So damn frosty
Langsam wird es doch relativ ungemütlich. Während es in der Weihnachtszeit keinen Schnee gab (und da wäre welcher schön gewesen), ist die Stadt momentan eine einzige Eisbahn.
Am 5. Januar mussten Tommy und ich wieder zur Arbeit. Doch am Wochenende davor gab es einen Eisregen, der Abends für eine Stunde den Strom in unserer Straße ausgeknipst hat. Die Stromleitung war laut unserem Vermieter, Francis, durch das ganze Eis zu schwer geworden - am Kabel und an den Zweigen der Bäume hingen nämlich noch etwa 2cm Eis herunter, was übrigens trotz des Ärgernisses ziemlich schön anzusehen war.
Mir ist auch aufgefallen, wie aufgeschmissen wir ohne Strom eigentlich sind. Die meisten meiner Unterhaltungsgeräte, so will ich sie mal nennen, waren nicht voll aufgeladen, sodass ich sie nicht lange benutzen konnte. Zu Essen konnte ich mir auch nichts vernünftiges machen, weil Herd, Mikrowelle und Toaster Strom brauchen. Und selbst, wenn ich ein Buch hätte, hätte ich es nicht lesen können, weil es zu dunkel war. Außerdem hatte ich die Befürchtung, am nächsten Morgen zu verschlafen, weil mein Handy - was seit Kanada für mich übrigens zu einem sehr wichtigen Universalwerkzeug geworden ist - eben fast leer war und der Wecker dann nicht funktioniert hätte. Wir hatten in dem Moment alle auch nicht so wirklich Lust, etwas zusammen zu machen.
In der Nacht erreichten die Temperaturen -15°C. Das ganze Wasser, was sich vorher auf den Bürgersteigen und den Straßen gesammelt hatte, war nun zu einer dicken Eisschicht gefroren und ich habe nach dem ersten Arbeitstag mit dem Gedanken gespielt, mir entweder Schuhe mit Spikes oder Schlittschuhe zu kaufen, um damit zur Arbeit zu fahren. Auf etwa 1,5km meines Weges wurde überhaupt nicht gestreut und das bisschen Salz auf dem Rest der Strecke hat, abgesehen von ein paar winzigen Kerben im Eis, überhaupt nichts bewirkt. Dementsprechend wenig Leute hat man auch auf den Straßen gesehen. Immerhin musste mein Gesicht nur zwei mal Bekanntschaft mit dem Boden machen, was eine relativ gute Bilanz ist bei einer 2,5-Kilometer-Strecke aus purem Eis. Und: Ich war mit 5 Minuten Verspätung noch mit einer der Pünktlichsten am Arbeitsplatz.
Am Dienstag wurde es noch mal etwas Schlimmer, wobei ich diesmal etwas früher losgegangen bin und mehr Zeit hatte, mich aufs Nicht-Ausrutschen zu konzentrieren. Selbst auf dem Schnee konnte man nicht mehr laufen, weil der hartgefroren und extrem rutschig war. Immerhin wurde auf den ungestreuten Strecken das Eis etwas zerbrochen, sodass man sich auf den Splittern halbwegs fortbewegen konnte. Ich glaube auch nicht, dass man hier jemanden anzeigen kann, wenn man vor Jemandes Haustür ausrutscht. Wenn man sich was bricht, hat man wohl einfach Pech.
Am nächsten Morgen gab es dann ein Temperaturentief von erstmals -27°C. Am vorigen Abend wollten Gothi und ich mal rausschauen und uns selbst ein Bild von der Kälte machen, allerdings haben wir die Tür zunächst nicht aufgekriegt, weil sie ein wenig festgefroren war. Erst durch genug Wut hat sie dann nachgegeben. Mein Fenster krieg ich übrigens seitdem auch nicht mehr auf, um zu lüften, aber vielleicht ist das auch gut so.
So schlimm fand ich die -27°C dabei aber eigentlich nicht. Mit Mütze, Handschuhen, Shirt, Pullover und Jacke darüber, zwei Paar Socken, Thermounterwäsche und einem Schal als Mundschutz ist es sogar relativ warm. Meistens schwitz ich sogar ganz schön, wenn ich dann endlich das Bürogebäude erreiche. Übel wird es nur, wenn es einem ins Gesicht schneit und der Schnee dort taut oder einem der frostige Wind ins Gesicht beißt.
Bei der Arbeit ist es nicht so spannend. In dieser Woche haben wir nur "Audio Validation" gemacht. So haben wir in der Woche zum Beispiel etwa 6600 einzelne Audio-Dateien mit einer Gesamtlänge von etwa 4,5 Stunden bekommen. Also setzt man sich Kopfhörer auf und hört sich alle durchweg an. Manche dann zwei- oder dreimal, um sicherzugehen, dass auch alles richtig ist, denn der Aufwand und die Kosten, etwas noch mal aufzunehmen, weil wir geschlampt haben, sind nachvollziehbar groß. Danach überprüft nämlich niemand, ob unsere Änderungen richtig sind, beziehungsweise verstehen die, die das tun, sowieso nicht alle Sprachen. Wenn wir an diesem Punkt Fehler machen (also unachtsam sind), landen die genauso im Spiel.
Ansonsten passiert hier nicht viel Erwähnenswertes. Nach der Arbeit ist der Tag überraschend schnell vorbei und am Wochenende sind wir immer ganz froh, wenn wir mal nicht aus dem Haus müssen. Dass wir nicht wirklich Sightseeing betreiben, liegt auch größtenteils am Wetter. Zeitweise und solange man in Bewegung bleibt, kann man sich draußen halbwegs aufhalten, aber für gemütliches Schlendern ist es einfach zu kalt und zu rutschig.
Deshalb werde ich dann erst wieder schreiben, wenn wir halbwegs aufgetaut sind, oder vielleicht nächste Woche.


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