Auf geht's, ab geht's
Die letzten Tage waren einfach nur eine Qual.
Nachdem wir am Samstag Das Auto gekauft hatten, hatten wir uns vorgenommen, ab dem Montag in der folgenden Woche alles zu besorgen, was wir für die Reise brauchen würden.
Dazu gehört natürlich als allererstes die Zulassung. Da die Zulassungsstellen immer nur während unserer Arbeitszeiten geöffnet haben, musste ich mir am Dienstag eine Stunde frei nehmen. Weil das Auto auf Tommy zugelassen ist und wir dachten, mit einer kleinen Vollmacht von ihm könnte ich das auch erledigen, war die Zeit etwas verschwendet, sodass ich dann mit leeren Händen zur Arbeit zurückkehren musste. Am Mittwoch dann war Tommy unterwegs und hat das ganze in wenigen Minuten geklärt. Wir dachten, ein Stück Blech und ein paar Einträge ins Verkehrsregister können ja nicht viel kosten - denkste. 300$ hat der Spaß gekostet. 10% des Fahrzeugwertes waren ein Teil davon, also 140$. Dann nochmal 70$ Provinz-Steuer, und der Rest... keine Ahnung.
Dann die Versicherung. Ab Mittwoch hatten wir verschiedene Versicherer angerufen, die uns alle nicht versichern wollten, weil wir Backpacker sind und kaum in Quebec sein würden. Selbst Versicherungsmakler konnten uns nicht helfen. Als wir dann bei der ersten Versicherung noch mal angerufen haben, ging es dann plötzlich doch - wobei wir diesmal allerdings nicht erwähnt haben, dass wir im Prinzip kaum in Quebec sein werden. Jetzt sind wir für ein Jahr versichert, obwohl wir nur 4 Monate brauchen, aber das ist besser als nichts. Dafür ist sie ziemlich günstig.
Weil es mit den Kosten nicht reicht, haben wir am Mittwoch auch den ersten Strafzettel unseres Lebens in höhe von 103$ bekommen. Der Räumungsdienst fährt nämlich irgendwann zufällig am Straßenrand entlang, um den Schnee aufzusammeln. Autos, die dann im Weg stehen, werden einfach abgeschleppt. Natürlich wird man gewarnt: Auf der Straße stehen weit verteilt Schilder, die besagen, dass der Räumingsdienst ab und zu im Winter den Schnee wegräumt und man das Auto dann umparken muss. Einen Tag vorher wird auch noch ein kleiner Zettel mit der selben Nachricht auf die Frontscheibe geklebt. Nur lag der Schnee schon seit einer Woche, so dass diese Tatsache bei uns gar nicht mehr auf dem Schirm war. Den Zettel hatten wir auch nicht gesehen, weil wir Das Auto seit mehreren Tagen nicht mehr benutzt hatten. Jedenfalls kam es wie es kommen musste - wir kommen nach der Arbeit nach Hause und der Wagen ist weg. Francis hat uns freundlicherweise darüber informiert, dass man da bei speziellen Hotlines anrufen kann, die einem dann sagen, wohin man abgeschleppt wurde. In unserem Fall nur etwa 100 Meter weiter. Die Freude war deswegen trotzdem nicht größer.
Als nächstes funktionierte unsere Klimaanlage plötzlich nicht mehr. Dass das bei -25°C alles andere als geil ist, muss ich wohl nicht erwähnen. Davon mal abgesehen beschlugen die Scheiben von innen ständig, sodass wir nur mit weit geöffneten Fenstern fahren konnten. Die Tatsache, dass man sich im Auto kaum bewegt, tut sein übrigstes. Alles in allem hat mir der Spaß ein paar Frostbeulen eingebracht, die sich übrigens wie Sonnenbrand anfühlen (und auch die selben Symptome aufweisen), aber wesentlich schmerzhafter sind.
Trotz heruntergelassener Fenster war es ziemlich schwierig, zu fahren, und wir hatten ja immernoch unsere hinteren Sitze, die wir schnellstmöglich loswerden mussten, denn es war schon Samstagabend und wir hatten mit einem anderen Deutschen ausgemacht, am Sonntagmorgen schon mal ein Bett und Camping-Equipment von ihm abzukaufen und in unseren Wagen zu stopfen.
Die Rücksitze mussten wir deshalb im Schutz der Nacht neben einem Sperrholz-Container auf einem kleinen Firmengelände zurücklassen.
Da alle Werkstätten geschlossen hatten und wir am Sonntag aus unserer geliebten Wohnung raus mussten, mussten wir noch ein wenig Zeit totschlagen. Abends fanden wir dann eine kleine, aber günstige Wohnung. Das Zimmer war zwar ganz nett eingereichtet und halbwegs warm, aber gleichzeitig auch eine statisch geladene Todesfalle. Wenn man sich hier im Bett wälzt, hört man es leise knistern. Nachts hatte ich einmal meinen Arm schnell über die Decke gezogen und konnte danach eine breite, sich langsam fortbewegende Spur aus kleinen Blitzen beobachten. Als ich dann mit Kopfhörern auf einem Stuhl saß, habe ich jedes mal, wenn ich meine Hausschuhe über den Boden geschliffen hab, einen tierischen Schlag auf meine Ohren bekommen. Sowas krasses hab ich noch nie erlebt.
Am Montag sind wir ziemlich früh aufgestanden, um gleich die ersten in der Werkstatt zu sein, um unsere Klimaanlage reparieren zu lassen. Wie es der Zufall so wollte, hatte ich den Wagen angelassen und sie funktionierte wieder, allerdings nur kalte Luft. In der Werkstatt angekommen kam dann sogar Warme. Ein paar Kleinigkeiten haben wir trotzdem noch beheben lassen, sodass wir sehr günstig davon gekommen sind und somit unsere größte Sorge aus der Welt war.
Da jetzt quasi alles in Sack und Tüten ist, kann es auch schon losgehen. Gleich gehen wir noch ein wenig frühstücken, dann geht es ab nach Ottawa, um noch mal unsere Freunde zu besuchen. Außerdem bräuchten wir beispielsweise noch eine Landkarte und man kann dort auf dem Rideau-Kanal eislaufen gehen. Wie es dann weitergeht, haben wir uns natürlich schon überlegt, allerdings will ich an dieser Stelle erstmal noch nicht zu viel verraten ;)
Ciao!

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