade zu halten, natürlich. Nach etwa vier Stunden Fahrt ging es dann durch den Großraum Toronto, wo es dann doch etwas komplizierter wurde. Was da auf beiden Seiten an Fahrzeugen über den drei- bis vierspurigen Highway strömt, ist unglaublich. Trotzdem gab es, abgesehen von einem sehr kurzen Stau, keine Probleme.
Jedenfalls war unser eigentliches Ziel für den Tag London (in Ontario, nicht Großbritannien), weil Jeff dort jemanden kennt, der uns für eine Nacht bei sich aufnehmen würde. Das mehr oder weniger Witzige ist nun, dass dieser Jemand auch einen Rohrbruch hatte, einen Tag später. Also haben wir unsere Route ein wenig geändert und uns gedacht, "besuchen wir mal Halton Place und schauen, ob wir da pennen können", also auf der Farm, wo wir vor ein paar Monaten gearbeitet hatten. Hätte das nicht geklappt, wären wir einfach weitergefahren, aber zum Glück war das kein Problem.
Tatsächlich hatte sich viel verändert und doch ist vieles gleich geblieben. Zu der Zeit war nur ein Mädchen, Jessica, da, die sich um die Hunde und die Pferde kümmert. Die Baustelle ist nun mehr oder weniger fertig und draußen kann man wegen der riesigen Schneeberge ohnehin nicht viel machen.
Wir hatten uns also gedacht, "schlafen wir mal wieder in unserem alten Zimmer in der Scheune". Wir kamen rein und hörten es schon laut plätschern. In der Wand zwischen unserem Zimmer und dem Bad war bei Minusgraden ein kaputtes Rohr aufgetaut - warum auch immer - und hat sowohl unser Zimmer, also auch das darunter durchnässt - nämlich das, wo der Sicherungskasten war. Diese bittersüße Ironie. Nach etwas Rumprobieren haben wir dann herausgefunden, dass der Hauptschalter sowohl Wasser, als auch Strom ausschaltet, also mussten wir die Techniker der Baustelle anrufen, damit sie um 23 Uhr Nachts das Rohr abdichten. Solange haben wir drei es uns im anderen Haus mit Kerzen, dicken Jacken und deutschem Weinbrand gemütlich gemacht.
Man merke an, dass wir rein zufällig genau an diesem Tag, genau zu dieser Zeit dort aufgekreuzt sind und den Schaden rechtzeitig bemerkt haben.
Pferde mit Jacken.
Am nächsten Tag ging Strom und Wasser zumindest drüben im Haus wieder und wir wollten noch für eine Nacht bleiben, weil uns Axel, quasi unser früherer Chef, in sein eigenes Haus zum Abendessen mit seiner Familie eingeladen hat. Wir hatten viel Spaß und gleichzeitig hat Axel uns noch einige nützliche Tips für die Reise in die USA gegeben, weil er selbst sehr oft dort ist. Die Gespräche waren manchmal etwas verwirrend aber auch witzig, weil seine Familie auch teilweise deutsch spricht und wir so öfters einfach mitten im Satz zwischen Englisch und Deutsch gewechselt haben.
Zu Essen gab es Kartoffelbrei mit Soße, Röstzwiebeln, Weißwurst, Rotkohl, Fleischsalat und zum Nachtisch deutsche und kanadische Schokolade. Und das war so ziemlich das Leckerste seit langem, weil wir uns für eine Weile nur von Fastfood und gelegentlich Toast ernährt haben - und weil wir seit mehr als 24 Stunden nicht mehr als einen Apfel gegessen hatten.
Am nächsten Tag hat es heftig geschneit, so dass Timur (auch einer unserer ehemaligen Chefs und Grundstücksbesitzer) uns geraten hat, noch für eine Nacht zu bleiben und abzuwarten, bis es nicht mehr schneit. Am selben Tag - ein Samstag übrigens - waren wir in Georgetown einkaufen. Während der Fahrt haben sich zwei riesige Risse in der Frontscheibe gebildet, neben dem, den wir ohnehin schon hatten, der uns aber sonst keine Probleme bereitet hatte. Eigentlich wollten wir die Scheibe aus Preisgründen erst in den Staaten austauschen. So war es dann doch relativ dringend, also mussten wir für NOCH mal zwei Nächte bleiben (da Sonntags keine Werkstatt geöffnet hat).
Der untere ist erst vor kurzem entstanden.
Natürlich haben wir hier nicht nur faul rumgelegen, sondern etwas angepackt und draußen Schnee geschippt oder Müll weggeräumt, aber viel gab es, wie gesagt, nicht zu tun. Montag konnte ich endlich zur Werkstatt, während Tommy auf der Farm ausgeholfen hat. Nach etwa fünf Stunden langen Wartens in einem nahen Subway-Restaurant konnte ich dann endlich das Auto mit der neuen Scheibe abholen. Also war nun der Plan: Dienstag früh geht es los -
- denkste! Tommy wurde plötzlich heftig krank, sodass er erstmal einen, beziehungsweise zur Sicherheit zwei Tage Ruhe brauchte.
Nun haben wir Mittwoch und jetzt, da es Tommy besser geht und die Frontscheibe repariert ist, hoffen wir, dass wir morgen, nach einer Woche (und geplant war wohlgemerkt nur ein Tag), endlich abhauen können. Morgen geht es dann durch Detroit über die Grenze in die USA, von wo aus wir dann bis Indianopolis fahren werden, wo uns schon ein netter Couchsurfing-Gastgeber mit Rum und "Cards aginst humanity" erwarten wird. Wir werden voraussichtlich acht Stunden (knapp 800km) unterwegs sein.
Übrigens hab ich beim letzten Mal vergessen zu erwähnen, dass mein ehemaliges Team und ich in den Credits (Abspann) des Spiels erwähnt werden, das ich getestet hab. Wie cool ist das denn? Nicht, dass sich irgendjemand jemals freiwillig den Abspann komplett ansehen würde, aber es ist trotzdem etwas, was nicht jeder von sich behaupten kann.
So, nun hoffen wir mal, das morgen alles glatt geht und wir nicht durch irgendeinen dummen Zufall schon wieder festgehalten werden.
Sorry für den langen Post, jetzt wird es schon langsam ziemlich spät. Wer Rechtschreib- oder Logikfehler findet, darf sie bunt unterstreichen.
Also bis dann!







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