Freitag, 3. April 2015

Vom Tellerwäscher zum Millionär?

Meine eigentliche Jobposition lautet ja 'Stewart'. Hauptsächlich stehen wir an ein paar Spülen und säubern mit Druck Teller, Besteck, Töpfe, Pfannen - was eben so beim Kochen und beim Essen anfällt. Danach kommt das Zeug für ein paar Sekunden in eine Art Geschirrspülmaschine. Danach trocknet es dann kurz und wir stapeln es auf Handwagen, um es dann bei Gelegenheit wegzubringen.
In der Regel stehen wir nur zu Zweit da. Häufig ist die Arbeit relativ entspannt, aber wenn dann die 'Rush Hours' beginnen, zum Beispiel die übliche Abendbrotzeit, kann es schon mal sehr hektisch werden. In der einen Sekunde steht man noch gelangweilt da, in der nächsten Stapelt sich plötzlich das Geschirr vor der Nase.
Je nach Bedarf müssen wir aber auch Zutaten putzen, Gemüse schneiden/schälen oder den Köchen zur Hand gehen. Dadurch haben wir halbwegs Abwechslung und es wird nicht ganz so schnell langweilig.
Leider riecht es, anders, als erwartet, nicht wirklich lecker in der Küche. Meistens nach Essig, rohem Fleisch oder Gewürzen, von denen ich noch nie gehört hab. Das Gute ist aber, dass man an der Bar kostenlos verschiedene Getränke bekommt. Ein weiterer Vorteil daran, in einer Küche zu arbeiten, ist, dass 2-3 Stunden vor Feierabend (in meinem Fall so ab 21 Uhr) Reste vom Gourmet-Fraß überbleiben. Am ersten Tag, also vorgestern, gab es zum Beispiel leckeren Kartoffelsalat oder Kartoffelbrei, und es war so viel übrig, dass ich dort einen Teller essen und mir immer noch zwei große Portionen einpacken lassen konnte. Gestern gab es sogar Hänchnen- und Schweinefilets. In der Küche gibt es auch eine kleine Bäckerei, also kann man zwischendurch frisches Brot oder Muffins naschen. Manchmal backen meine Kollegen auch zum Schluss noch etwas Brot, das wir dann mit rüber zum Wohnhaus nehmen.

Obwohl mein Lohn von 10,75$ nur knapp über dem Mindestlohn liegt, kann ich hier trotzdem sehr gut verdienen. Im Vergleich: In Montreal bekam ich 13$ die Stunde. Dafür musste ich dort für unser Appartment (auch, wenn es an sich wesentlich besser war) 530$ Miete bezahlen, wohingegen es hier nur 200$ sind. Während ich mich dort für mehr als 70$ pro Woche ernährt hab, sind es hier vielleicht nur 25$ - immerhin gibt es genug in der Küche. Ich muss auch sagen, dass ich das Tellerwaschen bisher weniger ermüdend finde, als Videospiele zu testen (diese Ironie!). Außerdem brauche ich nur 2 Minuten bis zum Arbeitsplatz - in Montreal war es immer eine halbe Stunde. Und bei Plusgraden zur Arbeit zu gehen ist auch angenehmer, als bei höchstens -20°C.
Hier ist zwar sonst nicht viel los, da das Hotel ziemlich abgeschieden ist. Dafür aber treffen wir uns meistens vor oder nach der Arbeit im 'staff house', wo wir wohnen. Um in die Stadt zu kommen, bieten manche Mitarbeiter Fahrgemeinschaften an. Ansonsten hat man hier definitiv seine Ruhe und es gibt viel Natur. Genau das, was ich nach dem ganzen Reisen brauch.
Fürs erste gefällt es mir hier ziemlich gut und ich denke, es lässt sich hier noch eine Weile aushalten. Bis zum Flug nach Hause sind es auch nur noch 3,5 Monate. Mittlerweile vergeht die Zeit immer schneller und es kommt mir so vor, als wären Tommy und ich erst vor ein paar Tagen aus Montreal losgefahren. Gleichzeitig gibt es aber immer noch so viel zu tun und zu sehen. Wie Martin von der Farm ein mal gesagt hatte: "Wenn man zurück schaut, ist man schon so lange hier, aber wenn man nach vorne schaut, liegt noch so viel vor einem". Ich bleibe wie immer gespannt.

Bis dann!

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